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Ärzteschaft

Mehrfachbelastung von Corona- und akuten Atemwegsinfektionen im Herbst

Montag, 31. August 2020

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Berlin – Fast 70 Prozent der jährlich rund 32 Millionen akuten Atemwegsinfektionen ent­stehen in der Herbst- und Winterzeit. Auf die Haus- und Facharztpraxen kommt deshalb in den kommenden Monaten eine Mehrfachbelastung von Corona- und akuten Atem­wegs­infektionen inklusive Grippeerkrankungen zu, glaub das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Die Wissenschaftler des Instituts haben die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2017 bis 2019 ausgewertet und untersucht, wie sich die jährlich rund 32 Millionen ambulant versorgten Atemwegsinfekte im Jahresverlauf verteilen. Sie haben dabei neben der Influenza auch die akute Bronchitis sowie unspezifische akute Infektionen der oberen Atemwege einbezogen.

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Die Auswertung zeigt, dass bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mehr als zwei von drei Infekten im Winter diagnostiziert werden – besonders häufig im ersten Quartal des Jahres, also zwischen Januar und März. Hier treten 38 Prozent der Infekte bei Kindern und Jugendlichen und mehr als 43 Prozent der Infekte bei Erwachsenen auf. Bei den ab 65-Jährigen sind es 44 Prozent. Die bis 17-Jährigen haben einen Anteil von 35 Prozent an allen spezifischen Infekten, die 18- bis 64-Jährigen 57 Prozent und die Senioren ab 65 Jahren acht Prozent.

„Die ambulante Versorgung muss sich dieses Jahr auf eine Erkältungssaison unter ver­schärften Pandemiebedingungen einstellen. Es ist darum zwingend erforderlich, dass die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) auch im Wartezimmer konsequent umge­setzt werden“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.

Auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hatte vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass in diesem Herbst ein Zusammentreffen der Coronapandemie mit der jährlichen Grippewelle das Gesundheitssystem erheblich belasten könnte.

„Wir müssen bereits jetzt mit umfangreichen Vorbereitungen für die Gesundheits­versor­gung beginnen, um im Herbst für ein gewappnet zu sein“, forderte der ÄKWL-Präsident Hans-Albert Gehle. Dazu gehört laut Kammer unter anderem eine adäquate Teststrategie auf SARS-CoV-2, die Bevorratung mit ausreichend Schutzmaterial und eine Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD).

Ähnlich äußerte sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Wir müssen in diesem Jahr die Erkältungssaison unter verschärften Pandemiebedingungen managen“, sagte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Das könne aber nicht gelingen, wenn das Ro­bert-Koch-Institut die Ärzte zwinge, „von jedem Kind mit Husten ohne weitere Symptome einen Abstrich zu nehmen“.

Aus Sicht des BVKJ wäre es sinnvoll, Kinder mit leichten Erkältungssymptomen sympto­ma­tisch zu behandeln. Nur in Fällen, in denen der begründete Verdacht bestehe, dass das Kind an COVID-19 erkrankt sei, sei ein entsprechender Test sinnvoll. Dieses Vorgehen stelle eine praktikable Lösung „für den großen Ansturm“ dar. © hil/aerzteblatt.de

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