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Medizin

Melanom: Faserreiche Ernährung, nicht aber Probiotika könnten Wirksamkeit einer Immuntherapie verbessern

Dienstag, 25. Januar 2022

/Ocskay Mark, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Melanompatienten, die sich ballaststoffreich ernähren, erzielten in einer Beob­achtungsstudie unter der Behandlung mit Checkpointinhibitoren längere Überlebenszeiten, während sich die derzeit populären Probiotika eher schädlich auswirkten.

Die Ergebnisse wurden in Science (2021; DOI: 10.1126/science.aaz7015) durch tierexperimentelle Studien untermauert, die auf eine unterstützende Rolle von Darmbakterien in der Immunabwehr von Malignomen hinweisen.

Das maligne Melanom gehört zu den aggressiven Krebserkrankungen, bei denen eine Chemotherapie nur eine begrenzte Wirkung erzielt. Das Malignom reagiert jedoch häufig auf eine Behandlung mit Check­point­­inhibitoren, die die körpereigene Immunabwehr stärken. Die Behandlung ist bei einigen Patienten sehr erfolgreich, andere sprechen gar nicht darauf an.

Den Grund vermutet Giorgio Trinchieri vom US-National Cancer Institute in Bethesda in Maryland in der Darmflora. Die Bakterien dort sollen das Immunsystem beeinflussen und den Angriff auf die Krebszellen verstärken. Dafür gibt es erste Hinweise aus klinischen Studien.

Mediziner aus Israel konnten kürzlich in einer Phase-1-Studie die Wirksamkeit einer Krebsimmunthera­pie durch eine fäkale Mikrobiotatransplantation (Stuhltransplantation) verbessern. Bei den Patienten war zunächst eine Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren erfolglos geblieben. Nach der Stuhltransplanta­tion hatte dann ein 2. Versuch derselben Krebsimmuntherapie bei einigen Patienten eine Remission des Tumors erzielt. Trinchieri hatte über ähnliche Erfahrungen berichtet.

Es ist bekannt, dass die Ernährung oder die gezielte Einnahme von Probiotika die Zusammensetzung der Darmflora verändern können. Es erscheint deshalb vorstellbar, dass die Ernährung oder die Einnahme von Probiotika Auswirkungen auf den Erfolg einer Krebsimmuntherapie haben.

Trinchieri hat deshalb eine größere Gruppe von Melanompatienten nach ihren Ernährungsgewohnheiten während der Krebsimmuntherapie befragt. Dabei stellte sich heraus, dass die Zufuhr von Ballaststoffen mit einer längeren Überlebenszeit korrelierte: Jede Erhöhung der täglichen Ballaststoffaufnahme um fünf Gramm war mit einem um 30 % geringeren Risiko auf eine Tumorprogression oder einen Krebstod verbunden.

Etwa 1/3 der Patienten mit fortgeschrittenem Melanom gab bei der Befragung an, parallel zur Krebs­immun­therapie Probiotika einzunehmen. Ein Nutzen war in der Studie nicht erkennbar. Im Gegenteil: Die Einahme von Probiotika war mit einem häufigeren Misserfolg der Immuntherapie assoziiert. Am häufigs­ten sprachen jene Patienten auf die Behandlung an, die sich ballaststoffreich ernährten, aber keine Probiotika einnahmen. Hier kam es bei 18 von 22 Patienten (82 %) zu einem Rückgang des Tumors oder wenigstens einem Wachstumsstopp über 6 Monate. Diese Remissionen erreichten dagegen nur 60 von 101 Patienten (59%), die sich ballaststoffarm ernährt hatten oder Probiotika eingenommen hatten.

Ergebnisse einer Beobachtungsstudie sind anfällig für Verzerrungen und deshalb keine ausreichende Grundlage für eine Warnung. Eine ungünstige Wirkung von Probiotika wurde jedoch auch in einem Tiermodell beobachtet. Die Forscher besiedelten den Darm von keimfrei aufgewachsenen Mäusen mit den Darmbakterien eines Melanompatienten, bei dem die Krebsimmuntherapie erfolgreich verlaufen war.

Einige Tiere wurden dann mit 2 kommerziell erhältlichen Probiotika behandelt. Danach wurde den Tieren ein Melanom transplantiert. Die Tumore erwiesen sich als resistent gegen eine anschließende Krebsimmuntherapie und wuchsen schneller als in einer Kontrollgruppe, in der die Mäuse keine Probio­tika erhielten. In den Tumoren der Tiere waren weniger T-Zellen vorhanden, die Krebszellen angreifen. Trinchieri äußert sich deshalb kritisch zu der populären Einnahme von Probiotika. Nutzen oder Schaden sollten zunächst genauer in klinischen Studien untersucht werden.

Aussichtsreicher erscheint dagegen eine ballaststoffreiche Ernährung zu sein. Auch hier muss der Nutzen noch durch randomisierte klinische Studien belegt werden. Eine 1. Phase-2-Studie wird derzeit am MD Anderson Cancer Center in Houston durchgeführt: Patienten mit fortgeschrittenem Melanom erhalten dort eine Diätenberatung für eine ballaststoffreiche Diät oder eine Normalkost.

Auf welche Weise Ernährung und Darmflora die Wirksamkeit der Krebsimmuntherapie beeinflussen, ist unklar. Trinchieri vermutet, dass die Ballaststoffe die Vermehrung bestimmter Bakterienarten fördern. Dazu könnten Ruminococcaceae gehören. Diese Bakterien bilden kurzkettige Fettsäuren, die vom Darm resorbiert werden und die die Antitumorwirkung der Immuntherapie verstärken könnten, so eine Hypothese von Trinchieri.

Dass Darmbakterien eine Rolle spielen müssen, zeigte sich in einem Experiment an Mäusen, die keimfrei aufgewachsen waren und deren Darm deshalb keine Bakterien enthält. Eine ballaststoffreiche Kost hatte bei diesen Tieren keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Immuntherapie. © rme/aerzteblatt.de

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