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Politik

Kostenübernahme für Fruchtbarkeitserhalt von Krebspatienten ermöglichen

Donnerstag, 30. November 2017

/K.-P. Adler, stock.adobe.com

Berlin – Politische Anstrengungen zur Realisierung des Kinderwunsches von jungen Krebspatienten zwischen 18 bis 39 Jahren fordern die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) und die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Gemeinsam stellten sie heute in Berlin den 11. Band der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der DGHO vor, mit dem sie Ärzteschaft und Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und die notwendigen gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Debatten anstoßen wollen. Insbesondere fordern sie eine Gesetzesänderung des SGB V, um eine Kostenübernahme für fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen zu ermöglichen.

Zweites Stigma

Die Problematik: Nach einer Krebserkrankung mit Chemotherapie oder Bestrahlung nehmen junge Patienten nicht selten den unerfüllten und nicht mehr zu realisierenden Kinderwunsch als „zweites Stigma“ wahr. Betroffen sind etwa 15.000 Krebspatienten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren, von denen mittlerweile 80 Prozent geheilt werden können.

Eigentlich gibt es für diese Patienten medizinisch gut etablierte Maßnahmen zum Fruchtbarkeitserhalt. Doch die Kosten dafür werden von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich zum Zeitpunkt der Entnahme nicht um eine Kinderwunsch­therapie, sondern um eine vorbeugende Maßnahme handelt. Doch nicht alle Betroffenen können die Maßnahmen privat finanzieren. Die Kosten dafür sind hoch: Etwa 500 Euro für Männer und bis etwa 4.300 Euro für Frauen kosten die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen, Spermien oder Eierstockgewebe. Hinzu kommen jährliche Kosten für die Kryokonservierung.

Gute Methoden verfügbar

Früher habe ein Kinderwunsch krebskranker junger Patient aufgrund der noch unzurei­chenden Behandlungsmöglichkeiten und Erfolgsaussichten noch nicht im Fokus gestanden. Jetzt wollten junge Patienten nach häufig erfolgreicher Krebsbehandlung jedoch ihr Leben so normal wie möglich fortsetzen – und das auch als zukünftige Eltern eigener Kinder, weiß Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

„In unserem Land finanzieren die Solidarsysteme notwendige medizinische Therapien für alle Bürgerinnen und Bürger ohne Ansehen der sozialen Situation. Aber die Folgen der Krebsbehandlung für einen Kernbereich des Lebens werden leider ausgeblendet: Der Wunsch nach einer Familie mit eigenen Kindern“, sagte er. Das sei bestürzend.

„Wir verfügen heute über sehr gut etablierte Methoden zum Fruchtbarkeitserhalt beispielsweise durch die Entnahme und das Einfrieren von Spermien bei Patienten und von Eizellen bei Patientinnen. Die entsprechenden Maßnahmen müssen aber unbe­dingt vor Beginn der Therapie durchgeführt werden“, betonte Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO.

„Es werden aber immer noch nicht alle Krebspatientinnen und -patienten vor Behand­lungsbeginn über fruchtbarkeitserhaltende Möglichkeiten aufgeklärt", beklagte Ralf Dittrich, Leiter des IVF- und Endokrinologischen Labors der Universitäts-Frauenklinik Erlangen und Koordinator der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Fruchtbarkeitserhaltung bei Krebs. Er plädierte deshalb für eine frühzeitige, intensive interdisziplinäre Kommunikation der beteiligten Ärzte, von Onkologen, Strahlentherapeuten und Reproduktionsmedizinern.

Der Kinderwunsch sei bei Krebspatientinnen und -patienten nicht weniger stark ausge­prägt als bei gesunden Gleichaltrigen, bestätigte Anja Borgmann-Staudt, Fachärztin in der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Neun von zehn ehemaligen Patientinnen und Patienten wünschten sich Umfragen zufolge ein eigenes Kind.

„Die Betroffenen verbinden mit der Elternschaft ein Gefühl von Normalität, Dankbarkeit und Glück“, sagte sie. Zunächst brauchten junge Männer jedoch eine einfühlsame Betreuung, da sie sich über eine Familie oft noch keine Gedanken gemacht hätten. Ein Fruchtbarkeitserhalt sei bereits bei Kindern, in vielen Fällen ab etwa 13 Jahren, möglich. © ER/aerzteblatt.de

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