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Politik

Karliczek zieht positive Zwischenbilanz der Dekade gegen Krebs

Montag, 3. Februar 2020

/Rido, stock.adobe.com

Berlin – Ein Jahr nach Start der Nationalen Dekade gegen Krebs hat Bundesforschungs­ministerin Anja Karliczek (CDU) heute in Berlin eine positive Zwischenbilanz gezogen. Sie kündigte an, dass bald 13 neue Studienprojekte die Arbeit aufnehmen werden.

Diese sollen sich vorwiegend mit Themen beschäftigten, die bei der klassischen Förde­rung bis­lang zu kurz gekommen seien, etwa die optimierte Behandlung von Fatigue oder Nach­­sorgemaßnahmen bei Brustkrebs.

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Bei der Pressekonferenz aus Anlass des morgigen Weltkrebstages berichtete Karliczek au­ßerdem, dass das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) um bis zu vier zusätz­liche Standorte erweitert werden soll. Aktuell gibt es Standorte in Dresden und Heidel­berg. Die Auswahl der neuen Standorte – die Ausschreibung läuft noch bis Ende des Mo­nats – soll in diesem Sommer getroffen werden.

Besonderen Wert legte die Bundesministerin auf die Einbindung der Patienten und der Bevölkerung in die Arbeit der nationalen Dekade gegen Krebs. Eine Online-Befragung unter rund 3.000 Bürgern, Ärzten, Forschern und Interessierten habe ergeben, dass „sich Patienten einen Paradigmenwechsel wünschen, hin zu einer individualisierten Behand­lung, die auch das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität berücksichtigt“, so Karliczek.

Für das zweite Jahr der Dekade ist geplant, dass Patienten künftig standardmäßig in die Auswahlgremien eingebunden werden, die über die Vergabe von Fördermitteln entschei­den. Die EU-Ratspräsidentschaft, die Deutschland im zweiten Halbjahr 2020 übernimmt, will Karliczek außerdem nutzen, um die Krebsforschung auch in der EU in den Fokus zu rücken.

Michael Baumann, Co-Vorsitzender des Strategiekreises der Nationalen Dekade gegen Krebs und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums, warnte, dass sich die Zahl der Krebserkrankungen weltweit bis 2040 verdoppeln werde. Allein in Deutsch­land erkrankten jedes Jahr circa 500.000 Menschen an Krebs. Bis zum Jahr 2030 sei mit einer Zunahme der Neuerkrankungen auf 600.000 pro Jahr zu rechnen.

Eine Zahl, die oft übersehen werde, sei, dass „in Deutschland vier Millionen Menschen mit oder nach Krebs leben – mit dem entsprechenden Risiko von Rückfällen und spät auftre­tenden Nebenwirkungen“, ergänzte er.

Als wirksamste Strategien im Kampf gegen den Krebs nannte Baumann die Primärprä­vention und die Früherkennung von Krebserkrankungen. „Damit ließen sich bis zu 70 Prozent aller Krebserkrankungen vermeiden“, betonte er. Zusammen mit der Suche nach besseren Therapien seien die die wichtigsten Handlungsfelder, auf denen Fortschritte erzielt werden könnten.

Die Nationale Dekade gegen Krebs sei dahingehend „einzigartig“, da sie einen langen zeitlichen Horizont vorsehe, um ihre Ziele zu erreichen und alle relevanten Akteure an einen Tisch bringe – Forscher, Patienten, Ärzte, Krankenversicherer, Industrie und Politik.

Die geplanten neuen Standorte des NCT würden es außerdem nachhaltig ermöglichen, deutlich mehr Ergebnisse aus der Krebsforschung schnell und sicher in die klinische Entwicklung zu bringen.

Forschung soll mehr Daten aus der Versorgung erhalten

„Die Patienten sollen möglichst rasch von medizinischen Innovationen profitieren können“, bestätigte Michael Hallek, ebenfalls Mitglied im Strategiekreis der Nationalen Dekade gegen Krebs und Direktor des Centrums für Integrierte Onkologie Aachen Bonn Köln Düsseldorf.

Dafür sei es erforderlich, dass die Weitergabe von Erkenntnissen nicht länger eine Ein­bahn­straße sein dürfe. Es müssten auch Erkenntnisse aus der Patientenversorgung an die Forschung zurückgespielt werden. Patientendaten könnten zum Beispiel – natürlich unter Einhaltung aller Datenschutzerfordernisse, wie Hallek betonte – genutzt werden, um besser zu verstehen, weshalb einige Medikamente bei einigen Patienten wirken und bei anderen nicht.

Möglich sei dies nur, wenn sich Patienten auch damit einverstanden erklärten, ihre Daten in anonymisierter Form für die Forschung zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen uns da­ran gewöhnen, Patientendaten auszutauschen“, bekräftigte Baumann. Und auch die Bun­des­ministerin sah großes Potenzial im Teilen anonymisierter Daten aus Patientenakten und warb für Offenheit: „Hinsichtlich der Individualisierung der Behandlung kann dies ein richtiger Schritt nach vorne sein, deshalb muss man dafür auch offen sein“, schloss sie. © nec/aerzteblatt.de

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