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Medizin

Neoadjuvante Immuntherapie des NSCLC mit guten chirurgischen Ergebnissen

Freitag, 18. Juni 2021

/decade3d, stock.adobe.com

Alexandria – Die neoadjuvante Therapie erfährt beim nicht-kleinzelleigen Lungenkarzinom derzeit einen Aufschwung: Insbesondere zielgerichtete und Immuntherapien scheinen der Chemotherapie auf die Sprünge zu helfen. Bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden die chirurgischen Ergebnisse einer entsprechenden Phase-III-Studie vorgestellt.

Eine neoadjuvante Therapie ist bislang beim NSCLC auch im Stadium III laut S3-Leitlinie keine Standard­behandlung, auch wenn dort betont wird, dass eine Komplettremission des mediastinalen Lymphknoten­befalls die anschließende Operation erleichtern kann. Die Einführung von Immuntherapien hat vieles an der Therapie des NSCLC verändert, und die in Kürze zu erwartende Neuauflage der Leitlinie wird mögli­cherweise andere Akzente setzen.

Eine Reihe von Studien beschäftigt sich mit der neoadjuvanten Anwendung von Immuncheckpoint-Inhi­bitoren: In einarmigen Phase-II-Studien haben sie vielversprechende Ergebnisse bezüglich des patholo­gischen Ansprechens sowie des ereignisfreien und des Gesamtüberlebens gezeitigt, aber solche Resul­­tate müssen natürlich in einem randomisierten Studiendesign verifiziert werden.

Geschehen ist das unter anderem in der Phase-III-Studie CheckMate-816, in der 358 Patienten mit neu diagnostiziertem, resektablem NSCLC der Stadien IB (≥ 4 cm Durchmesser)–IIIA (ohne bekannte EGFR- oder ALK-Mutationen) 3 Zyklen einer Chemotherapie erhielten; randomisiert bekam die Hälfte von ihnen außerdem 3 Mal den PD-1-Antikörper Nivolumab (360 mg alle 3 Wochen).

Binnen höchstens 6 Wochen nach Ende dieser Behandlung sollte die kurativ intendierte Operation erfol­gen, als primäre Endpunkte waren die Rate an pathologischen Komplettremissionen und das ereignis­freie Überleben definiert; außerdem wurden die Durchführbarkeit der Operation und damit zusammen­hängende Nebenwirkungen ausgewertet.

Wie Jonathan Spicer, Montréal, beim ASCO-Kongress berichtete (JCO 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.8503; ClinicalTrials.com: NCT02998528), war die neoadjuvante Immun­therapie beim pathologischen Gesamtansprechen deutlich überlegen mit 24,0% versus 2,2 % (Odds Ra­tio 13,94; p < 0,0001), ebenso bei den ausgeprägten („major“) pathologischen Remissionen mit 36,9 % versus 8,9 % (OR 5,70). Bezüglich des anderen primären Endpunkts, des ereignisfreien Überle­bens, sind die Daten noch nicht reif.

Interessanterweise hatten 94 % der Patienten im Verum-, aber nur 85 % im Kontrollarm die neoadju­vante Therapie vollständig absolviert. 83 % versus 75 % unterzogen sich hinterher tatsächlich der Resektion, die im Verumarm mit median 184 Minuten Dauer kürzer ausfiel als im Kontrollarm mit 217 Minuten. Die Resektionsrate unterschied sich im Nivolumabarm nicht zwischen den Stadien IB/II und IIIA (85 % vs. 83 %), während die Operationsdauer bei den niedrigen Stadien etwas kürzer ausfiel (169 vs. 186 Minuten).

Pathologische Komplettremissionen durch die Nivolumab-Therapie wurden erwartungsgemäß am häufigsten bei einem Stadium IB erzielt (40 % gegenüber 0 % im Kontrollarm), während der Anteil in den übrigen Stadien zwischen 23 % und 24 % lag (Kontrollarm 1 % bis 9 %).

Bei rund 60 % aller Patienten musste eine Thorakotomie durchgeführt werden; ein minimalinvasives Vor­gehen war nach Nivolumab etwas häufiger möglich, insbesondere im Stadium IIIA war der Unter­schied mit 30 % versus 19 % ausgeprägter, während hier seltener eine Konversion von einer minimalin­va­siven zur offenen Operation erforderlich war (11 % vs. 20 %).

Bei Nivolumabpatienten war häufiger eine Lobektomie möglich, dagegen musste seltener eine Pneumo­nek­­tomie durchgeführt werden (17 % vs. 30 %). Bezüglich der Raten an R0-Resektionen unterschieden sich beide Arme nicht wesentlich (Nivolumab: 83 %, Kontrollen: 78 %), auch nicht bezüglich der media­nen Anzahl entnommener Lymphknoten (19,0 vs. 18,5) und der medianen Dauer des stationären Aufent­haltes (jeweils 10 Tage).

Chirurgisch bedingte Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 waren nach Nivolumab etwas seltener als nach der reinen Chemotherapie (11 % vs. 15 %), 2 chirurgisch bedingte Todesfälle im Nivolumabarm hatten den behandelnden Ärzte zufolge nichts mit der Studienmedikation zu tun (je einmal Lungen­embo­lie beziehungsweise Aortenruptur).

Die Sicherheit der Behandlung und die chirurgischen Ergebnisse, so Spicer, stützen in Verbindung mit der erhöhten Rate an pathologischen Komplettremissionen schon jetzt die Kombination einer Chemo­the­ra­pie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor als neoadjuvante Therapieoption bei Patienten mit einem ope­rablen NSCLC. © jfg/aerzteblatt.de

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