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NSCLC: Ansprechen auf Immuncheckpoint-­Inhibitoren wird durch Antibiose beeinträchtigt

Freitag, 18. Juni 2021

/appledesign, stock.adobe.com

Alexandria – Dass Antibiotika das Darm-Mikrobiom durcheinanderbringen können, ist für Mediziner und selbst für Laien Standardwissen. Immer mehr häufen sich aber auch Hinweise, dass die Bakterienge­mein­schaft im Verdauungstrakt eine wichtige Rolle für das Ansprechen auf Krebsimmuntherapien spielt; bisherige Studien dazu umfassten aber immer nur wenige 100 Patienten.

Onkologen in Atlanta nutzten deshalb eine große Datenbank der Veterans Administration, um diesen Einfluss an einem großen Kollektiv von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) quantitativ abschätzen zu können. Die Ergebnisse wurden beim virtuellen Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert (JCO, 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.9017).

Die gesamte Kohorte, so William Stokes, Atlanta, umfasste 3.634 Patienten, die zwischen 2010 und 2018 wegen eines NSCLC mit Immuncheckpoint-Inhibitoren behandelt worden waren, am häufigsten mit Nivolumab (59,3 %) bzw. Pembrolizumab (35,1 %). Sie waren – wie bei einer Institution wie der Veterans Administration zu erwarten – im Median 69 Jahre alt, zu 97 % männlich und zu 73 % von weißer Hautfarbe.

60 % hatten mindestens eine Komorbidität, knapp die Hälfte litt an einem Adenokarzinom, und 40 % bereits bei Diagnose an einem Stadium IV. Die Patienten wurden danach klassifiziert, ob sie im Kontext mit der Immuntherapie Antibiotika erhalten hatten; im positiven Fall wurde unterschieden, ob diese zusätzliche Therapie in den 30 Tagen vor oder während der ersten beiden Monate nach Beginn der Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren begonnen hatte.

Die vor der Immuntherapie verschriebenen Antibiotika (bei 21 % der Patienten) waren am häufigsten Beta-Lactame, Quinolone und Makrolide. Ihre Anwendung war mit einem kürzeren Gesamtüberleben assoziiert (median 7 vs. 10 Monate), und dieser Unterschied war nicht nur in einer multivariaten Cox-Proportional-Hazards-Analyse signifikant (Hazard Ratio 1,31; p < 0,01), sondern auch nach einem Propen­sity Score Matching: Bei dieser statistischen Methode werden Patienten aus 2 Gruppen nach zahlreichen Merkmalen so gematcht, dass dieses Verfahren einer Randomisierung sehr nahekommt. Auch in dieser Analyse war das Mortalitätsrisiko bei Anwendung von Antibiotika vor der Immuntherapie ähnlich stark erhöht, nämlich um 27 % (HR 1,27; p < 0,01).

Bei den 970 Patienten, die nach Beginn der Immuntherapie antibiotisch behandelt worden waren (30,1 % der Gesamtkohorte), waren die Verhältnisse ganz ähnlich: Das Gesamtüberleben war mit 7 versus 10 Monaten genauso stark reduziert, und der Unterschied war ebenfalls signifikant – sowohl in der multivariaten Analyse (HR 1,33; p < 0,01) als auch nach Propensity Score Matching (HR 1,32; p < 0,01).

Dies ist die bislang umfangreichste Analyse zum Antibiotikagebrauch im Kontext einer Behandlung mit Immuncheckpoint-Inhibitoren bei Patienten mit NSCLC, so Stokes. Die Resultate lassen befürchten, dass eine Antibiose vor oder nach Beginn der Immuntherapie die Prognose ungünstig beeinflusst und die Überlebenszeiten signifikant reduziert.

Der retrospektive Charakter der Analyse macht sie zwar anfällig für die Wirkung von Störfaktoren, weil Patienten mit schweren Infektionen mit höherer Wahrscheinlichkeit Antibiotika erhalten, aber auch mit höherer Wahrscheinlichkeit an der Infektion verstorben sein könnten, ohne dass die Beeinflussung der Immuntherapie durch die Antibiose eine Rolle gespielt haben muss.

Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Erhöhung des Mortalitätsrisikos ausschließlich auf Infektionen zurückgeht; die Behandlung mit Antibiotika im zeitlichen Zusammenhang mit der Gabe von Checkpoint-Inhibitoren sollte auf jeden Fall sehr sorgfältig abgewogen und nach Möglichkeit vermieden werden. © jfg/aerzteblatt.de

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