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Ärzteschaft

Neue S3-Leitlinie gibt Empfehlungen zu Komplementärmedizin bei Krebs

Montag, 26. Juli 2021

/Christin, stock.adobe.com

Berlin – Eine neue S3-Leitlinie gibt Empfehlungen zum Einsatz komplementärmedizinischer Verfahren in der Behandlung von onkologischen Patienten. Das Spektrum der 155 Empfehlungen und Statements reicht dabei von Akupunktur und Meditation über Chirotherapie und Sport bis hin zu Vitaminen und Mistelpräparaten.

Erarbeitet wurden die 155 Empfehlungen und Statements unter Federführung der Deutschen Krebsge­sell­­schaft, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, der Deutschen Ge­sellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie.

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Unterteilt ist die evidenzbasierte Leitlinie in vier thematische Blöcke. Der erste Block „Medizinische Sys­teme“ befasst sich mit Akupunktur, Akupressur, anthroposophischer Medizin, Homöopathie und klassi­schen Naturheilverfahren wie der Balneotherapie.

In einem zweiten Block beschäftigt sich die Leitlinie mit Mind-Body-Verfahren wie Meditation, Mindful­ness-based Stress Reduction (MBSR), multimodalen und integrativen Verfahren, Tai Chi und Qigong sowie Yoga.

Manipulative Körpertherapien sind Thema des dritten Blocks: Sie reichen von Bioenergiefeldtherapien wie zum Beispiel Reiki über Chirotherapie/Osteopathie/Cranio-Sacral-Therapie, Hypertherapie, Reflex­therapie, schwedischer Massage und Shiatsu bis zu einem Abschnitt über Sport und Bewegung generell.

Biologische Therapie schließlich bilden den vierten thematischen Block der Leitlinie: Hier geht es vor allem um den Einsatz von Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und speziellen Ernäh­rungsweisen wie der ketogenen Diät. Zudem wird hier die Evidenz zu Phytotherapeutika wie etwa Mis­telpräparate zusammengestellt und beurteilt.

Präzises Nachschlagewerk für alle in der Onkologie Tätigen

Die Leitlinie soll den Fachgesellschaften zufolge für alle in der Onkologie Tätigen ein präzises Nach­schla­gewerk darstellen, das es ermöglicht, Fragen von Krebsbetroffenen evidenzbasiert zu beantworten und gegebenenfalls aktiv Empfehlungen auszusprechen beziehungsweise auch von konkreten Maßnah­men und Verfahren abzuraten.

„Die umfangreiche Dokumentation der Leitlinie zeigt, dass für die meisten Methoden der komplementä­ren Medizin nur wenig wissenschaftliche Daten vorliegen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Fachgesellschaften.

Hinzu komme, dass viele Studien eine kleine Probandenzahl aufweisen oder eine adäquate Vergleichs­gruppe fehlt. Solche Studien seien methodisch kritisch zu betrachten und die Interpretation der Ergeb­nisse sei damit eingeschränkt.

Während einige Studien zeigen, dass sich die Anwendung komplementärmedizinischer Methoden günstig auf bestimmte Nebenwirkungen der onkologischen Therapie oder auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken kann, gibt es nur in wenigen Studien systematisch erfasste Daten zu potenziellen Schäden in Form von Nebenwirkungen und Interaktionen komplementärer oder alternativer Methoden.

Von hoher Bedeutung bei komplementärmedizinischen Verfahren in der Onkologie ist die Berücksichti­gung potenzieller Arzneimittelinteraktionen: Interaktionen können unter anderem zu einer Verminderung der Wirksamkeit der Tumortherapie oder der supportiven Therapie führen oder umgekehrt auch verstärk­te Nebenwirkungen zur Folge haben.

Hinzu kommen Nebenwirkungen, zum Beispiel von Phytotherapeutika, die sich in einer Organtoxizität äußern können. Diese werden gegebenenfalls nicht als primäre Folge der komplementären Therapie, sondern als Folge der Tumortherapie gedeutet. All dies kann zu Therapieentscheidungen führen, die für die Krebsbetroffenen erhebliche Konsequenzen haben, wenn zum Beispiel Tumortherapien geändert, reduziert oder abgesetzt werden. © nec/aerzteblatt.de

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