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Pneumokokken: Polysaccharid­impfstoff könnte ältere Frauen besser schützen als Männer

Montag, 19. März 2018

Pneumonie, junge Ärztin untersucht die Lunge einer älteren Frau /Ocskay Mark, stock.adobe.com
/Ocskay Mark, stock.adobe.com

Dresden – Wie gut der Polysaccharidimpfstoff gegen Pneumokokken (PPV23) vor einer Lungenentzündung schützt, hängt nicht nur vom Alter ab. Auch das Geschlecht scheint eine Rolle zu spielen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kohortenstudie, die Daten von mehr als 700.000 AOK-Plus-Versicherten ab 60 Jahren ausgewertet hat. Die Ergebnisse wurden beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Dresden vorgestellt und im Clinical Microbiology and Infection publiziert (2017; doi: 10.1016/j.cmi.2017.08.010).

Bei den 213.431 geimpften Personen lag die 2-Jahres-Inzidenz aller Pneumonien bei 3,51 % gegenüber 3,63 % in der ungeimpften Kontrollgruppe nach Korrektur für Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und erfolgte Grippeschutzimpfung. Wie gut PPV23 wirkte, haben die Forscher vom Universitätsklinikum Dresden anhand der Häufigkeit von Lungenentzündung und der Sterblichkeit nach Lungenentzündung gemessen.

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Dabei stellte sich heraus, dass Frauen gegenüber Männern im Vorteil waren. Bei 131.401 PPV-geimpften Frauen traten innerhalb von 2 Jahren 3.901 neue Pneumonien auf, was einer 2-Jahres-Inzidenz von 2,97 % entspricht – ungeimpfte Frauen: 3,13 % (p = 0,02). Bei geimpften Männer lag diese gleich auf mit den ungeimpften Männern bei 4,39 % bzw. 4,41 %. Auch bei der Sterblichkeit nach Pneumonie profitierten Frauen mehr als Männer von der Impfung, zumindest im Alter zwischen 60 und 79 Jahren (Frauen: 6,62 % versus 9,66 %, p = 0,003; Männer: kein signifikanter Unterschied).

Die 30-Tage-Letalität bei 7.501 geimpften Personen mit Lungenentzündung betrug 17,36 % gegenüber 18,96 % in der ungeimpften Kontrollgruppe (p = 0.01). Eine signifikante Reduktion der Sterblichkeit erzielten Ärzte mit der PPV-Impfung aber nur bei Erwachsenen zwischen 60 bis 79 Jahren (p = 0,002 für die Wirksamkeit), nicht mehr bei ≥ 80-Jährigen.  

Mit dem 60. Lebensjahr impfen

Die Forscher um Martin Kolditz kommentieren die Ergebnisse wie folgt: „Die Impf­empfehlung zur Pneumokokken-Standardimpfung ab dem 60. Lebensjahr wird durch unsere Daten unterstützt. Ähnliche Ergebnisse mit nachlassender Impfeffektivität bei über 80-Jährigen nach PPV wurden auch in anderen Studien bereits beschrieben und sollten Anlass geben, bereits mit dem 60. Lebensjahr mit der Pneumokokkenimpfung zu beginnen. Die geschlechtsspezifischen Impfeffekte könnten mit einer verbesserten Immunantwort nach Impfung bei Frauen zusammenhängen.“ Hierzu seien aber noch weitere Untersuchungen notwendig, betont Kolditz.

Nachdem die Ständige Impfkommission (STIKO) 2016 ihre Empfehlungen zur Pneumokokken-Impfung aktualisiert hat, wurde dessen Effektivität immer wieder kritisch diskutiert:

Pneumokokken-Impfung: Plädoyer für STIKO-Empfehlungen

Einblick in die Entscheidungswege der STIKO für die Pneumokokken-Impfung von Senioren und Risikogruppen sowie Erwiderung der daran geäußerten Kritik. Die Autoren nehmen zum einen Stellung zu der im vorherigen Artikel geäußerten Kritik an den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Pneumokokken-Impfung Erwachsener. Zum anderen beleuchten sie die Validität der Impfempfehlung

Um die Morbidität invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) und Pneumokokken-Pneumonien (PP) zu verhindern, stehen 2 Imfpstoffe zur Verfügung: Der Poly­saccharidimpfstoff (PPV 23, Pneumovax 23®) enthält 23 Serotypen, der Konjugat­impfstoff (PCV13) deckt 13 Serotypen ab.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, dass reifgeborene Säuglinge 3 Impfdosen PCV 13 erhalten sollen im Alter von 2, 4 und 11 bis 14 Monaten. Für ältere Menschen ab 60 Jahren, die keiner von der STIKO definierten Risikogruppe angehören, wird PPSV23 empfohlen. Eine sequenzielle Kombination beider Impfstoffe empfiehlt die STIKO für Menschen mit einer Immundefizienz oder -suppression, wozu auch jene mit einer Leber- oder Niereninsuffizienz gehören, sowie für Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Pneumokokken-Meningitis. Indikationsimpfung sollen Personen ≥ 16 Jahre mit chronischen Erkrankungen ohne Immundefizienz mit PSV23 erhalten. © gie/aerzteblatt.de

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