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Ärzteschaft

Neue Empfehlungen zur COVID-19-Risikoab­schätzung bei chronischen Erkrankungen

Freitag, 27. November 2020

/picture alliance, Robert Michael

Berlin – Neue Empfehlungen zur Abschätzung des Risikos von COVID-19-Erkrankungen bei unterschiedlichen chronischen Erkrankungen, insbesondere der Atmungsorgane, ge­ben die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP) in einer aktu­alisierten Stellungnahme.

Die gestern veröffentlichte Stellungnahme fasst den bisherigen Wissenstand zusammen, wie Vorerkrankungen das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf beeinflussen und welche Schutzmaßnahmen notwendig sind.

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Aktuell geht man davon aus, dass eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus nur bei einer Minderheit von weniger als fünf Prozent der Infizierten einen schweren Verlauf nimmt. Aber bereits im Frühjahr zeichnete sich ab, dass Senioren, Männer, Menschen mit Diabe­tes und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders betroffen sind.

Auch Patienten mit bestimmten Lungenerkrankungen wie COPD, Lungenfibrose, Lungen­krebs und Lungentransplantierte sind nach derzeitigem Kenntnisstand stärker gefährdet.

„Das trifft jedoch längst nicht für alle Krankheiten aus unserem Fachgebiet zu“, erklärte Marek Lommatzsch, Hauptautor der aktualisierten Stellungnahme. Für die große Gruppe der Asthma-Patienten etwa könne weitgehend Entwarnung gegeben werden. Asthma – gleich welchen Schweregrades – habe sich in bisherigen Studien nicht als eigenständiger Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf erwiesen.

Teils Anpassung der medikamentösen Therapie ratsam

Allerdings könne eine Anpassung der Medikation ratsam sein: „Es gibt Hinweise darauf, dass hoch dosierte inhalative Steroide, ebenso wie eine systemische Steroidtherapie das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen“, so der Oberarzt an der Abteilung für Pneu­mo­logie des Zentrums für Innere Medizin der Universitätsmedizin Rostock.

Hier biete sich eine Umstellung auf eine Therapie mit Biologika an. Niedrig- oder mittel­hochdosierte inhalative Steroide – und dies betreffe die große Mehrheit aller Patienten mit Asthma – seien dagegen unbedenklich.

Ähnliche Empfehlungen gelten auch für die Therapie von chronischen Erkrankungen wie der Sarkoidose oder bestimmten anderen interstitiellen Lungenerkrankungen. „Auch hier wird die Fortführung der immunsuppressiven oder immunmodulatorischen Therapie mit der niedrigsten noch wirksamen Dosis in jedem Fall empfohlen“, sagte Torsten Bauer, stellvertretender Präsident der DGP und Mitautor des Positionspapieres.

Bei einer Unterbrechung der Therapie sei davon auszugehen, dass der Schaden durch eine Verschlechterung der Grunderkrankung den Nutzen in Bezug auf das COVID-19-Ri­siko überwiege. Lediglich bei nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion könne die Therapie kurzfristig pausiert werden.

Oft ist nicht die Lungenerkrankung selbst das Problem

Die Experten weisen in ihrer Stellungnahme allerdings auch darauf hin, dass für das COVID-19-Risiko die Lungenerkrankung selbst oft nicht die wichtigste Rolle spielt. Selbst das Vorliegen einer COPD, die bereits früh als eigenständiger Risikofaktor genannt wurde, erhöht die Gefahr eines schweren COVID-19-Verlaufs für sich genommen nur mäßig.

„Hier liegen jedoch häufig Begleiterkrankungen und zusätzliche Risikofaktoren vor, deren Effekt nur schwer von dem der Lungenschädigung zu trennen ist“, erklärt DGP-Präsident Michael Pfeifer. Die Patienten seien meist älter, viele wiesen auch Herz-Kreislauf-Risiko­faktoren auf – „allein dadurch ist das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich erhöht“, ergänzt der Regensburger Pneumologe.

Auch bei erhöhtem Risiko nicht zu Hause einschließen

Auch das Stadium der Erkrankung oder der Allgemeinzustand des Patienten – etwa bei Krebspatienten – beeinflusst das individuelle COVID-19-Risiko erheblich. Einen vorbeu­genden Daueraufenthalt zu Hause empfehlen die DGP-Experten jedoch selbst bei erhöh­tem Risikoprofil nicht. „Dieser ist meist nicht erforderlich und angesichts der vielen posi­tiven Aspekte von körperlicher Bewegung auch nicht sinnvoll“, so Pfeifer.

Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlenen Hygiene- und Abstandsregeln seien allerdings für all diese Patienten konsequent einzuhalten. Je nach Risikokonstellation und in Absprache mit dem Arzt können auch FFP-Masken getragen werden. Außerdem raten die Lungenexperten Lungenpatienten unbedingt zu einer Impfung gegen Pneumokokken, die eine Vielzahl der bakteriellen Lungenentzündungen verursachen. © nec/aerzteblatt.de

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