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Ärzteschaft

Zu wenig Daten zur stereotaktischen Radiochirurgie bei Hirnmetastasen verfügbar

Montag, 20. September 2021

/Design Cells, stock.adobe.com

Köln – Es ist im Augenblick nicht möglich, eine evidenzbasierte Aussage zum Nutzen oder Schaden der stereotaktischen Radiochirurgie von Hirnmetastasen im Vergleich zur Ganzhirnbestrahlung oder Opera­tion zu machen. Das geht aus einem neuen Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlich­keit im Gesundheitswesen (IQWiG) hervor. Stellungnahmen dazu sind bis zum 15. Oktober möglich und erwünscht.

Zur Behandlung von wenigen Hirnmetastasen gibt es mehrere Alternativen, zum Beispiel die mikro­chirur­­gische Resektion oder eine Ganzhirnbestrahlung. Bei der stereotaktischen Radiochirurgie (SRS) werden die Tumorherde meist einmalig hoch dosiert mithilfe von Kobalt-60-Gamma-Strahlungs­quellen bestrahlt. Durch den hohen Dosisabfall am Rand der behandelten Metastasen soll das umliegende gesunde Gewebe geschont und somit das Risiko strahlen­bedingter Schäden reduziert werden. Im Gegensatz hierzu wird bei der Ganzhirnbestrahlung die Strah­len­dosis auf mehrere Therapiesitzungen aufgeteilt und das gesamte Gehirn der Betroffenen bestrahlt.

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Ob die einmalige und zielgerichtete Bestrahlung von einzelnen Metastasen Vor- oder Nachteile zu den anderen etablierten Verfahren aufweist, untersucht das IQWiG in einer frühen Nutzenbewertung.

Für den Vergleich der SRS mit einer Resektion sind laut dem IQWiG aktuell vier abgeschlossene Studien relevant. „Eine verlässliche Aussage zu Nutzen oder Schaden ist aber derzeit nicht möglich, weil zu zwei größeren Studien aus zwei renommierten US-amerikanischen Forschungsinstitutionen keine Ergebnisse vorliegen.

Beide Studien sind seit einigen Jahren im Studienregister als ‚abgeschlossen‘ eingetragen, publizierte Daten gibt es aber nicht“, informiert das IQWiG. Auf wiederholte Anfragen des Instituts haben die beiden Forschergruppen nicht reagiert. „Weder kam eine Antwort vom National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS), noch vom MD Anderson Cancer Center, Houston, Texas“, hieß es aus dem IQWiG.

„Das Nichtveröffentlichen der Ergebnisse klinischer Studien ist leider insbesondere im akademischen Bereich weiterhin ein weit verbreitetes Übel. Es behindert den medizinischen Fortschritt und macht eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung sehr schwierig“, sagte Stefan Sauerland, Leiter des IQWiG-Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren.

Das IQWiG fand zudem insgesamt sechs randomisierten Studien, welche die SRS mit der Ganzhirn­bestrahlung verglichen – aber nur eine Studie davon bietet laut dem Institut eine hohe Ergebnissicher­heit. Zwar habe eine SRS gegenüber der Ganzhirnbestrahlung die prinzipiellen Vorteile, dass die Bestrah­lung einmalig erfolge, was für die Patienten einen sehr viel geringeren Behandlungsaufwand bedeute. Außerdem könne sie bei Bedarf wieder eingesetzt werden.

Allerdings bleibt laut dem IQWiG wegen der unpräzisen Daten unklar, ob die beiden Behandlungs­optionen eine vergleichbare Sterblichkeit aufweisen oder ob die genannten Vorteile mit einem früheren Versterben der Patienten einhergehen könnten. Daher ergebe sich in der Gesamtschau der bisher verfüg­baren Studien auch für den Vergleich der SRS mit der Ganzhirnbestrahlung kein höherer Nutzen oder Schaden einer der beiden Behandlungsoptionen. © hil/aerzteblatt.de

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