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Medizin

Prognosis: Erste Ergebnisse aus dem deutschen Bronchiektasen-­Register

Mittwoch, 19. April 2017

Am häufigsten beginnen Bronchiektasen mit einer Einengung des Bronchialbaums durch eine Infektion, die bei einer Chronifizierung zu einer Zerstörung des Epithels führen kann.  /Juan Gaertner stock.adobe.com

Hannover – Das deutsche Bronchiektasen-Register PROGNOSIS sammelt seit Juni 2015 Daten von Patienten mit Bronchiektasen, bei denen eine ursächliche zystische Fibrose (CF) ausgeschlossen wurde. Denn für Non-CF-Bronchiektasen liegen kaum evidenzbasierte Empfehlungen vor. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie wurden erste Ergebnisse aus dem Register von mehr als 500 validierten Fällen vorgestellt.

Bei den beobachteten Patienten haben sich die Bronchien ausgeweitet und sind parallel von einem bakteriellen Infekt der Bronchialwand betroffen. Die Folge ist ein chronischer Husten mit Auswurf. Behandelt wird je nach Auspräg­ung operativ oder konservativ mit Medikamenten und physikali­schen Maßn­ahmen.

Eckdaten der Studienteilnehmer (n = 525)

  • mittleres Alter 61 (49–72) Jahre
  • 60 Prozent Frauen
  • 54 Prozent Nieraucher
  • mediane jährliche Exazerbationsrate: 1 (0–3)
  • mediane Hospitalisationsrate: 0 (0–1)
  • häufigstes relevantes Pathogen wenn klinisch stabil: Pseudomonas aeruginosa

Im ersten Jahr konnten die Forscher der Prognosis Study Group um Felix C. Rings­hausen und Jessica Rademacher von der Medizinische Hochschule Han­no­ver sowie Andrés de Roux von der Pneumologischen Praxis am Schloss Charlottenburg, Berlin 780 Patienten an 36 Zentren rekrutieren. Etwa ein Drittel der ausgewerteten Patientendaten ist auf Universitätskliniken (UK) zurück­zu­führen. Etwa ein Fünftel (98) der Patien­ten inhalierte mit einem Antibiotikum, dabei sind die häufigsten Präparate Colistin, Gen­tamicin und Tobramycin.

Wie häufig andere Bronchiektasentherapien zum Einsatz kommen, wurde im Kon­gress-Abstract für eine Teilgruppe, die hauptsächlich aus UK-Patienten bestand, bereits ausgewertet. In dieser Gruppe erhielten etwa 90 Prozent der Patienten eine regel­mäßige Bronchiektasentherapie. Am häufigsten erhielten die Patienten eine Atemtherapie (78 Prozent), gefolgt von 70 Prozent, die ein kurz wirksames Anticholinergikum (SAMA) oder einen kurz wirksamen Beta-2-Agonisten einnahmen. Ergebnisse für die große Studien­gruppe sollen noch in diesem Jahr publiziert werden.

Allen Patienten mit Bronchiektasen wird eine jährliche Grippeschutzimpfung und ein Impfschutz gegen Pneumokokken empfohlen. „Die im Register gesammelten Daten zeigen deutlich, dass die Impfraten zu niedrig waren“, erläutert Rademacher. Nur 54 Prozent der Patienten ließen sich gegen Grippe impfen, 34 Prozent mit Pneumovax 23 und 26 Prozent mit Prevenar 13 gegen Pneumokokken. Weniger als die Hälfte der Patienten hatte jemals eine pneumologische Rehabilitation.

„Das Interesse vor allem der niedergelassenen Kollegen ist sehr groß, was den ‚medical need‘ des Registers deutlich zeigt“, sagt Rademacher dem Deutschen Ärzteblatt. Bis­lang gibt es keine zugelassene Therapie für diese Erkrankung. Bei der ersten Auswer­tung stellte sich zudem heraus, dass einzelne Parameter stark von der Versorgungs­stufe abhängig waren. „Ob ein Patient an einer Universitätsklinik, Fachklinik oder in einer Praxis behandelt wurde, war entscheidend in Bezug auf Ätiologie, Mikrobiologie, Thera­pie“, ergänzt Rademacher. Die Exazerbationsrate war mit 1 im Durchschnitt niedriger als erwartet, teilt Rademacher mit.

Ziel des Patientenregisters ist es, deutsch­landweit repräsentative, prospektive Daten zu Bronchiektasen zu erhalten. Die Daten­bank soll innerhalb von drei Jahren über 1.000 erwachsene Patienten von mehr als 35 Zentren sektorenübergreifend, also von pneumologischen Praxen bis hin zu Universitätskliniken, rekrutieren. Zu allen Patienten sind drei Follow-up-Untersu­chun­gen geplant, die auch nicht universi­täre Zentren auswerten.

© gie/aerzteblatt.de
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