MedizinOnkologieStudien Onkologie
Studien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

ASCO: Enfortumab Vedotin verlängert Leben bei fortgeschrittenem Urothelkarzinom

Montag, 1. März 2021

/PIC4U, stock.adobe.com

New Haven/Connecticut – Das Antikörperwirk­stoffkonjugat Enfortumab Vedotin, das die Wirkung des Zytostatikums MMAE auf die Krebszellen konzentrieren soll, hat in einer Phase-3-Studie die Überlebens­zeiten von austherapierten Patienten mit Urothelkarzinom um etwa 3 Monate verlängert. Die Ergebnisse wurden auf einem Symposium der American Society of Clinical Oncology vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2035807) publiziert.

Enfortumab Vedotin wurde entwickelt, um die Wirkung der Chemotherapie auf die Krebszellen zu beschrän­ken. Das Zytostatikum Monomethyl-Auristantin E (MMAE), das wegen seiner hohen Toxizität sonst nicht klinisch eingesetzt wird, ist chemisch an einem Antikörper gebunden, der das Ober­flächenmerkmal Nectin-4 erkennt, das häufig von den Zellen eines Urothelkarzinoms exprimiert wird.

Urothelkarzinome gehören zu den aggressiven Krebserkrankungen, die nur kurzfristig auf eine platinba­sierte Chemotherapie oder eine Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren ansprechen. Das mediane Gesamtüberleben der Patienten mit diesen Therapien beträgt nur 10 bis 14 Monate. Vor diesem Hinter­grund hat die US-Arzneimittel-Agentur FDA die Messlatte für die Zulassung eines neuen Wirkstoffs niedrig gehängt.

Das Antikörperwirk­stoffkonjugat Enfortumab Vedotin wurde im Dezember 2019 aufgrund der Ergebnisse einer Phase-2-Studie zugelassen. Enfortumab Vedotin hatte dort bei austherapierten Patienten eine Ansprechrate von 44 % erzielt, die median über 7,6 Monate anhielt. Die FDA hatte die Zulassung allerdings an die Durchführung einer Phase-3-Studie geknüpft, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

An der EV-301 hatten an 191 Zentren in 19 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 608 Patienten teilgenom­men, die auf 1 bis 3 frühere Therapien nicht angesprochen hatten, darunter mindestens einem Checkpoint-Inhibitor. Die Patienten waren an einem fortgeschrittenen Urothelkarzinom erkrankt, das zu 77,1 % visze­rale und zu 30,9 % Lebermetastasen gesetzt hatte.

Die Patienten wurden in der offenen Studie auf eine Behandlung mit Enfortumab Vedotin oder einer erneuten Chemotherapie nach Wahl des Onkologen (Docetaxel, Paclitaxel oder Vinflunin) randomisiert. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben.

Wie das Team um Daniel Petrylak vom Yale Cancer Center in New Haven/Connecticut berichtet, betrug die mediane Überlebenszeit unter der Behandlung mit Enfortumab Vedotin 12,88 Monate versus 8,97 Monate in der Chemotherapiegruppe. Die Hazard Ratio von 0,70 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,56 bis 0,89 signifikant, womit die Bedingungen der FDA erfüllt wurden.

Die Behandlung mit Enfortumab-Vedotin war mit einer höheren Ansprechrate (40,6 % versus 17,9 %) verbunden und das mediane progressionsfreie Überleben wurde auf 5,55 gegenüber 3,71 Monaten in der Chemotherapiegruppe ebenfalls signifikant verlängert (Hazard Ratio 0,62; 0,51 bis 0,75).

Die Inzidenz behandlungsbedingter unerwünschter Ereignisse war in beiden Gruppen ähnlich (93,9 % in der Enfortumab-Vedotin-Gruppe und 91,8 % in der Chemotherapie-Gruppe). Die Inzidenz unerwünschter Ereignisse vom Grad 3 oder höher war in beiden Gruppen ebenfalls ähnlich (51,4 versus 49,8 %).

Die FDA lässt in der Fachinformation Müdigkeit, periphere Neuropathie, verminderter Appetit, Hautaus­schlag, Alopezie, Übelkeit, Geschmacksstörungen, Durchfall, trockenes Auge, Juckreiz und trockene Haut als häufigste Nebenwirkungen erwähnen.

Zu den möglichen Komplikationen gehört eine Hyperglykämie, zu der es in der aktuellen Studie bei 6,4 % der Teilnehmer kam. Die FDA rät deshalb zu einer engmaschigen Überwachung des Blutzuckerspiegels. Eine weitere schwere Komplikation ist die periphere sensorische Neuropathie. In der Studie machte sie bei 7,1 % der Behandelten eine Dosisreduktion erforderlich. Bei 15,5 % musste die Behandlung unterbrochen und bei 2,4 % endgültig abgebrochen werden. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #111815
LuckylukeAC
am Samstag, 6. März 2021, 10:07

QUALY = Einfamilienhaus

4 Monate OS-Vorteil für 100.000 $ / Zyklus (28d) in der 3. Linie, aber für Prävention, Früherkennung oder vernünftige Operateursausbildung (der dann vllt doch R0 reseziert und M+ abwenden kann!) ist keine Kohle da. Als Vater, operativer Urologe und Beitragszahler ist „frustrierend“ kein Ausdruck
LNS
NEWSLETTER