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Medizin

Wie Darmbakterien die Wirksamkeit der Krebsimmuntherapie beeinflussen könnten

Montag, 7. September 2020

/Kateryna_Kon, stockadobecom

Calgary – Die Wirkung der Immuntherapie von Krebserkrankungen lässt sich bei Mäusen durch bestimmte Darmbakterien verstärken. Die in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abc3421) vorgestellten Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Molekül Inosin dabei eine Schlüsselrolle spielt. Es könnte über eine gestörte Darmbarriere ins Blut gelangen und dort den Angriff der T-Zellen auf den Tumor verstärken.

Die Immuntherapie hat die Behandlung von Krebserkrankungen in den letzten Jahren verbessert. Bei einigen Tumoren wie dem Melanom oder dem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs, die im fortgeschrittenen Stadium in der Vergangenheit innerhalb kurzer Zeit zum Tod führten, werden heute manchmal jahrelange Remissionen erzielt. Die Immuntherapie wirkt jedoch nur bei wenigen Patienten. Bei der Mehrheit bleibt sie erfolglos.

Auf der Suche nach den Gründen dafür wurden in den letzten Jahren 2 rätselhafte Beobachtungen gemacht. Zum einen scheint die Darmflora der Patienten die Wirksamkeit der Immuntherapie zu beeinflussen, zum anderen unterstützt offenbar eine Darment­zündung, zu der es unter der Behandlung mit den Checkpoint-Inhibitoren kommt, die Wirkung.

Die von einem Team um Kathy McCoy am International Microbiome Centre der Universität von Calgary durchgeführten Experimente liefern jetzt eine mögliche Erklärung für die klinischen Beobachtungen und sie geben Anregungen für klinische Studien.

Die Forscher haben bei Mäusen Darmkrebs ausgelöst und die Tiere dann mit Checkpoint-Inhibitoren behandelt (die anders als beim Menschen bei den Tieren auch bei Darmkrebs eine gute Wirkung erzielen).

Durch selektive Besiedlung des Darms mit Bakterien konnten die Forscher die Effektivität der Immuntherapie beeinflussen. Wenn im Darm Bifidobacterium pseudolongum, Lacto­ba­cillus johnsonii oder Olsenella-Spezies vorhanden waren, kam es nach der Behandlung mit den Checkpoint-Inhibitoren zu einem deutlichen Rückgang der Tumore. Bei einer Besiedlung mit anderen Bakterien blieb die Krebsimmuntherapie wirkungslos.

Der Einfluss der Darmbakterien auf die Immuntherapie war nicht auf die Darmtumore beschränkt. Auch Melanome und Blasentumore ließen sich besser behandeln, wenn im Darm der Mäuse bestimmte Bakterien vorhanden waren.

Da die Bakterien selbst in den Tumoren nicht nachweisbar sind, muss es einen Vermittler geben. Die Forscher entdeckten ihn in dem Molekül Inosin. Es wird von den 3 Darmbak­terien in größerer Menge produziert und gelangt dann über die Darmschleimhaut ins Blut. Die von den Checkpoint-Inhibitoren ausgelöste Darmentzündung könnte die Aufnahme von Inosin erleichtern, indem sie die Schleimhautbarriere schädigt.

Für das Nukleosid Inosin, das aus der Purin-Base Hypoxanthin und dem Zucker D-Ribose besteht, ist eine immunstimulierende Wirkung bekannt. Die von den kanadischen Forschern durchgeführten Laborexperimente zeigen, dass Inosin auf T-Zellen einwirkt. Es kommt zu einer sogenannten Th1-Aktivierung, die offenbar die Angriffslust der T-Zellen auf die Tumorzellen fördern.

In weiteren Versuchen konnte die Wirkung der Immuntherapie allein durch die orale Gabe von Inosin verstärkt werden. Es könnte deshalb sein, dass sich die günstige Wirkung auch ohne eine Veränderung der Darmflora erzielen lässt.

Wie immer bei tierexperimentellen Studien bleibt unklar, ob sie die Situation bei Krebspatienten richtig widerspiegeln und ob in klinischen Studien eine ähnliche Wirkung erzielt werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

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