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Politik

Lungenemphysem: Keine Vergleichsdaten von chirurgischen mit bronchoskopischen Verfahren

Montag, 10. April 2017

/Photographee.eu, stock.adobe.com

Köln – Es bleibt weiterhin unklar, ob Patienten mit Lungenemphysem eher von chirurgi­schen oder bronchoskopischen Verfahren gegen die Überblähung ihres Lungengewe­bes profitieren. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Abschlussbericht zum Thema.

Ein Lungenemphysem ist eine fortschreitende Erkrankung, die behandelbar, aber nicht heilbar ist. Lungengewebe ist bekanntlich dauerhaft erweitert oder zerstört, was zu einer Überblähung der Lunge führt. Die Betroffenen leiden vor allem unter Atemnot, in schwe­ren Fällen auch in Ruhe. Ursache ist meist jahrelanges Rauchen. Im fortgeschrit­tenen Sta­dium sind die Patienten infolge der Atemnot körperlich wenig belastbar, ihre Lebens­qua­lität ist deutlich verringert und ihre Lebenserwartung vermindert.

Ärzte setzen Arzneimittel wie Bronchodilatatoren und Glukokortikoide ein. Aber auch nicht medikamentöse Therapieansätze wie körperliches Training oder Atemphysio­the­ra­pie kommen zum Einsatz. Es besteht außerdem die Möglichkeit, das veränderte Lungen­gewebe zu entfernen und das Lungenvolumen zu reduzieren. Dies kann durch einen chi­rurgischen Eingriff oder durch ein bronchoskopisches Verfahren geschehen. Auf diese Weise sollen die weniger betroffenen Lungenteile mehr Raum erhalten und die Atem­mus­ku­latur entlastet werden, was die Lungenfunktion verbessern und die Atemnot lin­dern soll.

Gute Studienlage

Die chirurgische Verfahren sind seit den 1990er-Jahren im Einsatz. Die Studienlage dazu ist laut IQWiG gut: Die Wissenschaftler des Instituts identifizierten elf Studien zum The­ma, darunter eine randomisierte kontrollierte Studie mit 1.218 Teilnehmern, die die chi­rur­gische Therapie ergänzend zur konservativen Therapie mit einer konservativen The­ra­pie allein verglich und bei der die Nachbeobachtungszeit bis zu sechseinhalb Jahre betrug.

„Betrachtet man die Daten fünf Jahre nach dem Eingriff, zeigt sich ein Hinweis auf einen Nutzen der chirurgischen Lungenvolumenreduktion. Im ersten Jahr nach der OP ist die Sterblichkeit dagegen deutlich höher als bei den konventionell behan­delten Teil­nehmern. Hier lässt sich ein Beleg für einen Schaden der chirurgischen Lungen­volumen­reduktion ableiten“, so die Kölner Wissenschaftler.

Bei den bronchoskopischen Verfahren konnte das IQWiG 15 Studien in den Abschluss­bericht einbeziehen. Allerdings lieferten sie nur Ergebnisse zu relativ kurzen Zeiträumen von drei Monaten bis zu einem Jahr. Für keine der Verfahren zur bron­cho­skopischen Therapie zeigten die Studien einen Unterschied bei der Sterblichkeit im Ver­gleich zur alleinigen Standardtherapie. Allerdings konnten insbesondere broncho­skopi­sche Verfahren, bei denen Spiralen oder Ventile eingesetzt wurden, die körperliche Be­lastbarkeit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität erhöhen.

Welches Vorgehen – Chirurgie versus Bronchoskopie – letztlich die besseren Ergeb­nisse zeitigt, lässt sich laut dem IQWiG im Augenblick nicht sagen, weil es keine vergleichen­den Studien gibt. Daten zum Vergleich der beiden Verfahren erwartet das Institut aus laufenden Studien in rund zwei Jahren. © hil/aerzteblatt.de

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