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Ausland

EU-Kommission: Sechs Krebsmedikamente sollen deutlich günstiger werden

Mittwoch, 10. Februar 2021

Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Brüssel – Sechs Krebsmedikamente des Herstellers Aspen sollen in Europa künftig um durchschnittlich 73 Prozent günstiger werden. Das südafrikanische Unternehmen habe sich dazu verpflichtet, über die kommenden zehn Jahre nicht mehr als die reduzierten Preise zu fordern, teilte die EU-Kommission heute mit. Aspen habe außerdem die Versorgung Europas mit den Medikamenten mindestens für die nächsten fünf Jahre zugesichert.

Sollte sich das Unternehmen dann aus der Versorgung Europas zurückziehen, werde es die entspre­chen­de Genehmigung an ein anderes Unternehmen abtreten. Bei Verstoß gegen die Abmachung droht Aspen ein Bußgeld in Höhe von bis zu zehn Prozent seines Jahresumsatzes. Nach eigenen Angaben könnte die Kommission diese Strafe direkt und ohne weitere Ermittlungen verhängen.

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Das Unternehmen verlange „übermäßig“ viel Geld für bestimmte Mittel zur Behandlung von Leukämie und anderer Blutkrebserkrankungen, erklärte die für Wettbewerb zuständige EU-Kommissionsvize Mar­grethe Vestager heute. Dabei seien „Patienten, darunter kleine Kinder, auf diese Medikamente angewie­sen“. Aspens Zugeständnis werde europäischen Gesundheitssystemen Dutzende Millionen Euro sparen und sicherstellen, dass diese wichtigen Medikamente weiterhin verfügbar seien.

Nach Angaben der EU-Kommission hatte Aspen die Rechte zur Herstellung der patentfreien Medika­men­te erworben und von 2012 an damit begonnen, die Preise nach und nach zu erhöhen – „oft um mehrere Hundert Prozent“. 2017 leitete Brüssel Ermittlungen ein, die ergaben, „dass Aspen nach den Preiser­hö­hun­gen durchgehend sehr hohe Gewinne aus dem Verkauf dieser Medikamente in Europa erzielte“.

Die Preise überstiegen demnach die relevanten Kosten im Durchschnitt um fast dreihundert Prozent. „Legitime Gründe“ für diese Gewinnspanne lägen nicht vor, zumal die Medikamente seit 50 Jahren pa­tentfrei seien. „Aspen konnte diese Preiserhöhungen erreichen, weil Patienten und Ärzte meist keine Al­ternativen zur Verwendung dieser speziellen Krebsmedikamente hatten“, erklärte die Kommission weiter. In einigen Fällen sei das Unternehmen Kritik an seiner Preispolitik sogar mit der Drohung begegnet, sich aus der Versorgung zurückzuziehen.

Die EU-Kommission hatte bereits vor Monaten kritisiert, dass Pharmaunternehmen zuweilen ihre beher­rschende Stellung ausnutzten, um die Preise für ältere aber immer noch unentbehrliche Arzneimittel oh­ne triftigen Grund um mehrere hundert Prozent zu erhöhen. Betroffen waren etwa die Arzneimittel Alke­ran, Leukeran und Purinethol. Diese Bedenken der Kommis­sion bezüglich der Preisgestaltung der Medi­ka­mente seien nun ausgeräumt worden, sagte Vestager.

Die Entscheidung gilt den Angaben zufolge für den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum zu dem neben den EU-Ländern auch Norwegen, Island und Lichtenstein zählen. Eine Ausnahme gebe es ledig­lich für Italien, wo bereits andere Regelungen getroffen worden seien. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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