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Medizin

Krebsmedikament reduziert in kleiner Studie Mortalität bei COVID-19-bedingtem Lungenversagen

Freitag, 13. August 2021

/Delphotostock, stock.adobe.com

Marburg – Das Krebsmedikament Ruxolitinib könnte bei COVID-19-Patienten mit Lungenversagen die Mortalität reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine in Leukemia veröffentlichte Studie von Wissen­schaftlern aus Marburg (DOI: 10.1038/s41375-021-01374-3).

Bei etwa 5 % der COVID-19-Erkrankten verläuft die Erkrankung so schwer, dass es zu einem Lungenver­sa­gen kommen kann. In die nicht randomisierte, prospektive Phase-II-Studie wurden 16 mechanisch beatmete COVID-19- Patienten im Alter zwischen 35 und 92 Jahren eingeschlossen.

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Sie erhielten das Medikament für eine Dauer von 4 bis 28 Tagen, zusätzlich zur Standardbehandlung, die zum Beispiel die Verabreichung des entzündungshemmenden Medikaments Dexamethason umfasst. Nach 4 Wochen endete die Studie.

In Leukemia berichten die Mediziner, dass 13 der 16 Patienten nach 28 Tagen noch am Leben gewesen seien. Das entspricht einer Überlebensrate von 81 Prozent – deutlich mehr als in früheren Studien, in denen die Überlebensrate an Tag 28 zwischen 25 und 60 % gelegen hatte.

Der Januskinaseinhibitor sei dabei gut vertragen worden, berichten die Autoren um Andreas Neubauer von der Klinik für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie, Immunologie am Universitätsklinikum Mar­burg.

Rechtzeitiger Behandlungsbeginn erwies sich als entscheidend

Im Schnitt waren die Studienteilnehmer 16 der 28 Tage auf eine Beatmung angewiesen. Patienten, die bis zum Ende mechanisch beatmet werden mussten, waren bereits vor Studienbeginn mehr als 1 Tag lang auf ein Beatmungsgerät angewiesen gewesen, also schon bevor sie das Medikament erhielten.

„Der Beginn der Ruxolitinibbehandlung hat sich für das Ergebnis als kritisch erwiesen“, sagt Thomas Wiesmann von der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Marburg.

„Natürlich war die Anzahl der Patienten, die wir in unsere Studie eingeschlossen haben, zu klein, um endgültige Aussagen über die Wirksamkeit von Ruxolitinib bei COVID-19 zu treffen“, erklärt Neubauer. Außerdem verzichtete das Team auf den Vergleich mit einer Kontrollgruppe, um niemandem die Behand­lung mit Ruxolitinib vorzuenthalten.

Mittlerweile läuft bereits eine größere klinische Studie, um weiter zu untersuchen, ob Ruxolitinib bei einem schweren COVID-19-Verlauf Vorteile bringt. Denn, so die Autoren, die Behandlung mit dem Janus­kinaseinhibitor sei machbar und könnte sich bei Patienten mit COVID-19-bedingtem Lungenversagen als wirksam erweisen. © nec/aerzteblatt.de

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