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COVID-19: Inhalatives Interferon beta erzielt in erster Studie gute Wirkung

Dienstag, 21. Juli 2020

/Andrey Popov, stockadobecom

Southampton – Eine inhalative Behandlung mit Interferon beta hat in einer randomisier­ten kontrollierten Studie die Erholung von Patienten mit COVID-19 beschleunigt, wie der Hersteller mitteilt. Eine Publikation der Ergebnisse steht noch aus.

Interferon beta gehört zu den antiviralen Proteinen, die im Fall einer Infektion von den Epithelzellen gebildet werden. Es handelt sich um eine Erstabwehr des Immunsystems. Sie bleibt häufig wirkungslos, weil viele Viren in der Lage sind, nach dem Eintreten in die Zellen die Interferon-Produktion zu stoppen. Hinzu kommt, dass die Fähigkeit zur Interfe­ron-Produktion mit dem Alter nachlässt.

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Interferon beta gehört zu den häufiger eingesetzten Wirkstoffen bei COVID-19 – bisher allerdings ohne nachgewiesene Wirkung. Die britische Firma Synairgen, ein Spin-off der Universität Southampton, hat eine inhalative Formulierung von Interferon beta (SNG001) entwickelt, deren Wirksamkeit bei COVID-19 in den letzten Wochen in einer Phase-2-Stu­die in 9 britischen Zentren mit Placebo verglichen wurde. An der Studie nehmen 220 Pa­tienten teil. Darunter sind 100 hospitalisierte und 120 ambulante Patienten.

Die jetzigen Ergebnisse beruhen auf den Daten von 101 Patienten, die über 14 Tage ein­mal täglich einen Vernebler anwendeten, der entweder Interferon beta oder ein Placebo abgab. Wie der Hersteller mitteilt, hat die inhalative Gabe von Interferon die Wahrschein­lichkeit, dass es zu einer Verschlechterung kam (Notwendigkeit einer Beatmung oder Tod), um 79 Prozent gesenkt. Die Odds Ratio von 0,21 war signifikant, allerdings mit ei­nem weiten 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,04 bis 0,97.

Patienten, die SNG001 erhielten, erholten sich im Verlauf des Behandlungszeitraums mehr als doppelt so häufig, wobei Erholung definiert war als „keine Einschränkung der Aktivi­täten“ oder „kein klinischer oder virologischer Hinweis auf eine Infektion“. Die Ha­zard Ratio betrug hier 2,19 (1,03 bis 4,69). Ein wesentlicher Vorteil soll dabei eine Linde­rung der Atemnot gewesen sein.

In der Placebogruppe starben laut der Pressemitteilung des Herstellers 3 Patienten (6 Prozent). In der Gruppe, die mit SNG001 behandelt wurden, soll es keinen Todesfall ge­geben haben.

SNG001 erwies sich laut Angaben des Herstellers auch bei Patienten mit schwerer Er­kran­kung zum Zeitpunkt der Aufnahme (Notwendigkeit einer Sauerstoffgabe) als wirksam. Die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf der Behandlung aus der Klinik entlassen zu werden, war um 72 Prozent erhöht (Hazard Ratio 1,72; 0,91 bis 3,25).

Die mediane Zeit bis zur Entlassung betrug bei den schwer erkrankten Patienten in der SNG001-Gruppe 6 Tage gegenüber 9 Tagen in der Placebo-Gruppe. Die Chance auf eine Erholung wurde durch die inhalative Interferon beta-Behandlung ebenfalls erhöht.

Am Ende der Behandlungsphase verfehlte die Hazard Ratio von 2,60 mit einem 95-Pro­zent-Konfidenzintervall von 0,95 bis 7,07 noch das Signifikanzniveau. Nach 28 Tagen war die Odds Ratio von 3,86 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,27 bis 11,75 je­doch signifikant.

Eine Wirksamkeit bestand laut dem Hersteller unabhängig von der Dauer der Erkrankung vor Behandlungsbeginn, so dass das Medikament in allen Phasen der Erkrankung einge­setzt werden könnte. Da Interferon beta (zur Injektion) seit längerem zugelassen ist und Risiken und Nebenwirkungen bekannt sind, kann der Hersteller auf eine rasche Zulassung hoffen. Die Ergebnisse der Studie wurden allerdings noch nicht extern geprüft und eine Publikation steht noch aus. © rme/aerzteblatt.de

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