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Ärzteschaft

Lungenärzte fordern größere Anstrengungen gegen Luftverschmutzung

Freitag, 28. September 2018

/kichigin19, stock.adobe.com

Berlin – Die gesundheitlichen Risiken der Luftverschmutzung werden aus Sicht von Lungenärzten durch den Klimawandel noch verstärkt. „Die Stadtbevölkerung, die an viel befahrenen Straßen lebt, ist am meisten gefährdet“, sagte der Pneumologe Christian Witt aus Anlass des Deutschen Lungentages am Samstag (29. September).

Die Konzentration von Schadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden sei bei großer Hitze und anhaltender Trockenheit erhöht. „Darunter leiden Patienten mit chronischer Bronchitis, Asthma oder COPD“, sagte Witt. Eine Folge seien mehr stationäre Aufnahmen wegen Lungenerkrankungen in Kliniken. Bei COPD, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, bekommt ein Patient im Lauf der Zeit zunehmend Atemprobleme. Zu den Ursachen gehören vor allem Schadstoffe im Zigarettenrauch aber auch genetische Veranlagungen.

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Mehr Elektromobilität notwendig

Witt forderte eine Wende in der Verkehrspolitik. „Wir benötigen mehr Elektromobilität zum Schutz unserer Patienten“, betonte der Medizinprofessor von der Berliner Charité. Eine besondere Problematik seien Dieselmotoren, deren Stickoxide ganz starke Reizstoffe und Entzündungsstimulatoren für Atemwege seien. „Treffen die Schadstoffe auf eine bereits geschädigte Schleimhaut, wirken sie wie ein Brandbeschleuniger – Entzündungen werden angefeuert“, sagte Witt.

Der 21. Deutsche Lungentag mit Aktionen in zahlreichen Städten steht unter dem Leitthema „Dicke Luft – Gefahr für die Lunge“. In Berlin wurde gemeinsam mit der Akademie der Künste ein Malwettbewerb für Schüler initiiert, die besten Arbeiten werden ausgestellt. Der Lungentag wird von wissenschaftlichen Gesellschaften der Lungenheilkunde und Patientenorganisationen organisiert.

Bundesweit gibt es Millionen lungenkranker Menschen. Jährlich erkranken in Deutsch­land über 50.000 Menschen an Tumoren der Lunge oder Bronchien, Auslöser ist häufig das Rauchen. Welchen Anteil die Luftverschmutzung hat, ist schwer zu bestimmen. „Unstrittig ist das erhöhte Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, wenn man dauerhaft mit Feinstaub belastete Luft einatmet“, sagte der Epidemiologe Joachim Heinrich von der Universität München.

Siginifikanter Zusammenhang zwischen dem Risiko für Lungenkrebs und Feinstaub

Nach der europäischen Studie Escape gibt es zudem einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Risiko für Lungenkrebs und Feinstaub der Partikelgröße PM10. Laut einer Statistik der Europäischen Umweltagentur EEA kam es in Deutschland 2017 zu rund 54.000 bis 66.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub, 12.000 bis 44.000 durch Stickoxide und 2.200 durch Ozon. Allerdings nahm die Belastung der Luft mit Schadstoffen in den vergangenen 25 Jahren laut Bundesumweltamt deutlich ab.

Besonders gefährdet seien oft arme Menschen, die an stark belasteten Straßen wohnten, sagte Pneumologe Witt. „Zu bedenken ist, dass die Grenzwerte der EU weit über den von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) angegebenen Grenzwerten für Schadstoffe liegen“, sagte der Berliner Mediziner. Eine Beeinträchtigung könne es aber auch geben, wenn Grenzwerte nicht überschritten werden. Witt sagte: „Viele Lungenfachärzte fragen ihre Patienten inzwischen, wo sie wohnen, und raten gegebenenfalls zu einem Umzug in eine weniger belastete Umgebung.“ © dpa/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 1. Oktober 2018, 12:42

Generelle Anstrengungen gegen Luftverschmutzung!

Der Satz „Die Stadtbevölkerung, die an viel befahrenen Straßen lebt, ist am meisten gefährdet“, des Pneumologen Prof. Dr. med. Christian Witt von der Berliner Charité aus Anlass des Deutschen Lungentages am Samstag 29. September 2018 ist empirisch vereinfachend richtig und logisch falsch zugleich:

Unlogisch wird ausgeklammert, dass auch ein wesentlicher Teil der Dorf- und Landbevölkerung direkt an viel befahrenen Straßen wohnen muss.

