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Studie: 9/11-Retter erkranken häufiger an Leukämie

Donnerstag, 16. Januar 2020

/kukhunthod, stock.adobe.com

New York – Die Exposition mit Karzinogenen in der Staubwolke und bei den anschlie­ßenden Aufräumarbeiten haben bei den 9/11-Rettern zu einem Anstieg von Krebser­krankungen geführt. Nachdem frühere Untersuchungen bereits ein erhöhtes Risiko auf verschiedene Tumore ermittelt haben, ist in der neuesten Analyse in JNCI Cancer Spec­trum (2020; doi; 10.1093/jncics/pkz090) erstmals ein erhöhtes Leukämie­risiko erkennbar.

Nach dem Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001 war der Süden Man­hattans zunächst in eine dichte Staubwolke gehüllt. Der Staub bestand aus den pulveri­sierten Bestandteilen der Gebäude und der Asche der zahlreichen Feuer, die sich in den Trümmern entzündet hatten.

Die chemischen Analysen zeigten schon bald, dass der Staub zahlreiche Karzinogene enthielt. Neben polychlorierten Biphenylen, Benzol und Dioxinen könnte vor allem die hohe Asbestkonzentration (von bis zu 3 %) das Krebsrisiko der 9/11-Retter und anderer exponierter Personen erhöhen. Da Asbest eine ungewöhnlich lange Latenzzeit hat, ist bisher ein Anstieg von Krebserkrankungen der Lungen und der Pleura ausgeblieben.

Die ersten Krebserkrankungen, die bei den 9/11-Rettern häufiger diagnostiziert wurden als im Rest der Bevölkerung, waren Schilddrüsenkarzinome und Prostatakarzinome. Nach den jetzt von Moshe Shapiro von der Mount Sinai School of Medicine in New York und Mitarbeitern vorgestellten Daten erkrankten die 9/11-Retter zu 25 % häufiger an einem Prostatakrebs.

Die standardisierte Inzidenzrate (SIR) von 1,25 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,11 bis 1,40 signifikant. Die Zahl der Diagnosen am Schilddrüsen­krebs war mit einer SIR von 2,19 (1,71 bis 2,75) sogar doppelt so häufig. Für eine Leukämie ermittelte Shapi­ro eine SIR von 1,41 (1,01 bis 1,92), also einen Anstieg um 41%.

Bei beiden Krebserkrankungen ist ein kausaler Zusammenhang zweifelhaft. Für das Pros­tatakarzinom wurde bisher eine längere Latenzzeit von 2 Jahrzehnten angenommen. Die Studie erfasst nur den Zeitraum bis 2013. Da die Feuerwehr ihren Angestellten einen kos­tenlosen PSA-Test anbietet hat, könnte es hier zu Verzerrungen gekommen sein, schreibt Shapiro. Es gebe allerdings Hinweise, dass die durch den Staub ausgelösten Entzün­dun­gen die Entwicklung des Tumors beschleunigt haben könnte.

Ein Screening auf Schilddrüsenkarzinome gehört in New York nicht zu den Angeboten der Kran­ken­ver­siche­rung. Die bei den 9/11-Rettern häufiger durchgeführten Röntgen- und CT-Untersuchungen könnten jedoch zur Entdeckung von asymptomatischen Schilddrü­sen­tumoren geführt haben, die sonst unentdeckt geblieben wären.

Das erhöhte Leukämierisiko passt dagegen gut zu den Erkenntnissen der Tumorbiologie. Hämatologische Erkrankungen haben in der Regel eine kürzere Latenz als solide Tumore. Aus früheren Studien ist zudem bekannt, dass bereits geringe Konzentrationen von Karzinogenen das Risiko erhöhen können.

Als nächstes könnte es laut Shapiro zu einem Anstieg der multiplen Myelome kommen, für die ebenfalls ein starker Einfluss von Karzinogenen diskutiert wird. Dass es bisher nicht zu vermehrten Erkrankungen gekommen ist, könnte allein daran liegen, dass der Tumor insgesamt sehr selten ist, meint Shapiro. © rme/aerzteblatt.de

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