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Medizin

Nahrungs­mittelallergie: Omalizumab unterstützt Desensibilisierung

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Patrik Skovran - SENTELLO Fotografie

Palo Alto – Der monoklonale Antikörper Omalizumab, der zur Behandlung des allergischen Asthmas zugelassen ist, hat in einer randomisierten klinischen Studie in Lancet Gastroenterology & Hepatology (2017; doi: 10.1016/S2468-1253(17)30392-8) die Wirksamkeit einer oralen Immuntherapie unterstützt.

Omalizumab bindet an Immunglobulin E (IgE), das bei allergischen Reaktionen von Plasmazellen freigesetzt wird und sich auf der Zellmembran von Mastzellen befindet. Dadurch werden allergische Reaktionen zuverlässig unterbunden, was Omalizumab zu einem effektiven Mittel beim allergischen Asthma macht.

IgE ist auch an der Pathogenese anderer allergischer Erkrankungen beteiligt, so auch an Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Betroffenen müssen bisher komplett auf den Verzehr der auslösenden Nahrungsmittel verzichten, da jede Exposition zu anaphylaktischen Reaktionen führen kann. Eine relativ neue Therapie bei Nahrungs­mittelallergien ist die orale Immuntherapie, die ursprünglich für die Behandlung des Heuschnupfens entwickelt und auch als Desensibilisierung bezeichnet wurde. 

Bei der oralen Immuntherapie wird das Immunsystem mit einer langsam gesteigerten Menge des Allergens konfrontiert. Das Ziel ist eine Toleranzentwicklung, die später eine gefahrlose Exposition ermöglichen soll. Allergologen der Stanford University School of Medicine haben jetzt untersucht, ob die Effektivität der oralen Immun­therapie durch eine gleichzeitige Behandlung mit Omalizumab verbessert werden könnte.

An der Studie nahmen 48 Kinder im Alter von 4 bis 15 Jahren teil, bei denen eine Allergie gegen mehrere Nahrungsmittel einschließlich Milch, Ei, Weizen, Soja, Sesam, Erdnuss oder Baumnüsse (Mandeln, Cashew, Haselnuss, Walnuss) vorlag.

Die Patienten erhielten über 16 Wochen subkutane Injektionen, bei 36 Patienten mit dem Wirkstoff Omalizumab und bei 12 Patienten ohne Omalizumab. Ab der achten Woche wurde in beiden Gruppen mit der oralen Immuntherapie begonnen. Sie wurde auch nach dem Ende der medikamentösen Therapie über 20 Wochen fortgesetzt. Am Ende der Studie nach insgesamt 36 Wochen wurde bei allen Patienten eine doppel­blinde placebokontrollierte orale Nahrungsmittelprovokation durchgeführt. 

Ergebnis: Alle Teilnehmer führten die orale Immuntherapie bis zum Ende durch. In der Omalizumab-Gruppe vertrugen beim Provokationstest 30 von 36 Patienten (83 Prozent) zwei Gramm des Allergens. In der placebogruppe waren es nur vier von zwölf Patienten (33 Prozent). Das Team um Sharon Chinthrajah ermittelt eine Odds Ratio von 10,0, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,8 bis 58,3 statistisch signifikant war.

Häufig wurde eine Toleranz gegen mehrere Nahrungsmittel erzielt. So bestanden in der Omalizumab-Gruppe 21 von 26 Kinder (81 Prozent), die gegen drei oder mehr Nahrungsmittel allergisch waren, den Provokationsteste gegen mindestens drei Nahrungsmittel verglichen mit zwei von sieben Kindern (29 Prozent) in der Placebogruppe. Von den 17 Kindern, die gegen vier Nahrungsmittel allergisch waren, bestanden am Ende 13 (76 Prozent) den Provokationstest gegenüber keinem der fünf Kinder aus der Placebogruppe.

Omalizumab beschleunigte die Entwicklung einer Toleranz. Schon in der ersten Woche vertrugen die Kinder im Durchschnitt 250 mg gegenüber 11 mg in der Placebogruppe. Das Ziel einer Toleranz von 2 Gramm erreichten sie bereits nach 12 Wochen verglichen mit 20 Wochen in der Placebogruppe.

Omalizumab scheint auch die Entwicklung einer Kreuztoleranz zu fördern. So vertrugen 20 von 24 Kinder (83 Prozent), die wegen einer Cashew-Allergie behandelt wurden, später Pistazien. Alle 17 Kinder, die wegen einer Walnussallergie behandelt wurden, passierten am Ende einen Provokationstest gegen Pekannuss.

Bei keinem Teilnehmer kam es zu schweren anaphylaktischen Reaktionen. Nur ein Patient der Placebogruppe berichtete über respiratorische Probleme. Die häufigsten Nebenwirkungen waren gastrointestinale Ereignisse.

© rme/aerzteblatt.de

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