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Darmkrebs­früherkennung: Niedrige Zugangshürden steigern Teilnahmequote

Donnerstag, 18. Juni 2020

WunderBild, stock.adobe.com

Heidelberg – Je niedriger die Zugangshürden sind, desto häufiger nutzen Versicherte Angebote zur Darm­krebs­früh­erken­nung. Das geht aus einer Studie hervor, die Wissen­schaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gemeinsam mit der AOK Baden-Württemberg, dem Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg durchgeführt haben. Demnach nehmen Versicherte das Angebot dreimal so oft an, wenn sie den Test per Post erhalten und zurückschicken können.

Laut DKFZ zählt Darmkrebs weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Allein in Deutschland erkranken jährlich knapp 60.000 Männer und Frauen an Krebs des Dick­darms oder des Enddarms – rund 25.000 Erkrankte versterben an ihrem Krebsleiden. Dabei ließen sich viele dieser Darmkrebserkrankungen verhindern oder zumindest früh­zeitig erkennen und behandeln, wenn mehr Menschen die Früherkennungsangebote nutzen würden.

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„Bislang haben in Deutschland pro Jahr allerdings nur rund zehn Prozent der Teilnahme­berechtigten den Stuhltest genutzt“, sagte Hermann Brenner vom Deutschen Krebsfor­schungszentrum (DKFZ). „Das sind viel zu wenige und Deutschland hinkt hier im Ver­gleich zu anderen europä­ischen Ländern deutlich hinterher.“ Ein großer Unterschied zu den Ländern mit höherer Teilnehmerquote am Stuhltest sei, dass die umständliche Durchführung in Deutschland.

„Man muss den Test in der Arztpraxis besorgen, zu Hause durchführen, wieder in der Praxis abgeben und schließlich bei einem erneuten Arzttermin das Ergebnis abfragen“, so Brenner. Das seien zu viele Hürden, um eine breite Nutzung des Angebots zu erreichen.

Mit der Studie wurde deshalb untersucht, ob sich durch ein niedrigschwelliges Bereit­stellen des Tests die Nutzungsrate erhöhen lässt. Dazu wurden 17.532 Versicherte im Alter von 50 bis 54 Jahren nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt.

Eingeladen wurden ausschließlich Personen, die in den Jahren zuvor keine Darm­spiege­lung beansprucht hatten, nicht an Krebs erkrankt waren und am AOK-Hausarzt-Programm teilnahmen.

Alle drei Gruppen erhielten ein Einladungsschreiben zur Darm­krebs­früh­erken­nung. Die Teilnehmer in den beiden Interventionsgruppen erhielten mit dem Einladungsschreiben entweder mehrere leicht durchführbare Bestelloptionen (per Internet, E-Mail, Fax oder Post) für den Test bzw. unmittelbar den Test ohne vorherige Bestellung, den sie dann kos­tenfrei per Post zurücksenden konnten. Personen der Kontrollgruppe erhielten lediglich das Einladungsschreiben.

Das Ergebnis: In der Gruppe, die nur das Einladungsschreiben erhalten hatte, lag die Teil­nahmerate wie bisher bei zehn Prozent. In der Gruppe, die mit dem Einladungs­schreiben auch gleich den Test erhielt, lag die Teilnahmerate innerhalb eines Jahres bei fast 30 Pro­zent.

Bei den Studienteilnehmern, die mit dem Schreiben mehrere Bestelloptionen erhalten hatten, war der Effekt annähernd gleich groß. Für Brenner ist diese Erkenntnis ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

„Wir haben gezeigt, dass mit dem erleichterten Zugang die Nutzung der Darmkrebs­früh­erkennung in der Altersgruppe von 50 bis 54 Jahren erheblich verbessert werden kann“, sagte der DKFZ-Forscher. © hil/sb/aerzteblatt.de

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