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LS-SCLC: 1 Mal tägliche Bestrahlung mit leichten Vorteilen?

Dienstag, 7. Juni 2022

/Mark Kostich, stock.adobe.com

Chicago – Das kleinzellige Lungenkarzinom im lokal begrenzten Stadium (Limited Stage, LS-SCLC) wird üblicherweise mit einer Radiochemotherapie behandelt, wobei der genaue Zeitplan und die Dosierung der Strahlentherapie nicht endgültig geklärt sind.

1 Mal tägliche und hyperfraktionierte Bestrahlungen scheinen sich hinsichtlich der Wirksamkeit nicht zu unterscheiden, weshalb Daten zur Lebensqualität und zur Patientenpräferenz von Bedeutung sein könnten, wie sie bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt wurden (DOI: 10.1200/JCO.2022.40.16_suppl.8504).

Etwa 1/3 der Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC) befindet sich bei Erstdiagnose im Stadium „Limited Disease“ (LS-SCLC). Standard ist hier eine simultane kombinierte Strahlenchemotherapie mit kurativer Intention, aber 5-Jahres-Überlebensraten von lediglich zwischen 20 und 30 %.

Die Strahlentherapie sollte spätestens mit Beginn des 3. Chemotherapiezyklus gestartet werden, wobei eine hyperfraktionierte, akzelerierte Bestrahlung mit 2 Mal täglich 1,5 Gy bis zu einer Gesamtdosis von 45 Gy oder eine konventionell fraktionierte, 1 Mal tägliche Bestrahlung mit 1,8 bis 2,0 Gy ED und einer Gesamtdosis von bis zu 66 Gy zur Auswahl stehen.

Ein randomisierter Vergleich beider Protokolle ergab in der CONVERT-Studie keinen signifikanten Unterschied bezüglich der 3-Jahres-Überlebensraten (43 % vs. 39 %; [Faivre-Finn C et al. Concurrent once-daily versus twice-daily chemoradiotherapy in patients with limited-stage small-cell lung cancer (CONVERT) (The Lancet Oncology, 2017; DOI: 10.1016/S1470-2045(17)30318-2).

Die US-amerikanische CALGB 30610, in der beide Regimes verglichen wurden (wobei im Arm mit konventioneller Fraktionierung 70 Gy gegeben wurden), fand ebenfalls keinen Unterschied beim Gesamtüberleben (Journal of Clinical Oncology, 2021; DOI: 10.1200/JCO.2021.39.15_suppl.8505); sie enthielt aber eine Substudie (CALGB 70702), in der die Lebensqualität und die Präferenzen der Patienten in beiden Gruppen verglichen werden sollten, die möglicherweise als Entscheidungskriterium für oder gegen eines der beiden Therapieprotokolle nützlich sein könnte.

Wie Apar Kishor Ganti, University of Nebraska Medical Center, Omaha, nun in Chicago berichtete, wurden in diese Substudie 417 Patienten eingeschlossen. Sie sollten in bestimmten Abständen nach Beginn der Strahlentherapie einen Satz an Fragebögen ausfüllen, mit denen Aspekte der Lebensqualität ausgewertet werden konnten: den FACT-L-Fragebogen, FACT Trial Outcome Index-Lunge Cancer (FACT-L TOI), FACT-Esophageal Cancer Eating and Swallowing Indices, die ECOG Acute Esophagitis Scale, die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS), den EQ-5D-Fragebogen zu Beginn und eine einzelne Frage zu Schluckproblemen zu Beginn, nach 3, 5, 7, 12, 26 und 52 Wochen.

Zu diesen Zeitpunkten wurden die Patienten auch gebeten zu beurteilen, wie unbequem sie die Behandlung empfanden. Zu Beginn füllten 87 % und nach 52 Wochen immer noch 71 % die Fragebögen aus.

Primäre Endpunkte waren die Ergebnisse von FACT-L TOI und die der FACT-Subskalen zu Essen und Schlucken nach 12 Wochen. Insgesamt schnitt der Arm mit der 1 Mal täglichen Bestrahlung besser ab: Die Verschlechterung im FACT-L-Gesamtscore nach 3 Wochen fiel hier ebenso geringer aus (-1,0 vs. -7,0 Punkte; p = 0,003) wie nach 5 Wochen (-5,3 vs. -11,0 Punkte; p = 0,06). Ähnliches galt für die Verschlechterung im FACT-L TOI nach 3 Wochen (-2,9 vs. -7,6 Punkte; p = 0,003), während die Tendenz nach 12 Wochen umgekehrt war (- 7,6 vs. -2,8 Punkte; p = 0,03).

Auch im EQ-5D-Fragebogen zeigte sich nach 3 Wochen eine geringere Verschlechterung in der Gruppe mit 1 Mal täglicher Behandlung (p = 0,002). Ebenso waren nach 3 Wochen der Score für akute Ösophagitis (1,06 vs. 2,89; p < 0,001) und die Probleme beim Schlucken (0,39 vs. 1,14; p < 0,001) bei 1 Mal täglicher Radiatio geringer als bei dem hyperfraktionierten Regime. Auch Angstsymptome waren ausweislich der Werte der HADS nach 5 Wochen weniger stark (-1,99 vs. -0,95; p = 0,03).

Zu den übrigen Zeitpunkten gab es keine Unterschiede zwischen beiden Armen. Unbequemlichkeit der Behandlung beklagten Patienten im 1 Mal täglich bestrahlten Arm bei 26 % der Termine, in der 2 Mal bestrahlten Gruppe bei 33 % (p = 0,03).

Beide Bestrahlungsprotokolle waren gut verträglich, so Ganti; die 1 Mal tägliche Frequenz führte nach 3 Wochen zu besseren Werten bei der Lebensqualität, ein Verhältnis, dass sich allerdings nach 12 Wochen teilweise revertierte. Die 1 Mal tägliche Bestrahlung wurde von den Patienten weniger häufig als unbequem empfunden, weshalb sie Ganti zufolge in der täglichen Praxis bevorzugt werden könnte. © jfg/aerzteblatt.de

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