So lange die Wohlhabenden, Reichen und "Schönen" weltweit mit ihrer generell höheren Lebenserwartung nicht gezielt ihre Wohnsitze an viel befahrenen Hauptverkehrs-Straßen aussuchen, um zugleich den Ärmeren und weniger Wohlhabenden der Unterschicht bzw. unteren Mittelschicht mit generell niedriger Lebenserwartung ihre verkehrsfernen grünen Villenviertel zu überlassen, wird es immer wieder diesen Studien-"Bias" (Fehlannahme) geben.

Wenn laut einer Statistik der Europäischen Umweltagentur EEA es in Deutschland 2017 zu rund 54.000 bis 66.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub, 12.000 bis 44.000 durch Stickoxide und 2.200 durch Ozon gekommen sein soll, wurden genau diese wichtigen morbiditäts- und mortalitätsbildenden Erkenntnisgrundlagen empirisch vereinfachend ausgeklammert und nur scheinbar belegt.

Morbidität und Mortalität entwickeln sich bei allen Lebewesen nicht monokausal, so dass Straßenverkehr, Emissionen, Immissionen und Lärm nur einen Teil gesundheitsschädigender, krankheitsfördernder Risikofaktoren sein können.

Selbstverständlich sind die Konzentrationen von Schadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden nicht nur bei großer Hitze und anhaltender Trockenheit erhöht. „Darunter leiden Patienten mit chronischer Bronchitis, Asthma oder COPD“, sagte Witt. Eine Folge seien mehr stationäre Aufnahmen wegen Lungenerkrankungen in Kliniken. Bei COPD, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, bekommt ein Patient im Lauf der Zeit zunehmend Atemprobleme, kann gar nicht ernsthaft bestritten werden.

Doch weshalb muss ausgerechnet der Individualverkehr mit Diesel- und Benzin-Antrieb von PKWs als Sündenbock herhalten, während alle anderen Umweltsünder geschont und verhätschelt werden?

Pneumologen und ihre Fachgesellschaften sollten sich nicht vor den Karren einer populistisch-unehrlichen bzw. wissenschaftlich nicht belegten Diesel-PKW-Politik spannen lassen. Es ist schließlich ein gesamtgesellschaftlicher Skandal, wenn nicht a l l e verschiedenen Verbrennungsarten einschließlich der Kohleverstromung mit diametral entgegengesetzten Kriterien der Umwelt-Verträglichkeits-Prüfung behandelt werden.

In einer beispiellosen Kumpanei zwischen Automobilindustrie, Lobbyisten, Werbewirtschaft, Wissenschaft, Politik, Meinungsbildnern, KFZ-Zulassungs- und Aufsichtsbehörden wurden exzessiven Manipulationen Tür und Tor geöffnet.

Trotzdem: Nach 2-Takter-Abschaffung, Ende der Diesel-Fahnen oder Ölbrenner-Fahnen beim Benziner durch ASU, Feinstaub-, CO-, CO2- und SO2-Debatten, geregelter Abgasreinigung mit/ohne Katalysator/Feinstaubfilter/ad-blue-Technologie sind und bleiben Diesel- und Benzin-PKWs die saubersten Autos, die unsere Umwelt je gesehen hat.

Das bezieht sich aber nur auf kleine Hubräume und geringe KW-Leistungen. Großvolumige (veraltete) PKWs, SUVs, Protz-, Nutz- und Sonder-, Schienen-Fahrzeuge, LKWs, Industrie-Verbrennungsmotoren, Heizungsanlagen sind die entscheidenden Hauptprobleme, weil deren Gesamtausstoß und Umweltbelastungen wesentlich höher liegen, als z.B. bei meinem ersten eigenen gebrauchten Citroen 2CV (Ente) 1969 mit gerade mal 16 PS!

Und Schiffsdiesel, Diesellokomotiven bzw. landwirtschaftliches Gerät fahren zugleich mit Alt-/Schwer-/Heizöl zu Land, zu Binnengewässern oder auf Weltmeeren und in allen deutschen Hochsee-Häfen herum?

Was für ein Umwelt-Betrug? Gestern, Heute und Morgen!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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