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Ärzteschaft

CAR-T-Zell-Therapie an 26 Zentren in Deutschland verfügbar

Mittwoch, 5. August 2020

CAR-T steht für „chimärer Antigenrezeptor-T-Zellen“. Die T-Zellen des Krebspatienten exprimieren ein Rezeptor, dessen Gen von einem inaktivierten Virus eingeschleußt wird. /Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Berlin – CAR-T-Zellen sind mittlerweile an 26 Zentren in Deutschland verfügbar. Mehr als 300 Patienten wurden damit behandelt. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Hä­ma­tologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Laut einer Umfrage der Fach­gesellschaft sind die Erfahrungen der Zentren mit der Behandlung gut.

Die ersten beiden kommerziellen CAR-T-Zellprodukte wurden im August 2018 von der European Medicines Agency (EMA) zugelassen und kurz darauf auf dem deutschen Markt eingeführt. Beide Produkte enthalten chimäre Antigen-Rezeptoren gegen CD19, ein Ober­flächenmolekül von B-Lymphozyten.

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Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta) wird eingesetzt bei bestimmten Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und bei bestimmten Patienten mit primär medias­tinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL).

Tisagenlecleucel (Kymriah) wird für die Behandlung von Kindern und Erwachsenen (bis 25 Jahre) mit Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) der B-Zellreihe und für bestimmte Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) eingesetzt.

Grundsätzlich werden für eine CAR-T-Zell-Therapie dem Patienten zunächst körpereigene T-Zellen entnommen und außerhalb des Körpers so verändert, dass sie effektiver gegen Leukämiezellen vorgehen können.

Dazu statten Wissenschaftler die T-Zellen im Labor mit dem Gen für ein besonderes Rezeptorprotein aus. Dieser chimäre Antigenrezeptor (CAR) erkennt als Zielstruktur ein Proteinmolekül, das bei bestimmten Leukämieformen von den Krebszellen ausgebildet wird. Die CAR-T-Zellen werden anschließend vermehrt und dem Patienten wieder über­tragen.

Laut der DGHO-Umfrage ist die Behandlung komplikationsärmer als befürchtet. Die Rate der intensivpflichtigen Patienten liegt danach bei 14 Prozent, die Mortalität bei drei Pro­zent.

In den Verfahren zur frühen Nutzenbewertung hatte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) die Zahl für Patienten mit rezidiviertem/refraktärem aggressivem B-NHL auf etwa 600 pro Jahr geschätzt, für Patienten mit rezidivierter/refraktärer B-Linien-ALL zwischen 50 und 65 pro Jahr. Die bisherigen Zahlen liegen deutlich unterhalb dieser Schätzungen.

„Zusammen mit den CAR-T-Zellen haben wir gerade bei den aggressiven Lymphomen in den letzten Jahren erfreulicherweise mehrere neue Arzneimittel mit Heilungschancen in die Hand bekommen“, erläuterte Lorenz Trümper, geschäftsfüh­render Vorsitzender der DGHO und Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Univer­sitätsmedizin Göttingen.

Die Kunst bestehe in der Wahl der richtigen Therapie für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt. Für die nahe Zukunft erwartet die Mehrzahl der Zentren laut der Umfrage aber eine Steigerung der Patientenzahlen.

Die DGHO rechnet auch mit einer Indikationserweiterung auf Patienten mit Multiplem Myelom: „Bei Patienten mit stark vorbehandeltem Myelom konnte die CAR-T-Zell-Therapie eine hohe Remissionsrate mit zum Teil mehr als 50 Prozent kompletten Remissionen und einer deutlich längeren progressionsfreien Zeit als mit allen bisher verfügbaren Medika­menten erreichen.

Die Zulassung von CAR-T-Zellen für diese Indikation, spätestens Anfang nächsten Jahres, wird zu einer weiteren Zunahme der CAR-T-Zell-Therapien in Deutschland führen“, sagte Hermann Einsele, Vorsitzender der DGHO und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. © hil/aerzteblatt.de

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