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COVID-19-Maßnahmen vermindern alle Atemwegserkrankungen und das Kawasaki-Syndrom bei Kindern

Montag, 7. Juni 2021

/Tom Wang, stock.adobe.com

Seoul – Die nicht-pharmazeutischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2 haben nicht nur zu einem Rückgang von anderen Atemwegserkrankungen neben COVID-19 geführt. Mediziner aus Südkorea berichten in Circulation (2021; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.054785), dass auch das Kawasaki-Syndrom bei kleinen Kindern deutlich seltener geworden ist.

Das Tragen von Masken und die körperliche Distanzierung sowie Schulschließungen haben überall zu einem Rückgang von akuten Atemwegsinfektionen geführt, die meist durch Viren verursacht werden und in den ersten Lebensjahren am häufigsten sind. Nach den Daten des „Global Influenza Hospital Surveillance Network“, die Gabriela Gomez von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in der letzten Woche in Science (2021; 372: 1043-1044) vorgestellt hat, ist in diesem Winter nicht nur die Grippewelle praktisch ausgefallen. Auch Infektionen mit RS-Virus, Rhinoviren, Metapneumovirus, Parainfluenzaviren und den endemischen Coronaviren sind deutlich seltener aufgetreten.

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Auf eine weitere interessante Folge macht ein Team um den Pädiater Jong Gyun Ahn von der Yonsei Universität in Seoul aufmerksam. In Südkorea ist die Zahl der Kleinkinder, die an einem Kawasaki-Syndrom erkrankt sind, stark zurückgegangen, seit die Regierung im Februar eine strikte Maskenpflicht und andere nicht-pharmazeutische Maßnahmen gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2 eingeführt hat.

In den Vorjahren erkrankten in Südkorea, das nach Japan die weltweit zweithöchste Inzidenz am Kawasaki-Syndrom hat, in der Zeit zwischen Februar und September, dem saisonalen Gipfel der Erkrankungen, 31,5 Personen auf 100.000 Einwohner am Kawasaki-Syndrom. Zu 83 % waren es Kinder unter 5 Jahren. Im Jahr 2020 blieb der saisonale Anstieg aus. Die Inzidenz betrug zwischen Februar und September nur 18,8 Erkrankungen auf 100.000 Personen. Das sind 58 % des erwarteten Wertes. Der größte Rückgang entfiel auf die Kinder unter 9 Jahren. Bei älteren und bei Erwachsenen, bei denen das Kawasaki-Syndrom jedoch sehr selten ist, war kein Rückgang erkennbar.

Die Zahlen bestätigen die Vermutung, dass das Kawasaki-Syndrom, dessen Ursache ungeklärt ist, eine Reaktion des Körpers auf eine frühere Atemwegsinfektion ist. Warum die Erkrankung vor allem in Südostasien auftritt, ist unbekannt. Die Erreger der Atemwegserkrankungen sind die gleichen wie im Westen. Experten vermuten deshalb, dass genetische Faktoren die Empfänglichkeit für das Kawasaki-Syndrom erhöhen.

Die Kinder erkranken akut an hohem Fieber, das von einer Konjunktivitis, einem Exanthem, einem Enanthem (Rötungen von Lippen und Mundhöhle mit „Erdbeerzunge“), Schwellungen und Rötungen an Händen und Füßen und einer zervikalen Lymphadenopathie begleitet wird. Den Symptomen liegt eine nekrotisierende Vaskulitis zugrunde, die auch die Koronararterien schädigen kann. Dort kann es zu größeren Aneurysmen und zu einer Störung der kardialen Durchblutung kommen.

Im letzten Jahr wurde eine dem Kawasaki-Syndrom ähnliche Erkrankung bei Kindern entdeckt, die sich zuvor mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, aber in der Regel nicht schwer erkrankten. Das MIS-C („multisystem inflammatory syndrome in children“) tritt eher bei älteren Kindern (5 bis 14 Jahre) auf, die in der Akutphase nicht selten wegen kardialer Störungen auf Intensivstationen behandelt werden müssen, sich aber ebenso wie die meisten Kinder mit Kawasaki-Syndrom später wieder vollständig erholen. © rme/aerzteblatt.de

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