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Politik

Besseres Überleben bei Lungenkrebs durch zentrale molekulare Diagnostik

Montag, 8. Juli 2019

/freshidea - stock.adobe.c

Berlin – In Deutschland sterben jedes Jahr Menschen an Lungenkrebs, weil sie nicht die umfassende molekulare Diagnostik erhalten, die eine zielgerichtete Therapie er­mög­lichen würde. Die präzise molekulare Diagnostik des Lungenkarzinoms sei mittler­weile so komplex und aufwendig, dass sie von Krankenhäusern der Regelversorgung nicht mehr geleistet werden könne, erklärte Jürgen Wolf, Ärztlicher Leiter des Cen­trums für Integrierte Onkologie am Universitätsklinikum Köln bei der Jahrespresse­kon­ferenz der Deutschen Krebshilfe in Berlin.

Er plädierte deshalb dafür, eine zentrale molekulare Diagnostik und Therapieplanung an onkologischen Spitzenzentren einzuführen, die auch die Therapieplanung überneh­men. Die Behandlung selbst könne dann wohnortnah erfolgen. „Wenn wir ein dezen­trales Gesundheitssystem beibehalten wollen, geht das nur mit Arbeitsteilung“, argu­men­tierte der Mediziner.

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Mit einer systemischen Chemotherapie haben unselektionierte Patienten mit fortge­schrittenem, nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ein medianes Überleben von gerade einmal einem Jahr. Eine auf einer Bestimmung der Treibermutationen ba­sierende zielgerichtete Therapie, die effizienter und besser verträglich ist als eine kon­ventionelle Chemotherapie, ermöglicht Überlebenszeiten von fünf Jahren und mehr.

„Allerdings reicht es nicht, nur auf die wenigen Treibermutationen zu testen, für die es bereits zugelassene Therapien gibt und die deshalb von den Krankenkassen bezahlt werden“, betonte Wolf. Vielmehr müssten sämtliche bekannten Treibermutationen er­fasst werden.

Wolf ist Sprecher des seit April 2018 von der Deutschen Krebshilfe geförderten Natio­na­len Netzwerks Genomische Medizin Lungenkrebs, welches aus 17 Diagnostikzent­ren, 182 Krankenhäusern und 120 Praxen besteht.

Hier wird seit gut einem Jahr die zentrale Diagnostik und Therapieplanung erprobt, die laut Wolf den einzigen Weg darstelle, um zu erreichen, dass alle Lungenkrebspatien­ten von einer personalisierten Therapie und der damit einhergehenden Verlängerung der Überlebenszeit profitieren können. Und dies mit Erfolg, wie der Kölner Onkologe betonte: „Wir haben den Beweis geliefert, dass eine harmonisierte molekulare Diag­nos­tik, zentrale Datenhaltung und harmonisierte Therapieempfehlungen machbar sind.“

Blaupause für andere Tumorentitäten

Seit Projektbeginn sind pro Jahr 5.000 Patienten von mehr als 200 Netzwerkpartnern zentral molekular diagnostiziert worden. Für Gerd Nettekoven, den Vorstandsvorsit­zen­­den der Deutschen Krebshilfe, liefert das Projekt „eine Blaupause auch für andere Tumorentitäten“ – wenn die Finanzierung geklärt sei.

Die umfassende molekulare Diagnostik aller bekannten Treibermutationen beim Lungenkarzinom ist keine Regelleistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Die Kostenerstattung der molekularen Diagnostik im Rahmen des Nationalen Netzwerks Genomische Medizin Lungenkrebs erfolgt über Sonderverträge mit einigen großen Krankenkassen. Über kurz oder lang sei eine Regelfinanzierung notwendig, so Nette­koven, da die Förderung der Deutschen Krebshilfe nach zwei Jahren auslaufe.

Die Entscheidung für den Lungenkrebs zur Erprobung einer zentralen Diagnostik sei unter anderem dadurch zustande gekommen, dass hier der Unterschied im Überleben zwischen Standardtherapie und personalisierter Therapie sehr groß sei, erklärte Wolf. Damit hätten sich auch die Krankenkassen leichter überzeugen lassen, sich zu betei­ligen. © nec/aerzteblatt.de

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