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Ärzteschaft

Bestimmte Patienten mit akuter myeloischer Leukämie können von Kombinationstherapie mit Venetoclax profitieren

Freitag, 17. September 2021

Bei der AML gerät das blutbildende System außer Kontrolle: Betroffene Zellen wie hier, sogenannte myeloische Blasten, vermehren sich ungebremst und behindern die Bildung gesunder Blutkörperchen. /Andreas Burchert

Köln – Menschen mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML), für die eine intensive Chemotherapie nicht geeignet ist, können von einer Behandlung mit Venetoclax in Kombination mit der hypomethylierenden Substanz Azacitidin profitieren.

Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einer frühen Nutzenbewertung. Dabei zeigte sich, dass Patientinnen und Patienten unter Venetoclax in Kombination mit Azacitidin länger überleben als unter Azacitidin allein. Das IQWiG sieht daher einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.

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Der Hersteller führt in seinem Dossier Auswertungen des jüngsten Datenschnitts seiner noch laufenden randomisierten Doppelblindstudie Viale-A an, in der die Kombination Venetoclax plus Azacitidin mit der Kombination Placebo plus Azacitidin verglichen wird. Einbezogen wurden die Daten jener rund 72 Pro­zent Teilnehmerinnen und Teilnehmer, für die eine intensive Chemotherapie nicht geeignet ist.

„Die mediane Zeit bis zum Versterben lag unter Venetoclax plus Azacitidin bei 12,6 Monaten, unter Place­bo plus Azacitidin dagegen bei 9,1 Monaten. Daraus ergibt sich ein Hinweis auf einen Zusatznutzen“, berichtet das IQWiG.

In den Endpunktkategorien Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität lagen keine verwert­baren Daten vor. In der Kategorie Nebenwirkungen gibt es laut dem IQWiG Vor- als auch Nachteile für Venetoclax. Insbesondere zeigte sich ein Anhaltspunkt für einen höheren Schaden von erheblichem Aus­maß bei schweren Neutropenien. Dieser stelle aber die positiven Effekte, insbesondere beim Gesamt­überleben, nicht infrage.

„In der Gesamtschau gibt es damit einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Venetoclax plus Azacitidin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie“, lautet das Fazit der IQWiG-Arbeitsgruppe.

Venetoclax war ursprünglich als Orphan-Drug zur Monotherapie der chronischen lymphatischen Leukä­mie (CLL) zugelassen. In einer ersten Erweiterung des Anwendungsgebiets wurde der Wirkstoff auch zur CLL-Therapie in Kombination mit Rituximab zugelassen. Das IQWiG sah für diese Kombination einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen bei Patientinnen und Patienten, für die Bendamustin in Kombi­na­tion mit Rituximab die patientenindividuell geeignete Therapie darstellt. Für andere Gruppen von Betroffenen ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Ein zweites neues Anwendungsgebiet bewertete das IQWiG im Jahr 2020: die Erstlinientherapie von CLL mit Venetoclax in Kombination mit Obinutuzumab. HJier beschloss der G-BA nach einer Dossier­bewertung und einem Addendum des IQWiG, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist.

Seit 2021 ist Venetoclax auch im Rahmen einer Kombinationstherapie zur Erstlinien-Behandlung der AML zugelassen, wenn eine intensive Chemotherapie für die Betroffenen nicht infrage kommt. © hil/aerzteblatt.de

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