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Lokal fortgeschrittenes NSCLC: Immun- und Strahlentherapie ohne Chemotherapie?

Dienstag, 7. Juni 2022

/SciePro, stock.adobe.com

Chicago – Das inoperable, lokal fortgeschrittene nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) wird derzeit mit einer Chemoradiotherapie und nachfolgender Konsolidierung mit dem PD-L1-Checkpointinhibitor Durvalumab behandelt.

US-amerikanische Onkologen und Strahlentherapeuten haben in der Phase-2-Studie SPRINT (Selective Personalized Radio-immunotherapy for locally advanced NSCLC Trial) eine alternative Strategie erprobt: Wie Nitin Ohri, New York, bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago berichtete (DOI: 10.1200/JCO.2022.40.16_suppl.8510), sollte dabei das Ansprechen auf eine Induktionstherapie mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab über die Dosierung einer nachfolgenden Strahlentherapie entscheiden.

Eingeschlossen wurden in 3 Zentren insgesamt 25 Patienten mit inoperablen, lokal fortgeschrittenen NSCLC-Erkrankungen (1 im Stadium 2, 13 im Stadium 3A, 9 im Stadium 3B, 2 im Stadium 3C) und 1 PD-L1-Expression in 50 % oder mehr der Tumorzellen.

Nach einer Eingangsuntersuchung mit Positronenemissions- (PET) und Computertomografie (CT) erhielten sie zunächst 3 Zyklen Pembrolizumab (200 mg) im Abstand von 3 Wochen. Wenn das metabolische Tumorvolumen in einem erneuten Staging-PET/CT mehr als 20 cm3 betrug, wurde die anschließende Bestrahlung auf Tumor und/oder Lymphknoten mit 55 Gy dosiert, bei kleinerem Volumen mit 48 Gy – jeweils in 20 Fraktionen 1 Mal täglich, also über 4 Wochen appliziert. Anschließend wurden bis zu 13 Zyklen zusätzliches Pembrolizumab gegeben. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben nach 1 Jahr.

Wie Nitin Ohri vom Montefiori Medical Center und dem Albert Einstein College of Medicine in der Bronx, New York, in Chicago berichtete, waren 2 der Patienten während der Pembrolizumabinduktion progredient, 2 weitere mussten die Immuntherapie wegen immunologischer Nebenwirkungen absetzen.

Anhand der RECIST-Kriterien im CT beurteilt, erzielten 12 Patienten mit der Induktionstherapie eine Remission, von denen eine komplett war. Wurden die PERCIST-Kriterien angewendet, bei denen die PET-Ergebnisse eine maßgebliche Rolle spielen (The Journal of Nuclear Medicine, 2009; DOI: 10.2967/jnumed.108.057307) war ebenfalls bei 12 Patienten eine partielle Remission zu sehen. Dabei waren die Resultate mit den beiden diagnostischen Verfahren divergent: 4 Patienten hatten im PET, nicht aber im CT angesprochen, und umgekehrt fielen bei vier weiteren die CT-, nicht aber die PET-Ergebnisse negativ aus.

Bei einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 13 Monaten lag die progressionsfreie Überlebensrate nach 1 Jahr bei 74 %, die Gesamtüberlebensrate bei 95 %. Weitere, exploratorische Analysen belegen, dass das Ansprechen auf die Induktion mit Pembrolizumab im PET für die Gesamtwirksamkeit dieses Therapieansatzes von Bedeutung sein könnte: Sämtliche Responder waren nach 1 Jahr noch progressionsfrei am Leben, von den Non-Respondern hingegen lediglich 61 %; der Unterschied war hochsignifikant (p = 0,007).

Es gab keine Nebenwirkungen vom Grad 4 oder 5, diejenigen vom Grad 3 beschränkten sich auf einzelne Fälle von Anämie, Arthritis, Diarrhö, Ösophagitis und Pneumonitis.

Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem NSCLC und einer PD-L1-Expression von mindestens 50 %, so Ohris Fazit, könnte eine Induktionstherapie mit Pembrolizumab und eine an das Resultat angepasste Strahlentherapie eine vielversprechende Strategie sein. Insbesondere könnten durch das nuklearmedizinische Ansprechen auf die Induktionstherapie Patienten identifiziert werden, bei denen man auf eine Chemotherapie verzichten kann. Voraussetzung ist natürlich, dass dieser Ansatz sich zuvor noch in einem größeren, randomisierten Kontext bewährt. © jfg/aerzteblatt.de

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