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COVID-19: Lungenkrebspatienten werden (zu) selten auf Intensivstation behandelt

Mittwoch, 17. Juni 2020

/Nekrasov, stock.adobe.com

Mailand – Lungenkrebs-Patienten werden bei einer Erkrankung an COVID-19 möglicher­weise gegenüber anderen Patienten benachteiligt. Die Ergebnisse eines Patientenregisters im Lancet Oncology (2020; DOI: 10.1016/ S1470-2045(20)30314-4) zeigen, dass nur jeder zehnte, der die Kriterien für eine Intensivbehandlung erfüllte, auch auf einer Intensivstation behandelt wurde. Dabei haben Lungenkrebspatienten Chancen, die Erkrankung zu überleben, auch wenn die Sterberate hoch ist.

Die Überlebenszeiten von Lungenkrebspatienten haben sich in den letzten Jahren dank neuer Behandlungen (Tyrosinkinaseinhibitoren, Immuntherapie) verbessert. Dies hat dazu geführt, dass während der derzeitigen COVID-19-Pandemie auch häufiger Lungenkrebs­patienten in den Kliniken behandelt werden. Viele Ärzte stufen die Prognose dieser Patienten allerdings als so schlecht ein, dass sie eine Behandlung auf einer Intensiv­station nicht in Betracht ziehen.

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Die „Thoracic Cancers International COVID-19 Collaboration“ (TERAVOLT) hat deshalb ein internationales Patientenregister eingerichtet, an dem sich in 8 Ländern 42 Zentren beteiligen. Bis zum 12. April wurden Daten zu 200 Patienten gesammelt, die Marina Garassino vom Istituto Nazionale dei Tumori in Mailand und Mitarbeiter jetzt ausge­wertet haben.

Die meisten Patienten (76 %) litten an einem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC), der häufigsten Lungenkrebsform, für die Tabakrauchen der wesentliche Risikofaktor ist. Bei den anderen Patienten lag ein kleinzelliges Bronchialkarzinom (15 %) oder einige seltene Tumorformen im Thoraxbereich (Thymom, Karzinoid oder Meso­theliom) vor. Die meisten Patienten erhielten zum Zeitpunkt ihrer COVID-19-Erkrankung ihre Erstlinientherapie, die heute die Überlebenszeit deutlich verlängern kann.

Von den 152 Patienten, die in einem Krankenhaus behandelt wurden, erfüllten nach Einschätzung von Garassino 134 (88 %) die Kriterien für die Überweisung auf eine Intensivstation. Dort wurden allerdings nur 13 Patienten (10 %) tatsächlich behandelt, von denen 9 mechanisch beatmet wurden. Die Gründe wurden von den Ärzten in der Regel nicht mitgeteilt. Allerdings hatten nur 6 Patienten eine Intensivbehandlung abgelehnt.

Garassino vermutet, dass die begrenzten Kapazitäten auf dem Höhepunkt der Epidemie – die meisten Patienten stammten aus Italien, Frankreich und Spanien – dazu geführt haben, dass die Lungenkrebspatienten in einer Triage von der Intensivbehandlung ausgeschlossen wurden, weil die Ärzte der Ansicht waren, dass die Patienten ohnehin kaum Überlebenschancen hätten.

Dies war nach den Ergebnissen der Studie nicht der Fall. Von den 200 Patienten sind 66 gestorben. Die Sterberate von 33 % lag damit etwas höher als in den meisten Studien zu COVID-19-Patienten. Eine Infektion ist jedoch keineswegs ein sicheres Todesurteil, und nach Einschätzung der Onkologin Garassino ist es durchaus möglich, dass mehr Patienten überlebt hätten, wenn sie auf einer Intensivstation behandelt worden wären, auch wenn die Studie dafür keine Hinweise liefert.

In einer Analyse waren ein Alter über 65 Jahre (Odds Ratio 1,88), Komorbiditäten (Odds Ratio 2,65), eine Dyspnoe (Odds Ratio 6,20), eine Chemotherapie (Odds Ratio 2,54) und Rauchen (Odds Ratio 4,24) die wichtigsten Risikofaktoren für einen tödlichen Ausgang.

In einer Multivariat-Analyse ließen sich diese Faktoren jedoch einzig auf das Rauchen (Odds Ratio 3,18) zurückführen. Die derzeitige Epidemie sollte für die Patienten deshalb ein weiterer Grund sein, auf das Rauchen zu verzichten.

Für die behandelnden Ärzte sollte es keinen Grund geben, die Patienten von einer intensivmedizinischen Betreuung auszuschließen, es sei denn, die Patienten würden diese ablehnen. © rme/aerzteblatt.de

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