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Frühes Mammakarzinom: Bei hohem Risiko und BRCA1/2-Mutation senkt Olaparib das Rückfallrisiko

Montag, 7. Juni 2021

/dpa

Alexandria – Für Patientinnen mit frühem, Her2-negativen Mammakarzinom, bei denen eine BRCA1/2-Keimbahnmutation nachgewiesen worden ist und die ein hohes Rückfallrisiko haben, bringt die 1-jährige Behandlung mit dem PARP-Inhibitor Olaparib einen klinisch relevanten Benefit.

Die Olaparaib-Behandlung erfolgte im Anschluss an eine Operation und eine Chemotherapie, zum Teil auch nach Chemoradiotherapie. In der Phase-3-Studie OlympiA war der Anteil der Patientinnen, die 2,5 Jahre Jahre nach Beendigung einer zusätzlichen Olaparib-Behandlung ohne lokoregionäre Rezidive und Metastasen überlebt hatten, um 42-43 % höher als in der Placebogruppe.

Die Nachbeobachtungszeit ist noch zu kurz, um statistisch signifikante Unterschiede für das Gesamtüber­leben aufzeigen zu können. Aber es gibt einen Trend: zu höheren Überlebenraten im Studienzeitraum von 42 Monaten, wenn der PARP-Inhibitor im Anschluss an eine Standardtherapie gegeben wurde.

Die Daten der internationalen, randomisierten, placebokontrollierten und doppelblinden OlympiA-Studie hat Prof. Andrew Tutt vom Institute of Cancer Research and Kings College in London bei der virtuell stattfindenden Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt (DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.LBA1).

Die Daten wurden parallel zur Präsentation beim ASCO vollpubliziert (NEJM, 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2105215) Es ist die 1. Studie, in der Effektivität und Sicherheit eines PARP-Inhibitors bei Frauen mit frühem, Her2-negativen Mammakarzinom und BRCA-Mutation untersucht worden sind. Ola­pa­rib ist zur Behandlung des metastasierten, Her2-negativen Mammakarzinoms bei BRCA1/2-Mutation zugelassen.

Gentest bei frühem Brustkrebs mit hohem Risiko empfohlen

„Die Ergebnisse sind klinisch relevant und könnten Therapieentscheidungen bei Patientinnen, wie sie in die Studie eingeschlossen wurden, wesentlich beeinflussen“, kommentierte ASCO-Präsidentin Prof. Lori Jo Pierce von der University of Michigan bei einer Pressekonferenz. „Eine wichtige praktische Folge ist vor allem, dass Frauen mit frühem Mammakarzinom und hohem Rezidivrisiko auf BRCA-Mutationen hin getestet werden sollten. Liegt eine Mutation vor, könnten PARP-Inhibitoren eine Option für die adju­vante Behandlung sein.“

Für das Jahr 2020 wird die Zahl der Brustkrebsneuerkrankungen bei Frauen in Deutschland auf 69.700 geschätzt (RKI; Krebs in Deutschland 2019). Circa 5 % von ihnen haben eine Mutation in BRCA1- und/oder -2-Genen.

In die Studie waren 1.836 Patientinnen mit Her2-negativen Mammakarzinomen (Stadien 2 bis 3) nach Beendigung der Standardbehandlung eingeschlossen worden. Alle hatten Keimbahnmutationen in den BRCA1- und/oder -2 Genen: circa 3 von 4 Frauen hatten BRCA1-Gen-Mutationen, circa 1/4 BRCA2-Genmutationen und einige wenige (n = 7) Mutationen in beiden Genen.

Die Verumgruppe erhielt 300 mg Olaparib 2 Mal täglich oral für 1 Jahr (n = 921) und eine 2. Gruppe Pla­ce­bo (n = 915). Der primäre Endpunkt war das Überleben ohne ein invasives Karzinom.

Gesamtüberleben nach 3 Jahren nominell erhöht

Nach 3 Jahren hatten 85,9 % der Teilnehmerinnen aus der Verumgruppe den primären Endpunkt erreicht und 77,1 % in der Placebogruppe. Dies war eine Differenz von 8,8 %-punkten und eine Risikoreduktion unter Verum um 42 % (Hazard Ratio: 0,58; p < 0,0001). Das Überleben ohne Fernmetastasen lag nach 36 Monaten bei 87,5 % in der Verumgruppe und bei 80,4 % unter Placebo (HR: 0,57; p < 0,0001).

Die Raten des Gesamtüberlebens, einem sekundären Endpunkt, betrugen 92,0 und 88,3 % (Verum vs. Placebo). Die Differenz ist mit einem p-Wert von 0,024 statistisch nicht signifikant. „Die Nachbeobach­tung läuft noch“, sagte Tutt, „für eine statistische signfikante Differenz in diesem Endpunkt ist die Zeit noch zu kurz.“

Olaparib bei frühem Brustkrebs und BRCA-Mutation neuer Standard

Es wurden nicht mehr unerwünschte Effekte ≥ Grad 3 unter Olaparib beobachtet als in früheren Studien und auch keine andersartigen. Die meisten ≥ Grad 3-Nebenwirkungen der Verumtherapie waren Anämie (9 %), Neutropenie (5 %), Leukopenie (3 %) und Fatigue (2 %) und sie waren kontrollierbar.

„Die Daten der OlympiA-Studie werden die klinische Praxis verändern“, sagte Nadine M. Tung von der Harvard Medical School in Boston Massachusetts, die die Studie in der Plenary Session kommentiert. „Die zusätzliche Olaparib-Behandlung dieser Patientinnengruppe nach der üblichen Therapie wird neuer Standard werden. Eine der wichtigen Fragen für die Zukunft wird sein, ob die Dauer der Olaparib-Therapie mit 1 Jahr optimal ist.“

„Die Studie unterstreicht die generelle Notwendigkeit, die Therapie von Frauen mit Mammakarzinom von Beginn an im interdisziplinären Team zu planen inklusive der Molekulargenetik“, kommentiert Christian Jackisch, Professor am SANA-Klinikum Offenbach, im virtuellen Portal von ASCODirect2021.

„Mit der molokekularbiologischen Testung hinken wir in Deutschland in der Routinebehandlung des Mam­makarzinoms hinterher, das muss sich schnell ändern, auch die Hausärzte müssen stärker einbezo­gen werden“, so Jackisch. © nsi/aerzteblatt.de

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