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Nintedanib verlangsamt Progression bei allen Formen der Lungenfibrose

Dienstag, 1. Oktober 2019

peterschreiber.media - stock.adobe.com

Denver – Der Kinase-Inhibitor Nintedanib, der seit 2015 zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) zugelassen ist, kann auch bei anderen Lungenerkrankungen, die mit einer zunehmenden Vernarbung der Lungen einhergehen, den Verlust der Lungenfunktion verlangsamen. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie, die auf dem Jahreskongress der European Respiratory Society in Madrid vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2019; DOI: 10.1056/NEJMoa1908681) publiziert wurden.

Die IPF ist zwar mit einem Anteil von etwa 20 % die häufigste Lungenerkrankung, die mit einem zunehmenden bindegewebigen Umbau des interstitiellen Organgerüsts einhergeht. Es gibt jedoch noch eine Vielzahl anderer Formen oder Ursachen, zu denen unter anderen die Asbestose, Autoimmunerkrankungen oder eine Hypersensitivitätspneumonitis gehören. Gemeinsamer Nenner ist eine in der hochauflösenden Computertomografie (CT) sichtbare zunehmende Opazität und der allmähliche Rückgang der Lungenfunktion.

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Der Hersteller hat in der INBUILD-Studie prüfen lassen, ob Nintedanib grundsätzlich bei allen Formen der Lungenfibrose wirksam ist. Dies konnte vermutet werden, weil der oral verfügbare Kinase-Inhibitor den Fibroblasten-Wachstumsfaktor (FGF) hemmt und damit allgemein die Vermehrung der Zellen stoppt, die für die zunehmende Vernarbung der Lunge unabhängig von der Ursache verantwortlich sind.

An der Studie nahmen an 153 Zentren in 15 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 633 Patienten teil. Bei allen war es in den vorangegangenen 24 Monaten trotz Behandlung zu einem Fortschreiten der interstitiellen Lungenerkrankung gekommen. Die forcierte Vitalkapazität (FVC) betrug jedoch noch mindestens 45 % des erwarteten Werts. Die Diffusionskapazität der Lunge für Kohlenmonoxid war auf einen Bereich von 30 bis weniger als 80 % des erwarteten Werts abgefallen.

Die 633 Patienten wurden über 52 Wochen entweder mit Nintedanib in der Dosis von zweimal täglich 150 mg oder mit einem Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war der Abfall der FVC. Dabei wurden zwei Gruppen von Patienten unterschieden. Bei einer Gruppe wurde im CT eine gewöhnliche interstitielle Pneumonie („Usual Interstitial Pneumonia, UIP) beobachtet mit einer fleckenförmigen Fibrose und einer honigwabenartigen Struktur der Lungen. In der zweiten Gruppe lagen andere CT-Veränderungen vor.

Wie ein Team um Kevin Brown vom National Jewish Health in Denver/Colorado berichtet, kam es unter der Behandlung mit Nintedanib zu einer langsameren Verschlechterung der Lungenfunktion als in der Placebo-Gruppe. In der Gesamtgruppe verloren die mit Nintedanib behandelten Patienten 80,8 ml FVC pro Jahr. Bei den mit Placebo behandelten Patienten kam es zu einem Rückgang der FVC um 187,8 ml. Der Unterschied von 107,0 ml pro Jahr war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 65,4 bis 148,5 ml hoch signifikant.

Bei den Patienten mit einem UIP-Muster im CT wurde der FVC-Verlust unter der Nintedanib-Behandlung auf 82,9 ml pro Jahr begrenzt. Hier kam es in der Placebo-Gruppe jedoch zu einem größeren FVC-Verlust von 211,1 ml pro Jahr, so dass die Differenz mit 128,2 ml (70,8 bis 185,6) etwas größer ausfiel.

Die Verträglichkeit von Nintedanib ist nicht ganz unproblematisch. Die häufigste Nebenwirkung waren Durchfälle, über die 222 Patienten (66,9 %) klagten gegenüber 79 Patienten (23,9 %) in der Kontrollgruppe. Weitere Nebenwirkungen waren Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitverlust und eine Gewichtsabnahme. Bei 33,1 % der Patienten (gegenüber 4,2 % in der Placebo-Gruppe) musste die Dosis vermindert werden, und 19,6 % (versus 10,3 %) brachen die Behandlung ab. Bei 43 mit Nintedanib behandelten Patienten (13,0 % versus 1,8 %) kam es zu einem Anstieg der Alaninaminotransferase, der Aspartataminotransferase oder beider Leberwerte.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die verschiedenen Formen der Lungenfibrose trotz unterschiedlicher Ursachen die gleiche Pathogenese haben. Im Zentrum steht die Vermehrung der Fibrozyten, die sich durch eine Behandlung mit Nintedanib deutlich abbremsen lässt. © rme/aerzteblatt.de

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