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Profitieren Krebspatienten von einer Musiktherapie?

Freitag, 19. November 2021

/picture alliance, Hans Lucas, Denis Meyer

Philadelphia – Musik wird auch eingesetzt, um Krankheitssymptome und Therapienebenwirkungen bei einem Krebsleiden zu lindern und auf die psychosozialen Bedürfnisse von Krebspatienten einzugehen. Eine Cochrane-Arbeitsgruppe hat die Evidenz zu den Interventionen untersucht und in einem Cochrane-Report zusammengefasst (2021; DOI: 10.1002/14651858.CD006911.pub4).

Die Arbeitsgruppe der „Cochrane Gynaecological, Neurooncology and Orphan Cancer Group“ unterschei­det zunächst zwischen Musiktherapie und sogenannten musikmedizinischen Interventionen. Bei letzte­ren hören die Patienten voraufgezeichnete Musik, die von einer medizinischen Fachkraft angeboten wird.

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Musiktherapie bezeichnet laut der Gruppe hingegen ein durch ausgebildete Musiktherapeuten erstelltes therapeutisches Konzept, gegebenenfalls unter Verwendung von persönlich zugeschnittenen Musiker­leb­nissen.

Der neue Report aktualisiert eine frühere Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2016, die 52 Studien um­fasste. „Wir haben 29 neue Studien identifiziert, so dass die Evidenz in dieser aktualisierten Übersicht nun auf 81 Studien mit 5.576 Teilnehmern beruht“, berichtet die Arbeitsgruppe.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass musiktherapeutische und musikmedizinische Interventionen eine positive Wirkung auf Angst, Depression, Hoffnung, Schmerzen, Müdigkeit, Herzfrequenz und Blutdruck bei Erwachsenen mit Krebs haben können. Musiktherapeutische, nicht aber musikmedizinische Inter­ventio­nen, können die Lebensqualität und den Grad der Müdigkeit erwachsener Patienten verbessern.

„Wir fanden keine Belege dafür, dass Musikinterventionen die Stimmung, den Leidensdruck oder die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, aber nur wenige Studien untersuchten diese Ergebnisse“, so die Cochrane-Wissenschaftler.

„Wir konnten keine Schlussfolgerungen über die Wirkung von Musik auf die immunologische Funktion, die Resilienz, das spirituelle Wohlbefinden oder die Kommunikation bei Erwachsenen ziehen, da es nicht genügend Studien zu diesen Aspekten gab“, berichten sie weiterhin.

Aufgrund der geringen Anzahl von Studien seien auch keine Schlussfolgerungen für Kinder möglich. Es wurden in den Studien laut dem Report keine unerwünschten Wirkungen der musiktherapeutischen Interventionen berichtet.

Die Autoren berichten, dass die Behandlungseffekte musiktherapeutischer Interventionen in den Studien konsistenter waren als die einfacher musikmedizinischer Interventionen, „was zu einem größeren Ver­trau­­en in die Behandlungswirkung musiktherapeutischer Interventionen führt, die von ausgebildeten Musiktherapeuten durchgeführt werden“, so die Cochrane-Forscher.

Sie weisen aber daraufhin, dass die meisten Studien ein hohes Risiko für Verzerrungen aufwiesen, „so dass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind“, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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