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Medizin

Rituximab verbessert Heilungschancen bei Burkitt-Lymphom im Kindes- und Jugendalter

Dienstag, 23. Juni 2020

/Siam, stock.adobe.com

Paris – Die Ergänzung der Chemotherapie um den CD20-Antikörper Rituximab hat in einer internationalen Studie das ereignisfreie Überleben von pädiatrischen Patienten mit Burkitt-Lymphom deutlich verbessert, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa1915315) vorgestellten Ergebnisse zeigen, die die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA im März zu einer Erweiterung der Zulassung auf pädiatrische Patienten bewogen hat.

Das 1958 von dem irischen Mediziner Denis Burkitt bei Kindern in Afrika zuerst beschrie­bene Lymphom wird heute zu den Non-Hodgkin-Lymphomen gezählt. Die in Europa und Nordamerika eher seltene Erkrankung – jährlich etwa 1.000 Neuerkrankungen in Europa und 1.200 in den USA – zeichnet sich durch ein rasantes Wachstum aus, was ihn jedoch empfänglich macht für eine Chemotherapie. Die vor 30 Jahren eingeführte Chemothera­pie (LMB-Protokoll) hat die Heilungschancen bei Kindern von 30 auf über 85 % gestei­gert.

Die „Inter-B-NHL ritux 2010“-Studie hat in den letzten Jahren untersucht, ob eine zusätzliche Behandlung mit dem Antikörper Rituximab die Ergebnisse weiter verbessern kann. Rituximab bindet am Zelloberflächenmolekül CD20, das von reifen B-Zellen gebil­det wird, und leitet dadurch deren Vernichtung ein.

Das ursprünglich für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen entwickelte Medika­ment hat sich in den letzten Jahren bei der Behandlung von Leukämien/Lympho­men bewährt, denen eine Proliferation von B-Zellen zugrunde liegt. Dazu gehört auch das Burkitt-Lymphom und verwandte, schnell wachsende Non-Hodgkin-Lymphome.

Nachdem Rituximab in einer Studie die Heilungschancen von Erwachsenen mit Burkitt-Lymphom verbessert hat, wurde auf Initiative von französischen Onkologen eine Phase- 3-Studie bei Kindern und Jugendlichen begonnen.

An der „Inter-B-NHL ritux 2010“-Studie nahmen zwischen Dezember 2011 und November 2015 an weltweit 176 Zentren 328 Patienten im Alter von 2 bis 18 Jahren teil, bei denen ein Burkitt-Lymphom oder ein Burkitt-ähnliches Lymphom diagnostiziert worden war. Alle Patienten erhielten eine Chemotherapie nach dem heute üblichen FAB/LMB96-Protokoll. Eine Hälfte wurde zusätzlich mit Rituximab behandelt. Primärer Endpunkt war das Ereignis-freie Überleben.

Wie Véronique Minard-Colin vom Institut Gustave Roussy in Villejuif bei Paris und Mitar­beiter berichten, kam es nach median 39,9 Monaten unter der alleinigen Chemotherapie bei 28 von 164 Patienten zu einem Ereignis (bei 23 Patienten war dies ein Rezidiv/Pro­gression, bei 2 Patienten ein primäres Nichtansprechen und bei 3 Patienten ein toxischer Todesfall).

Bei den Patienten, die zusätzlich zur Chemotherapie Rituximab erhalten hatten, kam es nur bei 10 von 164 Patienten zu einem Ereignis (3 Mal Rezidiv/Progression, 2 sekundäre Krebserkrankungen, 2 Mal primäres Nichtansprechen und 3 toxische Todesfälle).

Das ereignisfreie Überleben nach 3 Jahren wurde durch Rituximab von 82,3 auf 93,9 % verbessert, was ein deutlicher und in den statistischen Berechnungen auch signifikanter Vorteil war (Hazard Ratio 0,32, 95-%-Konfidenzintervall 0,15 bis 0,66).

Das 3-Jahres-Gesamtüberleben wurde von 87,3 % auf 95,1 % verbessert (Hazard Ratio 0,36; 0,16 bis 0,82).

Die zusätzliche Gabe von Rituximab war allerdings mit einer erhöhten Toxizität verbun­den. Die Häufigkeit von akuten unerwünschten Ereignisse vom Grad 4 oder stieg von 24,2 auf 33,3 %. Dabei handelte es sich zumeist um fieberhafte Neutropenien und Infektionen, die sich auf den Mangel an reifen B-Zellen zurückführen lassen.

Da die B-Zellen für die Produktion der Antikörper zuständig sind, kam es öfter (70,3 versus 46,8 %) zu einem IgG-Mangel, der häufiger(15,8 versus 7,0 %) durch eine Gabe von Immunglobulinen ausgeglichen werden musste.

Ob sich aus dem Mangel an Immunglobulinen langfristige Nachteile ergeben werden, bleibt abzuwarten. Ein weiterer Nachteil der intensiven Chemotherapie könnte das Auftreten von Zweittumoren sein. © rme/aerzteblatt.de

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