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Neue S2k-Leitlinie COPD: Stellenwert nichtmedikamentöser Therapien steigt

Mittwoch, 21. März 2018

Frau macht einen Lungenfunktionstext - Spirometrie /dpa
Während die internationale GOLD-Guideline bei der Diagnose ausschließlich auf die Spirometrie und das Exazerbationsrisiko fokussiert, empfehlen die neuen deutschen Leitlinien, die Bodyplethysmographie und die Diffusionskapazität zu berücksichtigen. /dpa

Dresden – Seit Ende Januar 2018 liegt eine aktualisierte Leitlinie zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) vor. Sie unterscheidet sich in einigen Empfehlungen von der internationalen GOLD-Guideline. Einig waren sich die Autoren der Leitlinien hingegen beim Stellenwert inhalativer Glukokortikoide (ICS) – dieser wurde deutlich reduziert. Die Leitlinie wurde, ebenso wie die kürzlich aktualisierte Athma-Leitlinie, beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Dresden vorgestellt und diskutiert.

Zur Epidemiologie der COPD liegen bislang nur wenige Daten vor. Experten schätzen die Prävalenzen der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland und Österreich zwischen 5 und 10 %.

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Die Diagnose COPD ist bei allen Patienten mit Atemnot, Husten und/oder Auswurf zu erwägen und durch den Nachweis einer nicht vollständig reversiblen Obstruktion in der Lungenfunktion zu sichern. Besonders hervorzuheben sei dabei die neue Einschätzung der Erkrankung, die auf die internationale GOLD-Guideline zurückgeht, sagt Claus Vogelmeier, Leiter der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie am Uniklinikum Gießen und Marburg. „Diese beruht aber nicht nur mehr auf der Lungenfunktion (Spirometrie), sondern auch auf der Symptomlast und dem Exazerbationsrisiko“, erklärt der Internist, der an der Aktualisierung der Leitlinie beteiligt war. Die beiden letztgenannten Faktoren dienen als Leitschnur für die Festlegung der Pharmakotherapie. Die internationale GOLD-Guideline fokussiert hingegen bei der Diagnose ausschließlich auf die Spirometrie und dabei insbesondere die Forcierte Expiratorische Einsekunden­kapazität (FEV1). Die Bodyplethysmographie und die Diffusionskapazität werden dabei nicht – wie jetzt in der deutschen Leitlinie empfohlen – berücksichtigt.

Es werden zudem einfache Kriterien vorgestellt, die im Sinne einer Mustererkennung eine Unterscheidung zwischen Asthma und COPD ermöglichen. Analog zu GOLD empfehlen die Leitlinienautoren, COPD-Patienten mit dem ABCD-Schema aufbauend auf die Symptomatik und die Exazerbationshistorie einzustufen, um eine Therapie auszuwählen.

Neu ist laut Vogelmeier auch die Einordnung der nichtmedikamentösen Maßnahmen, die die Autoren jetzt als genauso wichtig wie die medikamentösen einstufen. Dazu zählen unter anderem: Rauchentwöhnung, Impfungen, Rehabilitation, Erhaltung oder Steigerung der körperlichen Aktivität. Die Empfehlungen für die medikamentöse Therapie folgen im wesentlichen GOLD. Es wurde aber eine andere Art der Darstellung gewählt mit einer Trennung in nicht behandelte und vorbehandelte Patienten. Darüber hinaus haben die Leitlinienautoren die GOLD-Gruppen C und D im Therapiealgorithmus zusammengefasst, weil die Empfehlungen für diese häufig exazerbierenden Patienten­gruppen ähnlich sind.

Stellenwert inhalativer Glukokortikoide sinkt

Sowohl in der GOLD-Guideline als auch in der aktuellen Leitlinie wurde der Stellenwert inhalativer Glukokortikoide (ICS) deutlich reduziert. ICS sind in der Initialtherapie nicht indiziert und finden nur dann Einzug in die Therapie, wenn der Verdacht besteht, dass eine asthmatische Komponente vorliegt. Bei Patienten mit reiner COPD kommen ICS frühestens dann zum Einsatz, wenn die bronchialerweiternde Therapie ausgeschöpft ist. Kommt es unter ICS weiter zu Exazerbationen, können sie auch wieder abgesetzt werden.

Daher haben wir für die Behandlung der Exazerbation mit Antibiotika spezifischere Empfehlungen formuliert als noch in der früheren Leitlinie. Claus Vogelmeier, Uniklinikum Gießen und Marburg

Bezüglich der Behandlung von COPD-Exazerbationen sind die Autoren der deutschen Leitlinie der Ansicht, dass zu viele Patienten Antibiotika erhalten. „Daher haben wir für die Behandlung der Exazerbation mit Antibiotika spezifischere Empfehlungen formuliert als noch in der früheren Leitlinie“, sagt Vogelmeier. Dieses Vorgehen solle dazu beitragen, den unnötigen Einsatz von Antibiotika zu vermindern.

Der außerklinischen Beatmung von COPD-Patienten mit respiratorischer Insuffizienz wurde aufgrund der in mehreren Studien nachgewiesenen signifikanten Überlebens­vorteile für die beatmeten Patienten ein ausführliches Kapitel gewidmet. Ein besonderes Augenmerk legt die deutschsprachige Leitlinie auf mögliche berufliche Ursachen der COPD. © gie/idw/aerzteblatt.de

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Avatar #725590
OFreudenthaler
am Donnerstag, 3. Mai 2018, 08:53

COPD

nichtmedikamentöse Therapie aufgewertet
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