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Prostatakrebs: Ultraschall vermeidet Nebenwirkungen von Operation oder Strahlentherapie

Montag, 9. Juli 2018

/dpa

London – Mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) lassen sich kleinere Prostatakarzinome unter teilweisem Erhalt der Organfunktion zerstören. In der weltweit größten Studie in European Urology (2018; doi: 10.1016/j.eururo.2018.06.006) zu dem noch als experimentell eingestuftem Verfahren kam es nach fünf Jahren nur selten zu Rezidiven und die meisten Patienten blieben von einer Harninkontinenz und wohl auch vor einer erektilen Dysfunktion verschont.

Bei der HIFU werden die Ultraschallwellen über einen gekrümmten Schallgeber oder durch mehrere kleinere Schallgeber wie mit einem Brennglas in einem Fokus gebündelt. Das Gewebe wird aufTemperaturen von bis zu 90° Celsius erhitzt und zerstört. Bei kleineren Tumoren, die mittels multiparametrischer Magnetresonanz­tomografie oder durch Biopsien lokalisiert wurden, ist eine fokale Zerstörung des Prostatakarzinoms möglich. Dies verspricht nur nur einen teilweisen Erhalt der Organfunktion. Die Behandlung könnte die Patienten auch vor Harninkontinenz oder erektiler Dysfunktion bewahren, zu denen es häufig nach einer radikalen Prostatektomie und gelegentlich auch nach der Strahlentherapie kommt.

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In Großbritannien wird die HIFU seit 2006 von vereinzelten Zentren eingesetzt. Ein Team um Hashim Ahmed von Imperial College London fasst in einer offenen Studie die bisherigen Erfahrungen zusammen, die an neun Zentren an 625 Patienten gewonnen wurden. Die HIFU wurde nur Patienten mit nicht-metastasiertem Prostatakrebs und einem Gleason-Score von 6 bis 9 bis zum Stadium T1c-3bN0M0 angeboten, bei denen das Prostata-spezifische Antigen (PSA) nicht auf mehr als 30 ng/ml angestiegen sein durfte.

Die mediane Nachbeobachtungszeit liegt derzeit bei 56 Monaten. Von den 599 Patienten, deren Behandlung mindestens sechs Monate zurückliegt, unterzogen sich acht inzwischen einer radikalen Prostatektomie, 36 erhielten eine externe Strahlentherapie und einer eine Androgendeprivationstherapie. Bei zehn Patienten traten Metastasen auf.

Laut Ahmed waren nach einem Jahr noch 99 Prozent der Patienten ohne Metastasen und ohne Folgebehandlung am Leben (95-Prozent-Konfidenzintervall: 98 bis 100 Prozent). Nach drei Jahren war der Anteil ohne dieses Therapieversagen auf 92 Prozent (90-95 Prozent) und nach fünf Jahren auf 88 Prozent (85-91 Prozent) gefallen. Kein Patient ist bisher an einem Prostatakarzinom gestorben.

Komplikationen traten relativ selten auf: Bei 53 der 625 Patienten (8,5 Prozent) kam es zu Harnwegsinfektionen, bei 12 Patienten (1,9 Prozent) kam es zu einer Epididymoorchitis (kombinierte Entzündung von Hoden und Nebenhoden). Zwei Patienten (0,3 Prozent) entwickelten eine Fistel zwischen Rektum und Harnröhre. Bei einem Patienten heilte sie nach Umleitung des Harns mit Kathetern spontan ab. Bei dem zweiten wurde eine rekonstruktive Operation erforderlich.

Ob die HIFU-Therapie damit der Operation oder der Strahlentherapie gleichwertig ist, kann die Studie mangels direkter Vergleichsgruppen nicht klären. Ein Vorteil könnte die geringere Rate von Harninkontinenzen sein. Laut Ahmed kamen 98 Prozent aller Patienten nach der Operation ohne Einlagen aus. Die anderen 2 Prozent benötigten weniger als eine Einlage am Tag. Das ist deutlich weniger als in einer aktuellen Übersicht von 1.000 Patienten, von denn nur 64 Prozent der Patienten ein Jahr nach einer radikalen Prostatektomie ohne Einlagen auskamen (Journal of Urology 2018: doi: 10.1016/j.juro.2018.02.1755).

Endgültige Ergebnisse zur Häufigkeit einer erektilen Dysfunktion lagen bei Druck­legung des Artikels noch nicht vor. Laut der Pressemitteilung des Imperial College London soll die Häufigkeit der erektilen Dysfunktion bei etwa 15 Prozent liegen, was gegenüber der Operation ebenfalls ein Vorteil sein könnte. Allerdings ist auch hier mangels direkter Vergleichsgruppe keine abschließende Bewertung möglich.

© rme/aerzteblatt.de

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