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Osimertinib verlängert Leben bei fortgeschrittenem Lungenkrebs

Montag, 25. November 2019

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom im CT /David A Litman, stock.adobe.com
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom im CT /David A Litman, stock.adobe.com

Atlanta – Der Tyrosinkinase-Inhibitor der dritten Generation Osimertinib, der auch bei Resistenzen gegen frühere Tyrosinkinase-Inhibitoren wirksam bleibt, hat in einer rando­misierten Studie die Überlebenszeiten von Patienten mit fortgeschrittenem nicht-klein­zelligem Lungenkrebs (NSCLC) in der Ersttherapie gegenüber 2 älteren Tyrosinkinase-Inhibitoren verlängert. Die abschließenden Ergebnisse wurden auf einer Tagung der Eu­ropean Society for Medical Oncology in Singapur vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1913662) publiziert.

Tyrosinkinase-Inhibitoren haben die Behandlungsergebnisse von Patienten mit NSCLC deutlich verbessert und die frühere Chemotherapie abgelöst. Die Behandlung ist aller­dings nur bei den etwa 15 bis 20 % der Patienten erfolgversprechend, bei denen eine aktivierende Mutation im Gen des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) vor­liegt. Schon bald nach Einführung des ersten Tyrosinkinase-Inhibitors Erlotinib (2005) wurde entdeckt, dass es im Tumor früher oder später zu Mutationen kommt, die die Be­handlung unwirksam machen. Die häufigste dieser Mutationen ist T790M.

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In der Folge wurden neuere Tyrosinkinase-Inhibitoren entwickelt, die auch das Wachstum von Zellen mit der Mutation T790M stoppen können. Zu diesen neueren Tyrosinkinase-Inhibitoren gehört Osimertinib, das 2016 auf der Basis des AURA-Studienprogramms zu­gelassen wurde. In der FLAURA-Studie versuchte der Hersteller danach, die Überlegen­heit im direkten Vergleich nachzuweisen.

An der doppelblinden Phase-3-Studie nahmen 556 Patienten mit zuvor unbehandelter NSCLC und aktivierender EGFR-Mutation teil. Sie wurden im Verhältnis 1:1 auf eine Be­hand­lung mit Osimertinib (in einer Dosis von 80 mg/die) oder einer Standardmedikation randomisiert. Dies war entweder der Tyrosinkinase-Inhibitor Gefitinib (in einer Dosis von 250 mg/die) oder Erlotinib (in einer Dosis von 150 mg/die).

Vor 2 Jahren wurden die Ergebnisse zum primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben, vorgestellt. Wie Suresh Ramalingam vom Winship Cancer Institute der Emory Universität in Atlanta/Georgia damals im New England Journal of Medicine (2018; 378: 113-25) berichtete, vergingen in der Osimertinib-Gruppe median 17,2 Monate bis zur er­neuten Tumorprogression gegenüber 8,5 Monaten unter den beiden Standardmedika­men­ten.

Jetzt stellt die Gruppe die abschließenden Ergebnisse zum Gesamtüberleben vor. In der Osimertinib-Gruppe lebten die Patienten median 38,6 Monate gegenüber 31,8 Monaten in der Vergleichsgruppe. Die Differenz von fast 7 Monaten war mit einer Hazard Ra­tio von 0,80 bis zu einem 95,5-%-Konfidenzintervall (0,64 bis 1,00) statistisch signifikant.

Resistenzen beenden Therapie mit Osimertinib erst später

Der Vorteil von Osimertinib gegenüber den älteren Tyrosinkinase-Inhibitoren steht damit außer Zweifel. Klar ist allerdings auch, dass es bei allen Patienten irgendwann zu neuen Resistenzmutationen kommt, die eine Fortführung der kostspieligen Behandlung sinnlos macht. Immerhin: In der Osimertinib-Gruppe nahmen nach 3 Jahren noch 28 % der Pa­tienten den Wirkstoff ein, in der Vergleichsgruppe waren es nur 9 %. Die medianen Be­handlungszeiten betrugen 20,7 Monate und 11,5 Monate.

Die Verträglichkeit war in beiden Gruppen vergleichbar. Unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher traten in der Osimertinib-Gruppe bei 42 % und in der Vergleichsgruppe bei 47 % der Patienten auf. In der Osimertinib-Gruppe kam es häufiger zu einem Rück­gang der linksventrikulären Ejektionsfraktion (5 versus 2 %) und zu einer QT-Verlänge­rung (14 versus 5 %).

Die Beurteilung von Osimertinib war anfangs kontrovers. Der Hersteller hatte das Mittel kurz nach der Zulassung wegen einer Negativbewertung durch den Gemeinsamen Bun­des­­aus­schuss (G-BA) vom Markt genommen. Später erfolgte eine positive Bewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Osi­mertinib wird inzwischen wieder zur Erstbehandlung des NSCLC bei Nachweis einer aktivierenden Mutation im EGFR-Gen eingesetzt. © rme/aerzteblatt.de

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