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Brustkrebs: Behandlung mit Olaparib könnte ovarielle Reserve gefährden

Mittwoch, 15. Juli 2020

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Melbourne – Der PARP-Inhibitor Olaparib, der zur Behandlung des fortgeschrittenen Ovarial- und Mammakarzinoms bei Patientinnen mit BRCA1/2-Mutationen zugelassen ist, kann möglicherweise die Lebensphase, in der Frauen Kinder bekommen können, verkürzen.

In einer experimentellen Studie in Human Reproduction (2020; DOI: 10.1093/humrep/deaa128) wurde die Zahl der Primordialfollikel um 1/3 vermindert. Für die behandelten Frauen könnte dies eine Einschränkung der ovariellen Reserve und eine vorzeitige Menopause bedeuten.

Olaparib hemmt die DNA-Reparatur, indem es die Wirkung einer Enzymfamilie blockiert, die als Poly(ADP-Ribose)-Polymerase oder PARP bezeichnet wird. Der PARP-Inhibitor ist bei Krebserkrankungen wirksam, die durch die Brustkrebsgene BRCA1/2 ausgelöst werden. Dies betrifft häufig jüngere Frauen im gebärfähigen Alter. Derzeit ist Olaparib nur bei Frauen mit fortgeschrittenem Ovarial- und Mammakarzinom zugelassen, die nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben.

In einer randomisierten kontrollierten Studie, OlympiA, wird derzeit untersucht, ob Olaparib auch bei Frauen mit einem frühen, möglicherweise heilbaren BRCA1/2-Brustkrebs wirksam ist. Diese Frauen hätten nach der Behandlung möglicherweise eine normale Lebenserwartung, die mit einer Familienplanung vereinbar wäre.

Der Wirkungsmechanismus lässt allerdings vermuten, dass Olaparib die Primordial­follikel schädigen könnte, aus denen sich monatlich eine Eizelle entwickelt. Da die Zahl der Primordialfollikel begrenzt ist und diese nicht erneuert werden können, würde eine Beschädigung die ovarielle Reserve einschränken. Dies würde die Option auf einen Kinderwunsch frühzeitig beenden. Außerdem droht eine vorzeitige Menopause, die mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist.

Ein Team um Amy Winship von der Monash University in Melbourne hat deshalb die Auswirkungen von Olaparib auf die Primordialfollikel bei Mäusen untersucht. Die Tiere wurden zunächst mit Zytostatika behandelt, die üblicherweise beim Mammakarzinom eingesetzt werden. Ein Teil der Tiere erhielt im Anschluss eine Erhaltungstherapie mit Olaparib. Schon nach 28 Tagen war die Zahl der Primordialfollikel um 36 % vermindert.

Eine negative Auswirkung auf den Eisprung und den monatlichen Zyklus war nicht nachweisbar. Auch die Konzentration des Anti-Müller-Hormons (AMH) blieb normal. Das AMH wird bestimmt, um bei Frauen die ovarielle Reserve abzuschätzen. Ein normaler Wert trotz verminderter Zahl der Primordialfollikel könnte bedeuten, dass der drohende Verlust der Fruchtbarkeit bei den mit Olaparib behandelten Frauen nicht erkannt wird, warnt Winship.

Die Krebspatientinnen würden dann möglicherweise die Chance verpassen, sich durch Entnahme und Kryokonservierung von Eierstockgewebe die Option auf einen späteren Kinderwunsch offen zu halten. © rme/aerzteblatt.de

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