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Metastasiertes NSCLC: Mutationstestung so umfangreich wie möglich

Mittwoch, 8. Juni 2022

/catalin, stock.adobe.com

Chicago – Ein neu diagnostiziertes fortgeschrittenes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) soll heute allen Leitlinien zufolge mindestens auf diejenigen Treibermutationen getestet werden, die mit zugelassenen Medikamenten behandelt werden können.

Dass sich eine möglichst umfassende genetische Testung auch auf die Überlebenschancen der Patienten auswirkt, zeigt eine retrospektive Analyse, die Charu Aggarwal von der University of Pennsylvania in Philadelphia bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorstellte (DOI: 10.1200/JCO.2022.40.16_suppl.9022)

Zu immer mehr Mutationen, die beim NSCLC auftreten können, gibt es mittlerweile Therapieoptionen. Die aktuelle Onkopedia-Leitlinie zum NSCLC empfiehlt die Diagnostik therapierelevanter Mutationen bei allen Patienten im Stadium 4 vor Beginn einer medikamentösen Erstlinientherapie. Als obligat gilt dabei die Testung auf ALK-Translokationen, die BRAF-V600E-Mutation, EGFR-Exon-18-21-Mutationen, NTRK-Fusionen, RET- Translokationen und ROS1-Translokationen.

Für weitere Veränderungen werden spezifische Therapiekonzepte entwickelt und sind teilweise bereits in der Klinik angekommen, sodass auch die Untersuchung auf diese Alterationen dringend angeraten ist – darunter HER2-Amplifikationen und –Mutationen, die KRAS-G12C-Mutation und c-MET-Alterationen mit Exon-14-skipping-Mutationen, Amplifikationen und Fusionen.

Welche Auswirkungen eine möglichst umfassende Testung auf die Prognose der Patienten hat, wird zunehmend häufiger in meist retrospektiven Studien untersucht, beispielsweise an der University of Pennsylvania, wo nun die Daten von 335 Patienten mit metastasiertem NSCLC analysiert wurden, die in den Jahren 2019 und 2020 dort neu diagnostiziert worden waren.

Die Autoren um Charu Aggarwal unterteilten ihre Kohorte anhand von 2 Kriterien: nach dem Umfang der Testung sowie danach, ob nur in Tumorgewebe oder in Tumor und Plasma zugleich – also zusätzlich in einer „Liquid Biopsy“ – getestet worden waren. Der Testumfang wurde als „umfassend“ klassifiziert, wenn eine Liste von 7 Genen vollständig (EGFR, ALK, BRAF, ROS1, MET, RET und NTRK), und als „unvollständig“, wenn lediglich 2 bis 6 der Gene getestet worden waren; eine 3., sehr kleine Gruppe bildeten die Patienten, die gar nicht getestet worden waren.

Diese 3 Gruppen umfassten 86,9 %, 11,6 % und 1,5 % der 335 Patienten. Bei 1/3 der Patienten war nur in Tumorgewebe, bei den restlichen 2/3 außerdem auch im Plasma nach den genetischen Alterationen gesucht worden, immer aber mit Techniken des Next Generation Sequencing (NGS).

Interessanterweise waren in der letzteren Gruppe (Tumor und Plasma) fast alle Patienten (99,5 %) „umfassend“, also auf alle 7 Gene getestet worden, bei Tumorgewebe allein war dieser Anteil mit 64,8 % deutlich und signifikant niedriger (p < 0,0001). Auch hatte in der 1. Gruppe bei allen Patienten das Ergebnis pünktlich vor Beginn der Erstlinientherapie vorgelegen, in der 2. nur bei 60,7 % (p < 0,0001).

Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 20,5 Monaten, die mediane Gesamtüberlebensdauer für alle Patienten bei 18,6 Monaten. Die gleichzeitige Testung in Plasma und Tumor war der alleinigen Gewebeuntersuchung mit einer medianen Überlebenszeit von 23,2 versus 14,1 Monaten numerisch überlegen; der Unterschied war allerdings nicht signifikant (p = 0,078).

Sehr wohl signifikant länger war aber die Überlebensdauer, wenn „umfassend“, also auf alle 7 Gene in der Liste, getestet worden war: Im Vergleich zu „unvollständiger“ oder gar keiner Testung überlebten diese Patienten doppelt so lang (median 22,1 vs. 11,6 Monate; p = 0,017) – unabhängig davon, ob nur im Gewebe oder zusätzlich im Plasma getestet worden war.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer möglichst umfangreichen Testung auf mögliche Treibermutationen beim metastasierten NSCLC, so Aggarwal: Die Testung in Plasma und Gewebe zugleich gewährleistet eher eine „umfassende“ Testung auf alle relevanten Alterationen und die rechtzeitige Verfügbarkeit der Ergebnisse vor Beginn der Erstlinientherapie, und eine „umfassende“ Genotypisierung wirkt sich wiederum deutlich positiv auf die Überlebenschancen der Patienten aus.

Die Zahl an Biomarkern, die zu testen sind, wird sich in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch erhöhen, sodass die Anwendung von Techniken, mit denen sich zahlreiche Alterationen gleichzeitig testen lassen, immer wichtiger werden wird. Die Studie von Aggarwal et al. zeigt, dass sich dieser Aufwand für die Patienten lohnt. © jfg/aerzteblatt.de

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