Ärzteschaft

Intensivmedizin: Entwöhnung vom Beatmungsgerät oft schwierig

Donnerstag, 2. März 2017

Berlin – Rund 40 Prozent aller Patienten, die künstlich beatmet werden müssen, haben anschließend Schwierigkeiten, ohne das Beatmungsgerät auszukommen. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Sie hat das Kompetenznetzwerk „WeanNet“ gegründet, um die Entwöhnung – das sogenannte Weaning – und damit die Prognose für die Patienten zu verbessern.

Je länger der Patient an das Beatmungsgerät gebunden ist, desto mehr Muskulatur baut er ab und desto schwerer fällt es ihm, wieder selbstständig zu atmen. Die Zahl der Patienten, die längerfristig beatmet werden müssen, ist laut der Fachgesellschaft in Deutschland auf etwa 30.000 Patienten angewachsen. Dies koste das Gesundheits­system zwei bis vier Milliarden Euro pro Jahr.

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„In vielen Kliniken wird das Weaning zu früh aufgegeben, weil die Strukturen und das Personal auf den Intensivstationen dafür fehlen“, kritisiert der Chefarzt der Klinik für Pneumologie, internistische Intensivmedizin, Beatmungsmedizin und allgemeine Innere Medizin am Krankenhaus vom Roten Kreuz Bad Cannstatt, Martin Hetzel. Er betont, die Anstrengung lohne sich aber, weil sie nachweislich die Lebenserwartung und -qualität verbessere.

Um die Intensivstation zu entlasten, spezialisierten sich mittlerweile soge­nann­te Weaningzentren darauf, Beatmungspatienten bei der Entwöhnung zu unter­stützen. Neben den Atemübungen gehört dazu auch Physiotherapie oder Logopädie, denn viele Patienten müssten auch das Schlucken wieder lernen. Die professionelle Entwöhnung sei zeit- und personalintensiv, sei aber insgesamt finanziell günstiger als die dauerhafte außerklinische Beatmung in einem Intensivpflegeheim.

Laut der DGP können über 50 Prozent der langzeitbeatmeten Patienten erfolgreich vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Nur zum Schlafen benötigten sie eventuell noch eine Atemmaske. © hil/aerzteblatt.de

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