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3D-Mammografie verhindert nur wenige Intervallkarzinome, vermeidet aber Nachuntersuchungen

Mittwoch, 15. Juni 2022

/picture alliance / Zoonar, Stanislav Rishnyak

San Francisco – Die 3D-Mammografie, die in den USA bereits von mehr als 80 % der Zentren angeboten wird, hat die Zahl der invasiven und fortgeschrittenen Intervalltumore bisher nur bei einer Minderheit von Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe und einem erhöhten Ausgangskrebsrisiko gesenkt. Nach der Analyse des „Breast Cancer Surveillance Consortium“ im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2022; 327: 2220-2230) konnte jedoch in einer größeren Gruppe die Zahl der falsch-positiven Alarme gesenkt werden.

Bei der 3D-Mammografie, auch Tomosynthese genannt, werden aus verschiedenen Winkeln mehrere Aufnah­men der Brustdrüse angefertigt (wobei die Dosis der einzelnen Aufnahmen gesenkt wird, um das Strahlenrisi­ko insgesamt nicht zu erhöhen).

Die Tomosynthese ermöglicht es, kleinere Tumore auch im Schatten von Drüsengängen oder anderen Struktu­ren einer röntgendichten Brustdrüse aufzuspüren. Ein wichtiger klinischer Vorteil der besseren Diagnose wäre die Vermeidung von Intervalltumoren, also einer Brustkrebserkrankung, die vor der nächsten planmäßigen Mammografie auftritt und erfahrungsgemäß wegen eines schnelleren aggressiven Wachstums mit einer schlechteren Prognose verbunden ist.

Ein möglicher Nachteil der Tomosynthese wäre zumindest in der Anfangsphase eine erhöhte Zahl von falsch-positiven Befunden, die die Frauen (bis zum Vorliegen des endgültigen Ergebnisses) psychisch und im Fall einer Biopsie auch körperlich belasten können.

Ob die 3D-Mammografie tatsächlich die Früherkennung verbessert und zu einem Rückgang der tödlichen Erkrankungen führen wird, lässt sich ein Jahrzehnt nach der Einführung noch nicht feststellen. Die von Karla Kerlikowske vom San Francisco Veterans Affairs Medical Center vorgestellten Daten erlauben jedoch eine erste Einschätzung.

Sie beruhen auf einer Auswertung des „Breast Cancer Surveillance Consortium“ (BCSC), zu dem sich 44 Zentren zusammengeschlossen haben. Dort wurden bisher 375.000 3D-Mammografien durchgeführt, die rund 1 Mio. digitalen 2D-Mammografien gegenübergestellt wurden.

Der erhoffte Rückgang der fortgeschrittenen Intervalltumore ist nach der Analyse nur für eine Minderheit von 3,6 % der untersuchten Frauen nachweisbar. Es handelt sich um Frauen mit extrem dichtem Brustgewebe (der obersten von 5 Kategorien des „BreastImaging Reporting and Data System“), bei denen gleichzeitig ein 5-Jahres-Brustkrebsrisiko von 1,67 % oder mehr bestand.

Das 5-Jahres-Risiko berücksichtigt Alter, Herkunft, frühere Befunde und die Familienanamnese. Das BCSC hat hierzu einen Rechner ins Netz gestellt. In dieser Gruppe kam es nach 0,27 von 1.000 3D-Mammografien zu einem fortgeschrittenen Intervallkarzinom gegenüber 0,80 von 1.000 2D-Mammografien. Die Differenz von 0,53/1.000 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,10 bis 0,97 signifikant.

Mit den Einschränkungen einer epidemiologischen Studie, in der sich Verzerrungen durch unerkannte Unter­schiede zwischen den Gruppen niemals ganz ausschließen lassen, wäre dies ein geringer aber eindeutiger Vor­teil: Bei jeder Mammografierunde könnte 1 von 2.000 Frauen aus dieser Gruppe vor einem möglicherweise tödlichen Krebs bewahrt werden.

Für die übrigen 96,4 % aller Frauen ohne ultradichte Brustdrüse und ohne einem erhöhten Ausgangsrisiko wäre nach den Ergebnissen der Studie die 3D-Mammografie ohne sicheren Vorteil (auch wenn in einigen Untergruppen ein Trend zu weniger Intervalltumoren erkennbar war).

Immerhin bei 29 % der Frauen mit fibroglandulärem Gewebe wurden bei der 3D-Mammografie häufiger inva­sive Karzinome im (in der Regel heilbaren) Stadium 1 gefunden, was darauf hindeutet, dass die Untersuchung genauer ist und die Krebserkrankungen vielleicht doch in einem früheren Stadium entdeckt werden.

Für die höhere Genauigkeit spricht auch der Rückgang der falsch-positiven Befunde, der bei den fast 44 % der Frauen nachweisbar war, bei denen die Röntgendichte der Brustdrüse nicht erhöht war und die ein niedriges bis durchschnittliches 5-Jahres-Brustkrebsrisiko hatten. Der befürchtete Anstieg der falsch negativen Diagno­sen scheint jedenfalls ausgeblieben zu sein. © rme/aerzteblatt.de

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