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Ärzteschaft

Respiratorisches Synzytial Virus: Ärzte empfehlen vorgezogenes Handeln

Freitag, 3. September 2021

/Blanscape, stock.adobe.com

Berlin – Ärzte beobachten derzeit eine Zunahme an Aufnahmen in Kinderkliniken durch Atemwegsinfek­tionen wegen des respiratorischen Synzytial Virus (RSV). Sechs medizinische Fachverbände sind alar­miert.

In einer Stellungnahme empfehlen sie ab sofort RSV in die Differenzialdiagnostik bei Kindern mit Atem­wegsinfektionen einzubeziehen und eine entsprechende Virusdiagnostik aus Atemwegsmaterialien (Ra­chenabstrich/ Rachenspülwasser) zu veranlassen.

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Darüber hinaus wird ein um einen Monat vorgezogener Beginn der medikamentösen RSV-Prophylaxe ab Anfang Oktober 2021 für Hochrisikogruppen gemäß den Indikationen der AWMF-Leitlinie angeraten.

Aufgrund der derzeit nicht absehbaren epidemiologischen Entwicklung der RSV-Saison könne eine län­ger als fünf Monate dauernde Prophylaxe mit Palivizumab erforderlich sein, heißt es in einer gemeinsa­men Erklärung der Fachgesellschaften.

Bei rascher, lokaler Zunahme an RSV-Infektionen – wie etwa die Aufnahme mehrerer Kinder mit RSV-Infektion der unteren Atemwege in einer lokalen Kinderklinik – sollte auch vor Oktober 2021 bereits mit einer RSV-Prophylaxe bei Hochrisikopatienten begonnen werden.

Die Fachgesellschaften verweisen in ihrer Stellungnahme auf aktuelle Entwicklungen schon in den Sommermonaten. So sei in mehreren Län­dern – England, Schweiz, USA, Australien – in den vergangenen Wochen ein für die Sommerjahreszeit untypischer Anstieg an Krankenhausaufnahmen von Kindern mit RSV bedingten Atemwegsinfektionen beobachtet worden.

Normalerweise träten RSV-Atemwegsinfektionen vermehrt in den Wintermonaten – in Deutschland zwi­schen November und März – auf. Hierzulande habe es zwar nach Daten des Labornetzwerk der virolo­gi­schen Labore zunächst keinen ungewöhnlicher Anstieg, aber dennoch für die Jahreszeit „untypische häufige Einzelnachweise“ gegeben.

Zusätzlich seien in 16 Kinderkliniken zwischen dem 12. Juli und dem 1. August 2021 insgesamt 50 Kin­der mit RSV-Infek­ti­onen der unteren Atemwege stationär (zwischen 0 und 5 Aufnahmen/Klinik pro Wo­che) aufgenommen worden. Die aktuelle Fallzahlentwicklung sei „deutlich steigend, variiert aber regio­nal signifikant“, hieß es.

Die Stellungnahme erarbeitet haben die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), die Gesellschaft für Neonatologie und Intensivmedizin (GNPI), die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP), die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK), die Gesellschaft für Virologie / Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (GfV/DVV), Unterstützung kommt durch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). © may/EB/aerzteblatt.de

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