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COVID-19-Infektionen bei Lymphom-Patienten: Häufiger persistierende Symptomlast

Freitag, 18. Juni 2021

/Dr. N. Lange, stock.adobe.com

Alexandria – Die COVID-19-Pandemie stellt das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen, insbe­sondere auch in der Onkologie. Bisherige Fallstudien haben gezeigt, dass Patienten unter einer Anti-CD­20-Therapie häufiger an persistierenden COVID-19-Symptomen leiden. Vor diesem Hinter­grund unter­suchten Duléry et al. (Abstract S215) die Inzidenz, Risikofaktoren und Langzeitergebnisse von persistie­rendem COVID-19 bei Lymphom-Patienten.

Diese retrospektive, multizentrische Analyse wurde an 16 Krankenhäusern in Frankreich durchgeführt. Eingeschlossen wurden alle erwachsenen Patienten mit Lymphomen, die im Zeitraum von März und April 2020 wegen COVID-19-Infektionen aufgenommen wurden (n=111).

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Persistierendes COVID-19 wurde als anhaltende schwere COVID-19-Symptome definiert, die einen Kran­kenhausaufenthalt von mehr als 30 Tagen erforderten. Patienten, bei denen nach anfänglicher Besserung erneut schwere COVID-19-Symptome auftraten, die wiederholte Kranken­haus­auf­enthalte für eine Ge­samt­aufenthaltsdauer von mehr als 30 Tagen beanspruchten, wurden ebenfalls zu den persistierenden COVID-19-Fällen gezählt.

Innerhalb des Kranken­haus­auf­enthalts verstarben 24 Patienten und 55 wurden aus dem Krankenhaus entlassen. 31 Patienten waren weiterhin im Krankenhaus und einer wurde wegen eines COVID-19-Re­zi­divs rehospitalisiert. Die Inzidenz von persistierendem COVID-19 betrug 29% (durchschnittlich 64 Jahre alt, 63 % männl.). Von diesen Patienten hatten 69 % mindestens eine signifikante Komorbidität. Keiner der Patienten mit T-Zell-Lymphom (n=8) oder klassischem Morbus Hodgkin (n=8) litt an persistierendem COVID-19.

Unter den 32 Patienten mit persistierendem COVID-19 betrug die mediane Zeit zwischen der 1. Aufnah­me und der endgültigen Entlassung 58 Tage (Spanne: 31–235) und die mediane Dauer der COVID-19-Symptome lag bei 83 Tagen (Spanne 32–237). 8 Patienten erhielten Kortikosteroide und 9 Rekonvales­zenzplasma, fast alle Patienten erholten sich von ihren Symptomen. Insgesamt verstarben 27 % der Patienten mit persistierendem COVID-19.

Nach einem medianen Follow-up von 191 Tagen betrug das 6-Monats-Gesamtüberleben 69% (95 % CI 60-78 %). Die Verabreichung von monoklonalen Anti-CD20-Antikörpern innerhalb von 12 Monaten vor der Aufnahme ins Krankenhaus wegen COVID-19 war sowohl mit einem verringerten Gesamtüberleben (HR 2,13, 95 %-KI 1,03-4,44, p=0,043) als auch mit einem verlängerten Kranken­haus­auf­enthalt verbun­den (HR 1,97, 95 %-KI 1,24-3,13, p=0,004).

Lymphom-Patienten mit B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom, die wegen einer COVID-19-Infektion ins Kran­ken­haus eingeliefert wurden, haben eine hohe Inzidenz für eine lange Symptomlast nach SARS-CoV-2-Infektion. Hauptrisikofaktoren waren eine Anti-CD20-Therapie innerhalb der letzten 12 Monate, Komor­bidität, Patienten über 70 Jahren und refraktäre oder rezidivierte Lymphome. Diese Ergebnisse können dazu beitragen, die Behandlung von Lymphom-Patienten während der COVID-19-Pandemie weiter zu optimieren, so das Fazit der Studienautoren. © cw/aerzteblatt.de

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