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Forscher prüfen Impfung gegen mutiertes Protein bei Hirntumorpatienten

Donnerstag, 8. Juli 2021

/valerybrozhinsky, stock.adobe.com

Heidelberg – Gliome gehören zu den häufigsten Hirntumoren des Erwachsenenalters. Ihre Prognose ist schlecht. Neuroonkologen der Universität Heidelberg und Mannheim haben jetzt Patienten mit einem mutationsspezifischen Krebsimpfstoff behandelt. Sie berichten darüber in der Zeitschrift Nature (DOI: 10.1038/s41586-021-03363-z).

Hintergrund für den neuen Therapieansatz ist, dass viele diffuse Gliome eine Gemeinsamkeit aufweisen: In über 70 % der Fälle tragen die Tumorzellen eine übereinstimmende Genmutation, nämlich einen iden­tischen Schreibfehler im Erbgut, der dazu führt, dass im Enzym IDH1 ein einziger, bestimmter Eiweiß­baustein ausgetauscht wird. Dadurch entsteht eine neuartige Proteinstruktur – ein so genanntes Neo­epitop, welches das Immunsystem des Patienten grundsätzlich als fremd erkennen kann.

„Unsere Idee war, die Immunabwehr der Patienten zu unterstützen und mit einer Impfung gezielt auf das tumorspezifische Neoepitop aufmerksam zu machen“, erläutert der Studienleiter Michael Platten, Direktor der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mannheim und Abteilungsleiter im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Die IDH1-Mutation tritt hochspezifisch in den Gliomen auf und kommt in gesunden Geweben nicht vor. Außerdem ist das mutierte IDH1 ursächlich für die Entstehung der Gliome: „Das heißt, mit einer Impfung gegen das mutierte Protein packen wir das Problem an der Wurzel“, so Platten.

Nach vielversprechenden Versuchen der Krebsimpfung im Tiermodell erprobten die Wissenschaftler den Therapieansatz jetzt in einer Phase-1-Studie bei Patienten, die neu an einem IDH1-mutierten Gliom erkrankt waren (WHO Grad 3 und 4-Astrozytome).

In die vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft (NOA) unterstützte Studie wurden insgesamt 33 Patienten in mehreren Zentren in Deutschland eingeschlossen. Sie erhielten eine von Michael Schmitt, Leiter Zell- und Immuntherapie, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitäts­klinikums Heidelberg, und Stefan Stevanovic vom Institut für Immunologie der Universität Tübingen hergestellte Peptidimpfung zusätzlich zur Standardtherapie. Bei 30 Patienten konnten die Immunreak­tionen ausgewertet werden.

Bei keinem der Geimpften beobachteten die Ärzte schwerwiegende Nebenwirkungen. Bei 93 % der Patienten reagierte das Immunsystem spezifisch gegen das Impfpeptid.

84 % der vollständig Geimpften lebten noch 3 Jahre nach der Behandlung, bei 63 % schritt das Tumor­wachstum innerhalb dieses Zeitraums nicht weiter voran. Unter den Patienten, deren Immunsystem spezifisch auf die Vakzine reagiert hatte, lebten 82 % für 3 Jahre ohne Tumorprogress.

„Wir halten die mutationsspezifische Impfung für eine vielversprechende Therapieoption bei malignen Gliomen, die nun in randomisierten, placebokontrollierten Studien überprüft werden muss“, sagte Wolfgang Wick, ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie des Universitätsklinikums Heidelberg, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroonkologie am DKFZ und Letztautor der Studie. © hil/aerzteblatt.de

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