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Medizin

USA: Mukoviszi­dose-Patienten sterben 10 Jahre früher

Dienstag, 14. März 2017

Toronto – Menschen mit Mukoviszidose sterben in den USA zehn Jahre früher als im Nachbarland Kanada. Das ergab eine Auswertung der Patientenregister aus den beiden Ländern in den Annals of Internal Medicine (2017; doi: 10.7326/M16-0858).

Patienten mit Mukoviszidose benötigen eine lebenslange intensive ärztliche Betreuung. Sie beinhaltet nicht nur die Prophylaxe und Behandlung der häufigen Atemwegsinfekte, die auf Dauer die Lungen zerstören. Auch andere Aspekte der Lebensführung, etwa die Ernährung, haben Auswirkungen auf den Verlauf der Erkrankung, und am Ende hängt das Leben der Patienten häufig davon ab, ob rechtzeitig ein Lungentransplantat für sie zur Verfügung steht.

Die US-amerikanische Cystic Fibrosis Foundation hat schon seit langem allen Anlass, neidisch auf die nördlichen Nachbarn zu blicken. In Kanada sind alle Patienten krankenversichert. Kein Patient ist aus wirtschaftlichen Gründen von der Versorgung ausgeschlossen, und die Zuteilungsregeln zur Lungentransplantation sind günstiger als in den USA.

Kanada war zudem Vorreiter bei Ernährungsempfehlungen. Seit den 1970er Jahren wird den Patienten dort zu einer fettreichen Nahrung geraten. Sie verhindert eine Mangelernährung, zu der es infolge der gestörten Bildung von Verdauungsenzymen im Pankreas kommt. In den USA wurden die Empfehlungen erst in den 1980er Jahren übernommen.

Die Unterschiede wirken sich auf die Lebenserwartung der Patienten in den beiden Ländern aus. Sie beträgt in Kanada 50,9 Jahre, in den USA jedoch nur 40,6 Jahre, eine Differenz von immerhin zehn Jahren. Diese Zahlen hat Anne Stephenson vom St. Michael’s Hospital in Toronto durch den Vergleich der Patientenregister der beiden Länder ermittelt. Das US-Register umfasst für den Zeitraum 1990 bis 2013 insgesamt 45.456 Patienten, im kanadischen Register waren es im gleichen Zeitrum 5.941 Patienten. Auch in den USA ist die Lebenserwartung seit 1990 angestiegen, sie war aber zu allen Zeiten in Kanada signifikant höher.

Stephenson ermittelt ein um 34 Prozent niedrigeres Sterberisiko in Kanada (Hazard Ratio 0,66; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,54 bis 0,81). In Kanada erhielten 10,3 Prozent der Patienten ein Lungentransplantat, in den USA waren es nur 6,5 Prozent. Einen großen Einfluss auf das Sterberisiko hatte auch der Versicherungsstatus.

Privatversicherte haben in den USA die gleiche Lebenserwartung wie in Kanada. Das Sterberisiko der Kanadier war jedoch um 44 Prozent niedriger als das von US-Amerikanern, die vollständig auf staatliche Hilfen über Medicaid oder Medicare angewiesen waren (36 Prozent, wenn die Patienten nur vorübergehend auf Medicaid oder Medicare angewiesen waren). Gegenüber US-Amerikanern, die vollständig ohne Versicherungsschutz waren, war das Sterberisiko der kanadischen Patienten sogar um 77 Prozent niedriger. © rme/aerzteblatt.de

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