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Radiochemo­therapie: Protonen erzeugen weniger Nebenwirkungen als Photonen

Donnerstag, 2. Januar 2020

Tumore werden von mehreren Seiten mit Protonen bestrahlt. /Penn Medicine
Tumore werden von mehreren Seiten mit Protonen bestrahlt. /Penn Medicine

Philadelphia – Eine Protonentherapie, die aufgrund von Bragg-Peak und fehlender ­Streu­strahlung besser als eine konventionelle Radiotherapie mit Photonen auf den Tumor konzentriert werden kann, hat nach der Erfahrung eines US-Zentrums in JAMA Oncology (2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2019.4889) die Rate von schweren Nebenwirkungen einer Radiochemotherapie um 2/3 gesenkt.

Die konventionelle Strahlentherapie mit Röntgen- und Gammastrahlen erfolgt mit Photonen, die in der Regel den gesamten Körper durchdringen und dabei auch das Gewebe vor und hinter dem Tumor schädigen. Außerdem kommt es im Gewebe zur Streustrahlung, die einen Kollateralschaden außerhalb des Strahlenfeldes verursachen kann. Die Protonentherapie vermeidet diese Nachteile. Zum einen werden die von einem Teilchen­beschleuniger auf bis zu 60 % der Lichtgeschwindigkeit beschleunigten Protonen nicht aus ihrer Richtung abgelenkt. Zum anderen ist die Eindringtiefe begrenzt. Der Bereich hinter dem Tumor bleibt unbelastet. Außerdem ist die Wirkung infolge des Bragg-Effekts am Ende der Bremsstrecke am höchsten.

Die Vermeidung von Komplikationen könnte insbesondere Patienten zugutekommen, die neben der Radio- noch eine Chemotherapie erhalten und deshalb auch unter den Nebenwirkungen der Zytostatika zu leiden haben. Am Roberts Proton Therapy Center in Philadelphia wurden seit Anfang 2011 insgesamt 391 Patienten mit diversen Krebserkrankungen (Hirntumoren, Kopf- und Hals-Tumoren, Lungenkrebs, Magen-Darm-Krebs und gynäkologische Malignome) behandelt, bei denen eine Radiochemotherapie geplant war. Die Patienten litten unter nicht-metastasierten Krebserkrankungen und wurden mit kurativer Absicht behandelt.

Ein Team um James Metz hat die Behandlungsergebnisse mit denen von 1.092 Patienten mit den gleichen Erkrankungen verglichen, bei denen die Radiotherapie konventionell mit Photonen durchgeführt wurde. Diese wurde mit modernsten Geräten als intensitätsmodulierte Radiotherapie durchgeführt. Dabei werden die Tumore von mehreren Seiten bestrahlt mit der höchsten Strahlendosis im unmittelbaren Tumorbereich.

Trotz der optimalen Bestrahlungstechnik waren Komplikationen häufig. In den ersten 90 Tagen nach der Behandlung mussten 301 von 1.092 Patienten (27,6 %) wegen schwerer Nebenwirkungen (Grad 3 oder höher) im Krankenhaus behandelt werden. Von den 391 Patienten, die eine Protonentherapie (plus Chemotherapie) erhalten hatten, mussten nur 45 Patienten (11,5 %) wegen Komplikationen hospitalisiert werden.

Metz ermittelt ein relatives Risiko von 0,31, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,15 bis 0,66 hochsignifikant war. Die Protonentherapie hatte das Risiko schwerer Komplikationen demnach um 2/3 gesenkt. Die Berechnungen beruhen auf einer Propensity Analyse, die im Idealfall nur Patienten mit gleichen Ausgangsrisiken gegenüberstellt. Die Forscher hatten diese Analyse mit Unterstützung des maschinellen Lernens durchgeführt, um Ungleichgewichte zwischen den beiden Gruppen zu vermeiden.

Dies ist nach Ansicht von Henry Park von der Yale University School of Medicine in New Haven jedoch nur bedingt möglich. Die Patienten, die das Glück haben, eine Protonen­therapie finanziert zu bekommen, sind nach Ansicht des Editorialisten auch in anderen Bereichen privilegiert. Sie könnten dadurch gesundheitliche Vorteile haben, die sie die Strapazen der Behandlung leichter ertragen lässt.

Da diese Vorteile in den Krankenakten nicht erfasst würden, könnte sie eine künstliche Intelligenz nicht erkennen. Zu den Einflüssen, die die Ergebnisse einer retrospektiven Analyse leicht verzerren können, gehört auch, dass jeder 5. Patient die konventionelle Radiotherapie außerhalb des universitären Zentrums erhalten hat, wo die Ergebnisse häufig etwas schlechter sind. Die Protonentherapie wurde ausschließlich am Roberts Proton Therapy Center durchgeführt, dem weltweit größten seiner Art.

Welchen Stellenwert die Protonentherapie in der Behandlung häufiger Krebserkrankungen hat, wird sich laut Park erst nach Abschluss der laufenden randomisierten Phase-3-Studien zeigen, die das US-National Cancer Institute derzeit zur Behandlung des nichtkleinzelligen Lungenkrebs und des Ösophaguskarzinoms durchführt. © rme/aerzteblatt.de

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