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Darmkrebs-Früher­kennung: Nutzen für unter 55-Jährige mit familiärem Risiko weiter unklar

Donnerstag, 24. Mai 2018

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Köln – Gesetzlich Krankenversicherte im Alter von 50 bis 54 Jahren haben jährlich Anspruch auf einen immunologischen Stuhltest (Okkultbluttest). Bei auffälligem Befund soll der Arzt eine Koloskopie durchführen. Ab dem Alter von 55 Jahren können Versicherte wählen, ob sie alle zwei Jahre einen Stuhltest machen oder zwei Mal im Abstand von mindestens zehn Jahren eine große Darmspiegelung in Anspruch nehmen.

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) erwägt, die festen Altersgrenzen für dieses Screening aufzuheben. So könnte gefährdeten Personen früher oder häufiger eine Untersuchung angeboten werden (risikoadaptiertes Screening).

Unter 55-Jährige mit familiärem Darmkrebsrisiko im Fokus

Deshalb hatte der G-BA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesund­heitswesen (IQWiG) damit beauftragt, einen Bericht aus dem Jahr 2013 in einem beschleunigten Verfahren zu aktualisieren zu der Frage: Können Unter-55-Jährige mit Darmkrebserkrankungen im Familienkreis von einer Früherkennungsuntersuchung profitieren?

Zwar identifizierte das IQWiG zwei weitere Studien, die untersuchten, ob Kolorektal­karzinome und fortgeschrittene Adenome bei Personen mit familiärem Darmkrebsrisiko seltener auftreten, wenn bestimmte Screeningmaßnahmen eingesetzt werden.

Allerdings liefern diese keine Antworten auf die Fragestellung. Die FACTS-Studie prüfte, ob es bei der Koloskopie einen Unterschied macht, wenn diese Untersuchung nach drei oder erst nach sechs Jahren wiederholt wird (Surveillance-Intervall). Die COLONFAM-Studie verglich die Koloskopie mit dem immunologischen Stuhltest.

Der aktuelle Rapid Report kommt ebenso wie der Abschlussbericht von 2013 zu dem Fazit: Der Nutzen des Screenings bei unter 55-Jährigen mit einem familiären Risiko für Darmkrebs ist unklar. Und auch ein möglicher Schaden von Screeningtests bleibt unklar. Er kann unter anderem darin bestehen, dass Personen fälschlicherweise der Risikogruppe zugeordnet werden, was für sie unnötig psychisch belastend sein kann. Ob und wie angesichts dieser Datenlage eine risikoadaptierte Screeningstrategie einzuführen ist, gelte es sorgsam abzuwägen, schreibt das IQWiG.

Darmkrebs in der Familie erhöht das Risiko

Nur die Frage nach dem familiären Risiko konnte das IQWiG im Abschlussbericht von 2013 auf Basis der vorhandenen Studien ausreichend beantworten: Unter 55-Jährige mit mindestens einem Fall von Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades haben im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Darmkrebs in der Familie ein 1,7- bis 4,1-fach höheres Risiko, ebenfalls an Darmkrebs zu erkranken. © gie/idw/aerzteblatt.de

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