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Darmkrebs: Immunologischer Stuhltest vermeidet viele Koloskopien

Dienstag, 16. Februar 2021

Histologischer Schnitt durch Gewebe eines Dickdarm-Karzinoms/ picture alliance, blickwinkel/fotototo

Exeter/England – Ein immunologischer Stuhltest kann bei unspezifischen Symptomen meist erkennen, ob ein Patient ein erhöhtes Darmkrebsrisiko hat und damit die Zahl der unnötigen Koloskopien senken. Dies zeigen die Ergebnisse einer überregionalen Studie aus England, die jetzt im British Journal of Cancer (2021; DOI: 10.1038/s41416-020-01221-9) veröffentlicht wurden.

Trotz eines Bevölkerungsscreenings werden mehr als 90 % aller Darmkrebserkrankungen bei Patienten entdeckt, die über Symptome klagen. Die Beschwerden sind in den meisten Fällen relativ unspezifisch.

Hinweise sind Bauchschmerzen, ein unklarer Gewichtsverlust oder eine Anämie. In diesen Fällen entschei­den sich die Ärzte häufig für eine Koloskopie, die den Verdacht am sichersten klären kann. Die häufigen Überweisungen führen aufgrund der begrenzten fachärztlichen Kapazitäten zu langen Wartezeiten für die Koloskopie – und sie können die Diagnose bei Patienten hinauszögern, die ein höheres Erkrankungsrisiko haben.

Die South West Cancer Alliances, die für eine Region im Südwesten Englands zuständig sind, haben sich deshalb entschlossen, bei Patienten mit niedrigem Ausgangsrisiko zunächst einen immunologischen Stuhltest durchzuführen zu lassen. Die Hausärzte wurden angewiesen nur Patienten mit einem positiven Ergebnis zur Koloskopie zu schicken.

Die Kriterien für ein niedriges Risiko waren ungeklärte Bauchschmerzen oder ein Gewichtsverlust bei Patienten ab 50 Jahren. Im Alter von 50 bis 60 Jahren wurden auch Veränderungen der Darmgewohnheiten oder eine Eisenmangelanämie akzeptiert. Bei Patienten über 60 Jahre wurden jede Art von Anämie als Verdachtsmoment gewertet.

Zwischen Juni und Dezember 2018 wurde in der Region mit 4 Millionen Einwohnern bei 3.890 Patienten wegen der genannten Symptome ein immunologischer Stuhltest durchgeführt. Der Schwellenwert wurde bei 10µg Hb/g in der Stuhlprobe festgelegt. Dieser fiel bei 618 Patienten positiv aus. Diese Patienten wurden zur Koloskopie geschickt, wobei 3/4 innerhalb von 3 Monaten einen Termin bekamen, die anderen warteten bis zu 12 Monate.

Bei 43 Patienten wurde in der Koloskopie ein Darmkrebs erkannt, in 31 Fällen lagen Informationen zum Stadium vor: Bei 6 Patienten befand sich der Tumor im Stadium Dukes A, in dem nur Mukosa und Sub­mukosa befallen sind und eine Operation in der Regel zur Heilung führt. Bei 5 Patienten hatte der Tumor das Stadium Dukes B erreicht, in dem eine Operation mit eventuell anschließender Chemotherapie in etwa 3 von 4 Fällen zur Heilung führt.

Das Stadium C mit Lymphknotenmetastasen hatten 12 Patienten und das Stadium Dukes D mit Fernmetas­tasen 8 Patienten erreicht. In den Stadien C und D wird immer eine Chemotherapie durchgeführt, die nur im Stadium C zur Heilung führen kann und im Stadium D die Überlebenszeit verlängern soll.

Von den 3.272 Patienten mit einem negativen Ergebnis im immunologischen Stuhltest erkrankten inner­halb eines Jahres 8 an Darmkrebs. Darunter war 1 Patient im Stadium Dukes B, 2 im Stadium Dukes C und 3 im Stadium Dukes D. Für die übrigen 2 Patienten waren keine Informationen verfügbar.

Sarah Bailey von der Universität Exeter und Mitarbeiter errechnen einen positiven Vorhersagewert von 7,0 % (95-%-Konfidenzintervall 5,1 bis 9,3 %). Der negative Vorhersagewert betrug 99,8 % (99,5 bis 99,9 %). Die Sensitivität betrug 84,3 % (71,4 bis 93,0 %) und die Spezifität 85,0 % (83,8 bis 86,1 %).

Die Fläche unter der ROC-Kurve (die Sensitivität und Spezifität kombiniert betrug 0,92 (0,86 bis 0,96) bei einem Maximalwert von 1,0. Bei einem Schwellenwert von 37 µg Hb/g Kot würden alle Patienten mit einen individuellen Krebsrisiko von 3 % identifiziert.

Die CanTest Collaborative, die die Studie im Auftrag der Stiftung Cancer Research UK durchgeführt hat, ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Die Vorschaltung des immunologischen Stuhltests wird als Möglichkeit betrachtet, lange Wartezeiten zu vermeiden und allen Patienten in einer angemessenen Zeit eine Koloskopie anbieten zu können. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #33711
Dr. Diemut Fuchs
am Dienstag, 16. Februar 2021, 18:55

Niedriges Risiko??

Zitat aus vorliegendem Artikel: "Die Kriterien für ein niedriges Risiko waren ungeklärte Bauchschmerzen oder ein Gewichtsverlust bei Patienten ab 50 Jahren. " Sollte das nicht erhöhtes bzw. hohes Risiko heißen?
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