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Medizin

USA: Deutlicher Rückgang der Todesfälle am nicht-kleinzelligen Lungenkrebs

Mittwoch, 26. August 2020

/Crystal light, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Die verbesserten Therapieergebnisse beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), die in den letzten Jahren in klinischen Studien dokumentiert wurden, machen sich offenbar auch auf Bevölkerungsebene bemerkbar.

Eine Analyse des US-Krebsregisters SEER im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa1916623) zeigt, dass die Todesfälle an der häufigsten Lungenkrebs­variante stärker zurückgegangen sind als die Zahl der Neuerkrankungen.

Die Inzidenz des Lungenkrebs sinkt in den USA bei Männern seit den 1990er Jahren und bei Frauen seit etwa 2000. Verantwortlich dafür ist der Verzicht auf das Tabakrauchen. Dieser Trend hat auch in den letzten Jahren angehalten. Er ist sowohl beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), auf den 76 % aller Lungenkrebse entfallen, als auch für den kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC), mit einem Anteil von 13 % der zweithäufigste Lungenkrebs, nachweisbar.

Aus der Analyse des Krebsregisters SEER („Surveillance, Epidemiology, and End Results“), die Nadia Howlader vom National Cancer Institute in Bethesda und Mitarbeiter jetzt vorstellen, geht hervor, dass die Inzidenz des NSCLC bei Männern zwischen 2001 und 2008 jährlich um 1,9 % gefallen ist. Zwischen 2008 bis 2016 verstärkte sich der Trend auf 3,1 % pro Jahr. Ein ähnlicher Trend bestand beim SCLC.

Bei beiden Formen ist auch die Lungenkrebsmortalität zurückgegangen. Der Rückgang fiel beim NSCLC jedoch deutlich stärker aus als beim SCLC, und er übertraf beim NSCLC deutlich den Rückgang in der Inzidenz. Bei Männern sank die Mortalität am NSCLC von 2006 bis 2013 jährlich um 3,2 % und von 2013 bis 2016 um 6,3 % pro Jahr. Eine ähnliche Entwicklung wurde bei Frauen gefunden.

Wenn die Zahl der Todesfälle stärker ausfällt als die der Neuerkrankungen, kann dies 2 Ursachen haben. Entweder werden die Tumore in einem früheren Stadium entdeckt, in dem die Erkrankung häufiger geheilt werden kann, oder aber die Behandlungsergebnisse haben sich verbessert.

Die erste Erklärung kommt laut Howlader nicht infrage. Zwar gibt es inzwischen ein Screening mittels Computertomografie, das starken Rauchern angeboten wird. Das Screening wurde jedoch im Untersuchungszeitraum noch nicht auf breiter Ebene angewendet.

Für die zweite Erklärung spricht, dass sich die Therapieergebnisse tatsächlich verbessert haben. Beim NSCLC kann durch Kinasehemmer das Wachstum der Krebszellen vermindert werden.

Die Mittel wirken bei Tumoren, deren Zellen Mutationen im Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) oder eine Translokation der anaplastischen Lymphomkinase (ALK) aufweisen. Das National Comprehensive Cancer Network empfiehlt seit 2012, alle NSCLC auf EGFR-Mutationen und ALK-Translokationen testen zu lassen.

Dass diese Empfehlungen offenbar umgesetzt werden, zeigt sich in den von Howlader ermittelten 2-Jahres-Überlebensraten. Diese sind beim NSCLC zwischen 2001 und 2014 bei Männern von 26 auf 35 % und bei Frauen von 35 auf 44 % gestiegen. Beim SCLC, bei dem Kinasehemmer nicht eingesetzt werden, ist es zu keinem Anstieg der 2-Jahres-Überlebensraten gekommen.

Ob die Einführung der zielgerichteten Medikamente den im Vergleich zur Inzidenz stärkeren Rückgang der Mortalität beim NSCLC erklären, bleibt dennoch fraglich. Die Kinasehemmer werden bei Tumoren im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt, in der keine Heilungschance mehr besteht.

Die Mittel verlängern die Überlebenszeit (und verbessern deshalb die 2-Jahres-Überlebensraten), sie können allerdings die Sterblichkeit am Lungenkrebs auf Dauer nicht senken. Im Prinzip müsste es nach einer gewissen Zeit wieder zu einem Anstieg der Mortalität kommen.

Es bleibt deshalb abzuwarten, wie sich die Zahlen weiter entwickeln. Grund zum Optimismus bieten die seit 2015 eingeführten Checkpoint-Inhibitoren, die die körper­eigene Krebsabwehr unterstützen. Die Mittel wirken nicht bei allen Patienten. Bei etwa 20 % der Patienten ist es in den Studien jedoch zu einem substanziellen und dauerhaften Rückgang der Tumore gekommen. © rme/aerzteblatt.de

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