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Tuberkulose: Weniger Erkrankungen, mehr Ausbrüche in Kitas

Mittwoch, 24. März 2021

/hkama, stock.adobe.com

Berlin – Die Coronapandemie hat sich auch auf die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen ausgewirkt. In Deutschland ist es im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang der gemeldeten Fälle gekomm­en. 2020 waren dem Robert-Koch-Institut (RKI) 4.127 Tuberkulose-Erkrankungen gemeldet worden. Das sind 14,2 % weniger als im Jahr zuvor, als es noch 4.812 Fälle waren. Damit hat sich ein Trend fortge­setzt, der seit 2002 nachweisbar ist, nach der Europäischen Flüchtlingskrise 2015/16 jedoch vorüberge­hend unterbrochen wurde.

Damals war es zu einem Anstieg gekommen, weil viele Migranten aus Hochprävalenzländern kamen. Im vergangenen Jahr ist es aufgrund der Reisebeschränkungen zu einem Rückgang der Migration gekomm­en, wobei auch Personen betroffen waren, die zur Arbeit nach Deutschland einreisen.

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Tatsächlich treten die meisten Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland bei Menschen auf, die im Aus­land geboren wurden. Der Anteil lag im Jahr 2019 bei 72 %. Die Personen haben sich häufig als junge Menschen latent infiziert. Im Alter kommt es dann zu einer Reaktivierung mit einer Erkrankung der Lun­ge, die dann zur Diagnose führt. Erst bei einer offenen Lungentuberkulose besteht die Gefahr, dass ande­re Menschen angesteckt werden.

Der Rückgang der Erkrankungen im vergangenen Jahr hat dazu geführt, dass Deutschland gute Voraus­set­z­ungen hat, die Tuberkulose-Eliminationsziele der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zu erreichen. Diese fordern, dass die Inzidenz bis zum Jahr 2035 auf unter 1 Fall pro 100.000 Einwohner sinkt. Derzeit sind es 5 Fälle pro 100.000 Einwohner. Um das WHO-Ziel zu erreichen, müssten die Zahlen auch in den nächsten Jahren um 10 % sinken.

Ob das gelingt, bleibt fraglich. Als 2. Grund für den Rückgag der Infektionszahlen nennt das RKI die im Rahmen der Coronapandemie „besser umgesetzten Empfehlungen zur Infektionsprävention“. Es ist aller­dings auch möglich, dass weniger Fälle erkannt wurden, weil es bei der aktiven Fallfindung zu Verzöge­rungen gekommen ist. Die Daten würden derzeit ausgewertet, heißt es im aktuellen Epidemiologischen Bulletin (11/2021).

Dort werden auch zwei Erfahrungsberichte vorgestellt, die zeigen, dass es auch an ungewöhnlichen Or­ten zu Erkrankungen kommen kann. Im Juni 2019 und im Juni 2020 war jeweils eine Erkrankung bei Be­treuern von Kindertagesstätten aufgetreten. Dies machte jeweils ausgedehnte Kontaktuntersuchungen bei allen Kindern und den Angehörigen der Indexfälle notwendig.

Im 1. Fall war die Lungentuberkulose so frühzeitig erkannt worden, dass keine weiteren Folgeinfektio­nen aufgetreten sind. Im 2. Fall wurden bei 33 von 156 untersuchten Personen, und damit bei jeder 5. engen Kontaktperson, Hinweise auf M. tuberculosis gefunden. Darunter waren auch 10 Kinder.

Bei einem Kind wurde eine aktive Lungentuberkulose diagnostiziert. Eine bereits begonnene prophylak­tische Behandlung wurde unter stationärer pädiatrisch-fachärztlicher Betreuung auf eine Anti-Tuberku­lose­therapie mit Isoniazid (INH), Rifampicin (RMP) und Pyrazinamid umgestellt. Die anderen 9 Kinder erhielten eine chemopräventive Behandlung mit INH und RMP über 4 Monate.

Todesfälle an einer Tuberkulose in Deutschland sind selten, aber möglich. Im Jahr 2019 starben 129 Menschen an einer Tuberkulose. Im Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EWR) gab es nach Recherchen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) 2019 etwa 3.560 Tuberkulose-Todesfälle. Die Zahl der Erkrankungen wird mit 47.504 angegeben (Inzidenz 9,2 auf 100.000 Einwohner).

In der WHO-Region Europa, zu der einige Hochendemie-Länder auf den Gebiet der ehemaligen Sowjet­union gehören, könnten 2019 sogar 20.000 Menschen an einer Tuberkulose gestorben sein.

Weltweit sind nach Schätzungen der WHO 2019 vermutlich 1,2 Millionen Menschen an einer Tuberku­lose gestorben. Hinzu kommen noch einmal 208.000 Todesfälle bei HIV-Infizierten, die die WHO separat zählt. Die Gesamtzahl der Erkrankungen schätzt die WHO auf etwa 10 Millionen Menschen. © rme/aerzteblatt.de

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