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Metastasiertes Mammakarzinom: Überlebensvorteil von mehr als 1 Jahr durch Ribociclib in der Erstlinie

Freitag, 24. September 2021

/SciePro, stock.adobe.com

Berlin/Köln – Bei Frauen mit fortgschrittenem hormonrezeptorpositivem (HR+) Mammakarzinom verlän­gert die Kombination aus dem CDK4/6-Inhibitor Ribociclib mit dem Aromatasehemmer Letrozol in der Erstlinie das Gesamtüberleben um median 12,5 Monate im Vergleich zu Letrozol alleine.

Das ist das Ergebnis der prospektiv randomisierten, placebokontrollierten MONALEESA-2-Studie. Gabriel N. Hortobagyi vom MD Anderson Cancer Center an der Universität Texas, stellte die Daten bei der Jahrestagung der European Society of Medial Oncology (ESMO Congress 2021) vorstellte. Der Onkologe ist Erstautor dieser finalen Wirksamkeitsanalyse der MONALEESA-2-Studie (Annals of Oncology 2021; DOI: 10.1016/annonc/annonc741).

Frühere Auswertungen der Studie hatten bereits einen klaren und auch klinisch relevanten Vorteil durch den CDK4/6-Inhibitor für den primären Endpunkt, das progressionsfreie Überleben (PFS), ergeben. Das mediane PFS hatte 25,3 Monate für Ribociclib plus Letrozol betragen und 16,0 Monate für Placebo plus Letrozol. Dies hatte zur Zulasssung von Ribociclib in dieser Indikation geführt, auch in Europa.

„Verdünnungseffekte“ für Erstlinie durch Therapiesequenzen

„Anders als beim progressionsfreien Überleben ist es bei diesem Typ des Mammakarzinoms ungewöhn­lich, dass wir einen so deutlichen, statistisch signifikanten und klinisch relevanten Vorteil im Gesamt­über­leben für die Erstlinientherapie sehen“, sagte Hortobagyi. „Denn wegen der Resistenzentwicklung der Tumoren gegenüber endokrinen Behandlungen erhalten Patientinnen im Verlauf der Erkrankung 4 bis 15 verschiedene Therapien, so dass die Effekte einer Erstlinienbehandlung mit der Zeit verdünnt werden.“

Dies sei die 1. Phase-3-Studie mit einem klinisch relevanten Benefit beim Gesamtüberleben für diese Population von Patientinnen.

In der internationalen MONALEESA-2 (29 Länder in Westeuropa inklusive Deutschland, USA und Ostasien) ist Ribociclib in Kombination mit Letrozol bei postmenopausalen Frauen mit HR+/Her2-negativem fortgeschrittenem Mammakarzinom auf Effektivität und Sicherheit vergleichen worden mit Letrozol/Placebo.

Fast alle der 668 Teilnehmerinnen hatten Tumoren im Stadium 4, meist Metastasen in Knochen und/oder inneren Organen. Circa die Hälfte hatte zuvor eine neoadjuvante oder adjuvante endokrine Therapie erhalten, aber keine systemische Behandlung für das fortgeschrittene Stadium. Die Frauen wurden 1: 1 randomisiert in den Kombinationsarm Letrozol plus Ribociclib oder Letrozol plus Placebo.

CDK4/6-Hemmer hemmen eine über Estrogenrezeptoren aktivierte Signalkaskade, die den Zellzyklus und damit die Proliferation reguliert. Damit verstärken sie die Wirkung von endokrinen Behandlungen wie Aromatasehemmern und verhindern die endokrine Resistenzentwicklung oder zögern sie zumindest hinaus. Circa 50 % der Patientinnen mit fortgeschrittenem HR-positivem/Her2-negativem Mammakarzinom sprechen nicht auf eine initiale endokrine Monotherapie an oder entwickeln Resistenzen.

Die Analyse für das Gesamtüberleben, dem wesentlichen sekundären Endpunkt, erfolgte nach 400 Todesfällen. Das mediane Follow-Up betrug 79,7 Monate, mindestens aber 74,6 Monate. Im Ribociclib-Letrozolarm überlebten die Frauen median 63,9 Monate und im Placebo-Letrozolarm median 51,4 Monate (Differenz: 12,5 Monate; Hazard Ratio für Tod: 0,76; p = 0,004).

Die geschätzte 6-Jahres-Überlebensrate lag für die Verumgruppe bei 44,2 % und für die Placebogruppe bei 32,0 %.

Chemotherapie um median 12 Monate hinausgezögert

Die Zeit bis zum Erforderlichwerden der ersten Chemotherapie lag bei median 50,6 Monaten im Ribociclibarm und bei median 38,9 Monaten unter Placebo.

Es seien keine neuen Sicherheitsaspekte in der Studie aufgetreten, sagte Hortobagyi. Es können Neutro­penien auftreten, deren Inzidenz und Schwere sich aber im Allgemeinen während der Therapie vermin­dern. Auch Veränderungen der Leberenzymkonzentrationen sind im Allgemeinen reversibel.

Giuseppe Curigliano, Klinischer Direktor der Abteilung Early Drug Development for Innovative Therapy, European Institute of Oncology in Mailand, kommentierte: „Mit diesen Studiendaten haben wir einen klaren Beleg, dass die Kombination einer endokrinen Therapie mit einem CDK4/6-Inhibitor das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben verlängert.

Es wäre nun sinnvoll, die außergewöhnlich guten Responder mit den Kurzzeitüberlrbenden zu verglei­chen, um nach prognostisch relevanten biologischen Eigenschaften zu suchen.“ © nsi/aerzteblatt.de

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