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Medizin

Warum auch Nichtraucher an Lungenkrebs erkranken

Freitag, 17. September 2021

/decade3d, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Die gar nicht so seltenen Lungenkrebserkrankungen bei Nichtrauchern lassen sich nach einer Genomanalyse in Nature Genetics (2021; DOI: 10.1038/s41588-021-00920-0) auf 3 unter­schiedliche genetische Signaturen zurückführen.

Krebs ist letztlich die Folge von Mutationen und anderen Fehlern im genetischen Code, die ein unkontrolliertes Wachstum einzelner Zellen auslösen. Eine Möglichkeit die Ursachen zu erforschen, ist die Sequenzierung des Genoms in den Krebszellen, die immer auch in der Hoffnung durchgeführt wird, auf mögliche Ansätze für neue Therapien zu stoßen.

Eine Forschergruppe am US-National Cancer Institute hat sich einer bisher vernachlässigten Krebsform zugewandt, die jedoch keineswegs selten ist. Etwa 10 % bis 25 % aller Lungenkrebse treten bei Men­schen auf, die niemals geraucht haben. Bei mehr als 2 Millionen Menschen, die weltweit jedes Jahr an Lungenkrebs erkranken, ist dies eine beträchtliche Anzahl. Hinzu kommt, dass mit der sinkenden Zahl der durch das Rauchen ausgelösten Lungenkrebse der (relative aber nicht absolute) Anteil der Lungen­krebserkrankungen bei Nichtrauchern zunimmt.

Bisher gibt es kaum Erkenntnisse zu den Ursachen und den Triebfedern dieser Tumore. Ein Team um Maria Teresa Landi vom US-National Cancer Institute in Bethesda/Maryland stellt jetzt die Ergebnisse der bisher größten Genomanalyse zu dieser Krebsform vor. Sie umfasst insgesamt 232 Patienten, die niemals geraucht hatten.

Darunter waren 189 Patienten mit Adenokarzinom (die häufigste Art von Lungenkrebs). Bei 36 Patienten lag ein Karzinoid und bei 7 Patienten eine andere Tumorform vor. Die Gewebeproben waren bei allen Patienten vor der Behandlung entnommen worden, so dass es keine therapiebedingten Veränderungen in den Krebszellen gab.

Die Forscher fanden 3 unterschiedliche genetische Signaturen, die sie nach der Lautstärkeangabe in Musikstücken als „piano“, „mezzo-forte“ und „forte“ bezeichnen.

Etwa die Hälfte der Tumore ließen sich dem „piano“-Typ zuordnen. Die Krebszellen dieser Tumore hatten nur wenige genetische Veränderungen. Die Mutationslast war gering und unterschiedlich auf die Zellen verteilt. Ein gemeinsamer Nenner war ein langsames Wachstum. Tumore vom „piano“-Typ könnten deshalb durch ein Screening rechtzeitig diagnostiziert werden. Im fortgeschrittenen Stadium gäbe es jedoch keine therapeutischen Ansätze.

Die selteneren „mezzo-forte“-Tumore wachsen schneller. Ihre genetische Signatur weist spezifische Veränderungen auf, zu denen beispielsweise Mutationen im Rezeptor für den Wachstumsfaktor EGFR gehören. Der EGFR-Rezeptor ist der Angriffspunkt des Antikörpers Cetuximab, der bereits erfolgreich bei Lungenkrebserkrankungen eingesetzt wird. „mezzo-forte“-Tumore könnten deshalb besser behandelbar sein.

Die 3. Gruppe sind die „forte“-Tumore. Sie waren mit einem Anteil von einem Fünftel die seltenste Variante, zeigten jedoch ein besonders schnelles Wachstum. Das therapeutische Zeitfenster könnte deshalb kurz sein. Die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung dürften zudem gering sein. Denn die genetische Signatur der „forte“-Tumore ist durch eine Verdoppelung des gesamten Genoms gekenn­zeichnet, bei der in der Regel mehrere Gene das Wachstum antreiben. © rme/aerzteblatt.de

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